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Aus einem Faltblatt aus dem Jahre 1988 (Druck: Buchdruckerei Dober, Mügeln, Sammlung: Günther Hunger, Oschatz) stammt diese Abhandlung über das Molkereiwesen im Altkreis Oschatz


Milch- und Molkereigeschichte
im Kreis Oschatz aus Anlass
90 Jahre Molkerei Mügeln
50 Jahre Molkerei Oschatz
20 Jahre Molkereigenossenschaft e.G. Oschatz
mit den Betrieben Oschatz, Mügeln, Dahlen

Zur Bedeutung der Milch

In unserer Ernährung besitzen Milchprodukte einen bedeutenden Stellenwert. Biologisch hochwertig, werden durch sie ca. 16 Prozent der Energie -, 38 Prozent des Fett- und 21 Prozent des Eiweißbedarfs gedeckt.
Nur ein geringer Teil wird direkt als Trinkvollmilch verbraucht, den größten Teil verzehren wir in Form von Butter, Käse, Quark und Sauermilchgetränken.
In die Butter- und Sahneherstellung fließen allein 50-60 Prozent der Milch, die für die menschliche Ernährung zur Verfugung steht.
Milcheiweiß wird von unserem Körper zu 95 Prozent verwertet, während es bei pflanzlichem Eiweiß nur 70 Prozent sind. Milchfett ist für den Körper ein gut verdauliches Fett. Die Mahrzahl der Fettsäuren der Milch sind flüssig und werden deshalb zu 95 Prozent resorbiert.
Der Milchzucker bildet einen wichtigen Energielieferanten (Kohlenhydrate). Er übernimmt aber auch eine entscheidende Rolle für die Bildung einerlebensnotwendigen Bakterienflora im Menschen.

In der Milch sind viele und wertvolle Virtamine enthalten.


Vitamine

Tagesbedarf in mg

Beitrag von 1 l Milch
zur Bedarfsdeckung
in Prozent

 

A

   1,5

 37

B1

   1,3

 33

B2

   1,6

106

B6

3

 16

C

70

 26

D

       0,01

   8

E

20

   7

H

     0,2

 20

K

  4

    1

Von der in der Milch enthaltenen Mineralstoffen und Spurenelementen Natrium, Kalium, Magnesium, Eisen, Zink, Jodit, Kobalt, Chlorid und Mangan spielen vor allem Kalzium und Phosphor eine bedeutende Rolle für den Aufbau der Zähne und Knochen. Mit einem Liter Milch wird der Durchschnitts- Tagesbedarf an Kalzium gedeckt.
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Michprodukten beträgt im Jahr 106 l Milch, 15,6 kg Butter, 5,1 kg Schnitt- und Weichkäse.

Zur Geschichte der Molkereien im Kreis Oschatz

Molkerei Mügeln
Am 23.Juli 1898 wurde die Molkerei Mügeln gegründet und ist damit die älteste im Kreis Oschatz. Sie entstand im Verlaufe der in den neunziger Jahren einsetzenden Bewegung zur Gründung von Molkereigenossenschaften.


moderner Tanklastzug


Käserondell 

Zehn Bauern aus der landwirtschaftlichen Umgebung Mügelns gründeten in der Gaststätte Gatzschnick in Mügeln die Molkereigenossenschaft.
Im Jahre 1910 wurde der Zweigbetrieb Ostrau eingerichtet und nach dem 1. Weltkrieg, im Jahre 1919, wurden die damaligen Molkereien Oschatz und Dahlen, sowie die Bezirksmilch- verwertung in Leipzig käuflich erworben und bildeten mit dem Hauptbetrieb Mügeln ein milchwirtschaftliches Großunter- nehmen. Dieser Großbetrieb bestand eine Reihe von Jahren und erst nach 1930 wurden diese Zweigbetriebe selbständige Molkereigenossenschaften,
Mit zunehmender Milchanlieferung machten sich stets Erweiterungsbauten erforderlich, so im großen Umfange 1931, 1948, 1960, 1968 und der Käsereineubau 1975.
In den 90 Jahren des Bestehens wurde die tägliche Milchanlieferung von 3328 l pro Tag mit einem Durchschnitts-Fettgehalt von 3,16 Prozent auf ca. 110 000 l bei einem Durchschnitts-Fettgehalt von 4,35 Prozent gesteigert.

Molkerei Oschatz
Am 16. Juni 1937 wurde die heutige Molkereigenossenschaft gegründet, mit der Zielsetzung der Errichtung einer neuen Molkerei. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich eine Molkerei in der Wermsdorfer Straße, die bis ca. 1930 als Zweigbetrieb der Molkerei Mügeln betrieben wurde.
Sie genügte jedoch bald nicht mehr den hygienischen und ökonomischen Ansprüchen, so dass es zur Gründung der neuen Genossenschaft kam. Die gerichtliche Eintragung erfolgte am 17.09.1937.
Am 2.09.1937 fand die erste Bauberatung des Milchwirtschaftsverbandes und der Stadtverwaltung statt und am 01.10.1937 wurde das Flurstück 804c mit einer Größe von 4730 qm zur Bebauung an den Milchwirtschaftsverband verkauft.
Bereits am 15.11.1938 wurde die erste Milch angenommen und der weiteren Verarbeitung zugeführt. Die Verarbeitungs- kapazität war auf 40.000 l pro Tag ausgelegt, wobei die tägliche Anlieferung zunächst nur 20.000 l betrug, die durch ca. 500-600 Einzelbauern zur Anlieferung kam. Damit wurde Butter, Käse und Trinkvollmilch hergestellt und 33 Gemeinden des Kreises versorgt.
Nachfolgend wurde viel gebaut und erweitert. Das Produktionsprofil wurde ständig verändert. Neben der Produktion von Butter, Milch und Speisequark wurde Milchzucker, Molkenpaste, Speiseeis und Käse in der Molkerei Oschatz hergestellt.
Molke bildete das Rohprodukt für die Herstellung von Molkenessig durch die Firma Baumann in Zschöllau.
Umfangreiche Erweiterungsbauten erfolgten in den Jahren 1947, 1954, 1957, 1958-62, 1975-77, 1980 und 1986.

   

Die Milchanlieferung stieg seit Gründung der Molkerei von 20.000 l täglich auf gegenwärtig ca 40.000, wobei vor der Spezialisierung des Betribes Anlieferungen bis zu 70.000 l täglich erreicht wurden.


Verladerampe


Abfüllanlage

Molkerei Dahlen
Die Molkeigenossenschaft Dahlen wurde 1937 gegründet. Der Neubau erfolgte in den Jahren 1937 und 1938. Die Kapazität war lediglich für 5.000 - 8.000 l Rohmilch ausgelegt. Damals wurde Butter und Speisequark produziert.
1959/63 erfolgte der erste Erweiterungsbau. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Flaschenmilchproduktion im Betrieb aufgenommen. Die höchste Jahresproduktion belief sich auf 1100 t als ½l-Flaschen.


Produktionsgebäude Dahlen


Butterverpackung

1964/65 erfolgte die Rationalisierung der Speisequark- produktion, so dass die Produktion auf 580 t jährlich gesteigert werden konnte. Ebenso ermöglichte die Rationalisierung der Sauermilchquarktechnologie in den Jahren 1972/73 eine Produktion von 935 t Sauermilchquark im Jahr.
Die Sicherung der Dampfversorgung im Jahre 1971 durch Anschluss an die Ferndampfstraße Armaturenwerk und der Neubau der Kälteversorgungsstation 1974/75 bildeten die Voraussetzungen für den 2. Erweiterungsbau, der 1979 begann und 1981 abgeschlossen werden konnte.
Mit dieser Maßnahme wurde mit Bildung des Kombinates eingeleitete Spezialisierungs- und Konzentrationsprozess fortgeführt und der Betrieb damit zum Butterwerk profiliert.
Im Jahre 1985/86 erfolgte die Fortführung dieses Konzentrationsprozesses, so dass die Produktion von Kräuter- und Landbutter in 125g Abpackgrößen aufgenommen werden konnte.

Kombinat Oschatz
VdgB Molkereigenossenschaft e,G. Oschatz
mit den Betrieben
Oschatz Mügeln, Dahlen

Am 14.12.1967 fand eine Delegiertenkonferenz des landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und der Vertreter der Molkereigenossenschaften Oschatz, Mügeln und Dahlen statt., mit der Zielstellung, eine Verschmelzung der drei Betriebe gemäß des erreichten gesellschaftlichen Entwicklungsstandes vorzunehmen. Im Ergebnis dieser Zusammenkunft erfolgte mit Wirkung vom 01.01.1968 der Zusammenschluss der drei Molkereien. Damit war der Grundstein zur Spezialisierung der Molkereien gelegt, so dass in den milchwirtschaftlichen Verarbeitungsbetrieben der wissenschaftlich-technische Fortschritt Einzug halten konnte.
Mit dem Zusammenschluss der Molkereien wurde die Spezialisierung eingeleitet, das heißt, dass Mügeln sich zum Käsewerk, Dahlen zum Butterwerk und Oschatz zum Frischwarenbetrieb (flüssige Produkte) profilierte. Moderne Technik gestattete beachtliche Produktionssteigerungen und die Erhöhung der Arbeitsproduktivität.

So stieg die Produktion
bei Käse
von 153 t vor der Spezialisierung
auf 2000 t danach

bei Butter
von 581 t vor der Spezialisierung
auf 4950 t danach

Dabei gelang es, die Selbstkosten zu senken und insbesondere durch die Rationalisierung und Optimierung des Rohmilchtransportes die Transportkosten auf ein in der DDR führendes Maß zu senken.
Die Spezialisierung erfolgte auf Grund der bis zu diesem Zeitpunkt erreichten Produktionsverhältnisse der Milchwirtschaft. Die Milchwirtschaft hatte einen solchen Aufschwung genommen wie nie zuvor.
Beeinflussende Faktoren waren
– der Stand der gesellschaftlichen Entwicklung
– der auch in der Milchwirtschaft erreichte
   wissenschaftlich-technische Forstschritt und
– der erreichte Stand in der sozialistischen Landwirtschaft


Auszeichnungen uns Zuerkennungen

– staatlich anerkannter Lehrbetrieb
– agro-Goldmedaille für Camembert in Mügeln
– DSF-Ehrennadel in Gold und Silber in Mügeln bzw.
   Oschatz
– Ehrenbanner des ZK der SED in Oschatz
– Ehrenurkunde des ZK „Brigade 8. März“ in Mügeln
– Betrieb der vorbildlichen Ordnung, Sauberkeit und
   Sicherheit (Kombinat)
– Energiewirtschaftlich vorbildlich arbeitender Betrieb Oschatz
– Wasserwirtschaftlich vorbildlich arbeitender Betrieb Oschatz
– gute bis sehr gute Plazierungen in Zentralen
   DDR-Leistungsvergleichen der Milchwirtschaft
– verschiedene Auszeichnungen und Urkunden des ASMW
– mehrmals 1. Plazierung im Wettbewerb der Molkereien des    Bezirks Leipzig


Unser heutiges Produktionsprogramm

– Trinkvollmilch, Kakaomilch, Milchmischgetränke
– Sauermilchgetränke
– Schlagsahne und saure Sahne
– Piccolo (größter Hersteller in der DDR)
– Edamer hochfein
– Edamer
– Camembert in verschiedenen Fettstufen
– Schmelzkäse
– Land- und Kräuterbutter (Alleinhersteller im Bezirk)
– Butter in verschieden Fettstufen
– Sauermilchquark
 – Futtermilch, sowie verschiedene Abprodukte für die    Landwirtschaft (Molke, Eiweißquark, Zentrifugenabfall, usw.)

 


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