Oschatz damals | Geschichte(n)  | Metzrad

Im Südlichsten Teil des Oschatzer Stadtwaldes, auf der Thalheimer/ Altoschatzer Flur gelegen, befindet sich seit nunmehr 170 Jahren ein Denkmal der Zeitgeschichte - Metzrads Grab. Es überdauerte die Zeit wohl nur aufgrund seiner versteckten Lage und auf Grund der Tatsache, dass es über lange Zeit keine Erwähnung fand. Oberstleutnant Carl August von Metzrad kämpfte 1809 unter Napoleon gegen die Österreicher und wurde 1813 bei der Schlacht von Dennewitz verwundet. Der Träger des Ordens „Ritter der französischen Ehrenlegion“ galt als umsichtig und tapfer. Ab 1817 etatmäßiger Kommandant des 1. Oschatzer Schützenbataillons sowie direkter Stadtkommandant, war er bei seinen Soldaten, aber auch bei den Oschatzer Bürgern äußerst beliebt.

 

 

Der Wiener Kongress (Versammlung der europäischen Staatsmänner 1814/15) hatte Sachsen zu Gunsten Preußens um nahezu die Hälfte verkleinert und auch die sächsische Armee dezimiert. Vielen Offizieren blieb dadurch die weitere Laufbahn verwehrt. Der Verdruss über eine solche nicht erfolgte Beförderung als auch die für Sachsen anderweitig widerfahrene Behandlung soll nach Meinung von Freunden die Ursache seines Freitodes gewesen sein. Metzrad erschoss sich am 15. Juni 1829 im Alter von 52 Jahren in den Ruinen des Wüsten Schlosses Osterland. Zwei Tage später erhielt er durch Angehörige seines Truppenteils seine letzte Ruhestätte 10 Fuß nördlich der Sternallee (heute als „Am Wüsten Schloß“ bezeichnet) in einem Mischwaldgelände nahe des einstigen Garnisonsschießplatzes. Als bemerkenswert ist überliefert, daß Metzrads Bursche (Diener) seinen Herrn nicht überleben wollte und so ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft bestattet wurde.

Anfangs galten die Gräber als beliebtes Ausflugsziel und Stätte des Gedenkens. Auf Anordnung der Oschatzer Stadträte erneuerte man im Jahre 1895 den Grabstein. Bald darauf gerieten die Gräber jedoch in Vergessenheit. Während 1936 noch eine zweite Ruhestätte zu erkennen war, ist deren Bestand nach 1950 nicht mehr verbürgt. Ab und an (zuletzt von ABM-Kräften) gepflegt, hat Metzrads Grab jedoch die Zeiten bis heute überdauert. Es wäre zu wünschen, wenn es so bliebe und auch die Sandsteinplatte restauriert werden könnte.

Aus „Der Heimatbote“ · Heft 15
Text und Foto: Reiner Scheffler

 


Oschatz damals © 1998 - 2017

InhaltAktualisierungenüber mich | Gästebuch | Impressum | Links