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wirkten als Fotografen In Oschatz. Die Aufnahmen, die sowohl die Ansichten von Oschatz zeigen aber auch das Geschehen in der Stadt dokumentieren, sind unter Sammlern sehr begehrt. Die Biografie stellte das Ehepaar Ernestine und Roland Ruminski zusammen, um die Leistungen der Fotografen-Familie zu würdigen.

 

Hermann Koczyk wurde am 1. 05. 1868 in Groß-Glogau/Niederschlesien geboren. Sein Vater, Germanus Koczyk, eröffnete als erster Meißener Fotograf ein Foto-Atelier im Prälatenhaus, Rote Stufen 28, einem der ältesten Gebäude der Stadt, das ihm auch gehörte.

Er besuchte von 1883 bis 1884 die "Königliche Sächsische Akademie der bildenden Künste" in Dresden. Vom "akademischen Rath" wurden ihm gute Leistungen bestätigt. Danach lernte Hermann von 1885 bis 1886 bei den Fotografen J. Richaud in Cannes (Frankreich), bei Hermann Witte in Montreux (Schweiz) und Henri Rebmann in Chaux de Fonds (Schweiz).

Von Mai 1886 bis August 1887 war er als Filialleiter im Foto-Atelier von Hermann Mayer in Senftenberg tätig. Der Fotograf Meyer bestätigte ihm in einem Zeugnis, dass Hermann Koczyk „... als Fachmann in jeder Beziehung sich tüchtig bewährt hat und das Geschäft in streng solider Weise geleitet hat".

Nach dieser Tätigkeit als Filialleiter eröffnete H. Koczyk ein eigenes Atelier in Haynau in Schlesien. Seine spätere Frau, Martha Rockstroh hatte das Fotografenhandwerk u.a. bei dem bekannten Fotopionier Guido Maegerlein in Chemnitz erlernt.


Schreiben zur Geschäftseröffnung

Am 16. Oktober 1890 erwarb Martha Rockstroh das Foto-Atelier in Oschatz an der Unteren Promenade für 3000 Mark von der Oschatzer Fotografenfamilie Malvine und Curt Saur.

Am 5. März 1891 verlobten sich Martha Rockstroh und Hermann Koczyk und bereits am 1. Dezember 1891 war die Hochzeit. Von nun an firmierte das Atelier unter der Bezeichnung Photographisches Atelier Hermann Koczyk mit der Ergänzung " Kunstanstalt für Photographie, Vergrößerung und Malerei".

Sehr großen Wert legte Hermann Koczyk auf ständige Qualifizierung in dem sich damals rasant entwickelnden fotografischen Gewerbe. So nahm er zum Beispiel an einem "Meisterkurs für Photographen" in München sowie an einem Lehrgang des zu dieser Zeit wohl renomiertesten Berufsfotografen Nicola Perscheid in Leipzig teil. Selbstverständlich wurden die damals sehr häufig durchgeführten Fotografie- und Kunstausstellungen, u. a. die "Internationale Kunstausstellung" 1901 in Dresden zur persönlichen Weiterbildung besucht.


Hermann Koczyk vor seinem Atelier in der Unteren Promenade in Oschatz

1911 beteiligte sich Hermann Koczyk an der Oschatzer "Ausstellung für Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft". In einem Bericht dazu heißt es: "Da ist der Photograph Hermann Koczyk..., der eine sehr sehenswerte Auslese seiner Kunstanstalt bietet..., Einzel-und Gruppenbilder, Architektur- und Landschaftsaufnahmen vervollständigen die Sammlung, die sich durch seine künstlerische Auffassung auszeichnet."

In dieser Bewertung wird das Bemühen von Hermann Koczyk deutlich, sich der damals von den Amateurfotografen besonders beförderten Bewegung, weg von der erstarrten Atelierfotografie - hin zur modernen kunstfotografischen Bewegung, dem Piktorialismus, anzuschließen.

Dazu beigetragen hat auch wesentlich seine Mitgliedschaft im Sächsischen Photographen-Bund sowie seine Mitgliedschaften in den Photographen-Vereinen von Hamburg und Berlin.

Daraus resultieren auch seine persönlichen Kontakte zu den "Leuchttürmen" der deutschen Fotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie Rudolph Dührkoop (Hamburg und Berlin), Nicola Perscheid (Leipzig und Berlin), Emil Bieber (Hamburg und Berlin) und Karl Schenker (Berlin).


Martha Koczyk


Die Kinder Vera (*1900), Viktor (*1894), Alexander (*1892) und Edwin (*1896) Koczyk


Die Söhne im 1. WK

1929 feierte Familie Koczyk in Oschatz ihr 40jähriges Geschäftsjubiläum. Ein Jahr zuvor war Hermann Koczyk für seine mehr als 20jährige Tätigkeit als 1. Vorsitzender der Sektion Mittelsachsen mit einem Diplom und einer Medaille geehrt worden. Gleichzeitig wurde er "Ehrenmitglied des sächsischen Photographen-Bundes", dessen Mitbegründer er war.

Insgesamt kann man sagen, dass Hermann Koczyk, unterstützt von seiner Ehefrau Martha und seiner Tochter Vera, ein wichtiger Chronist der Entwicklung der Stadt Oschatz und ein unermüdlicher Beförderer des fotografischen Fortschritts im mittelsächsischen Raum in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war.

Hermann Koczyk verstarb im Alter von 73 Jahren am 14. Januar 1942 in Oschatz, wo auch die Trauerfeier stattfand. Martha Koczyk folgte ihrem Mann nur 10 Monate später, am 20. Oktober 1942. Auch ihre Trauerfeier fand in Oschatz statt.
Die Bilder der Fotografenfamilie aber leben bis heute weiter.



Eine kleine Auswahl seiner
Fotografien finden Sie hier...

... und einige der vielen Ansichtskarten, die er
produziert und vertrieben hat, sehen Sie hier

 


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