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In diesem Auszug des Festbuches werden die zahlreichen Organisatoren, das Programm, die Festhalle, die Reihenfolge des Festzuges, das neue Banner und die angemeldeten Vereine vorgestellt. Enthalten sind auch Rückblicke auf die 4. und 10. Bundes-Sängerfeste die in den Jahren 1868 und 1884 in Oschatz stattfanden
Diese Broschüre stellte Gerald Polster zur Verfügung.
Siehe auch Postkarten

 

 

Ehrenausschuss

Gotthardt Gerstenberg, Lommatzsch, Ehrenvorsitzender des Sängerbundes Meißner Land; Erster Bürgermeister Dr. Konrad Sieblist, Oschatz; Amtshauptmann Dr. Vogel von Frommannshausen, Oschatz

Erster Bürgermeister
Dr. Konrad Sieblist, Oschatz

G.Gerstenberg-Lommatzsch,
Ehrenvorsitzender

Sängerbund Meißner Land
mit Unterbund „Elbe-Elster-Sängerbund“
Bundesvorstand

Ehrenvorsitzender: Stadtrat a.D. Gotth. Gerstenberg, Lomm. Ehrenliedermeister: Kirchenmusikdir. Paul Gläser, Großenhain 1. Vorsitzender: Prokurist Carl Adelhelm, Oschatz 2. Vorsitzender: Goldschmied Georg Schumann, Riesa Schriftführer: Stadtrat Fritz Hobein, Lommatzsch Schatzmeister: Stadtkassierer Woldemar Hofmann, Lomm. Notenwart: Postinspektor Albin Böhme, Großenhain Beisitzer: Friseur-Obermeister Emil Schmidt, Großenhain Abteilungsvorsteher Martin Kühne, Falkenberg, Bez. Halle Lehrer Franz Behrendt, Mückenberg, Niederlausitz


Georg Schumann, Riesa
2. Vorsitzender

Carl Adelhelm, Oschatz
1. Vorsitzender

Hauptausschuss

Max Görlt, Schneidermeister, Vorsitzender
Karl Paul Adelhelm, Prokurist; Karl Friedrich Dix, Eisenbahnsekretär; Ernst Göthel; Buchdruckereibesitzer: Max Golditz, Zeugschmied; Georg Hellmich, Berufsschuloberlehrer; Louis Heyde, Malermeister;  Albin Kreisel, Werkmeister; Johannes Lässig, Kaufmann; Hans Lorenz Kaufmann, Paul Merkel, Lehrer; Karl Otto, Lehrer; Dr; rer. pol. Hans Rahn, Schriftleiter; Emil Richter, Glasermeister; Paul Rittner, Schriftleiter; Paul Schneider, Maurer- und Zimmermeister: Hugo Steltzner, Kantor. Emil Siegel, Kaufmann; Martin Uhlmann, Stadtbaudirektor; Franz Zwintzscher, Stadtobersekretär; Arno Ullrich, Studienrat.


Max Görlt, Oschatz
1. Vorsitzender

Emil Richter, Oschatz
2. Vorsitzender

Bau- und Schmückungsausschuss
gelbes Abzeichen, Buchstabe B.u.S.

Emil Richter, Glasermeister, 1. Vorsitzender; Paul Schneider, Maurer- und Zimmermeister, 2. Vorsitzender; Louis Heyde, Malermeister, Schriftführer; Hermann Dießner, Zimmerpolier: Curt Schnelle, Gärtnereibesitzer

Festzugsausschuss
hellblaues Abzeichen, Buchstabe Fe

Georg Hellmich, Kunstmaler u. Oberlehrer, Ehrenvorsitzender; Albin Kreisel, Werkmeister, Vorsitzender; Ewald Schönitz, Schriftführer; Hermann Geißler. Lackierer; Adolph Nobis, Werkmeister; Gustav Pöschel, Maler; Otto Scheibe, Maler, Zöllau

Finanzausschuss
lilafarbenes Abzeichen, Buchstabe Fi

Hans Lorenz, Vorsitzender; Johann lässig, Kassierer; Ernst Knape, Schriftführer; Theodor Arndt; Alfred Barth; Otto Fischer; Georg Jahn; Curt Korn; Walther Mannewitz; Hugo Morgenroth. Otto Niemann; Fritz Pöschel; Curt Richter; Max Richter; Arthur Schubert, Otto Finke, Borna; Richard Reinhardt, Lonnewitz; Emil Schindler, Zschöllau

Musikausschuss
gelb-schwarzes Abzeichen, Buchstabe M

Hugo Stelzner, Kantor, 1, Vorsitzender; Karl Otto, Lehrer,
2. Vorsitzender; Herbert Beyer, Lehrer, Schriftführer; stud. phil Beyer, Leipzig; Georg Dörfel, Lehrer in Calbitz; Georg Kretzschmar, Kantor in Lonnewitz; Fritz Nier, Kantor in Sornzig, Rudolf Opitz, Kantor in Borna; Alfred Otto, Oberlehrer, Berufschulleiter; Richard Rost, Oberlehrer


Kirchenmusikdirektor Gläser
Großenhain

iStudierat Iwan Schönebaum
Riesa

Presseausschuss
rosafarbenes Abzeichen, Buchstabe P

Arno Ullrich, Studienrat, 1. Vorsitzender; Ernst Göthel, Buchdruckereibesitzer; Max Emil Herrmann, Oberzollsekretär; Otto Käseberg, Lehrer; Karl Otto, Lehrer; Dr. rer. pol. Hans Rahn, Schriftleiter; Paul Rittner. Schriftleiter.

Vergnügungsausschuss
grünes Abzeichen

Emil Siegel, 1. Vorsitzender; Max Golditz, 2. Vorsitzender; Georg Beyer; Otto Keller; Robert Nitzsche, Lademeister; Richard Täubert; Otto Böhmert.

Verkehrs- und Empfangsausschuss
dunkelblaues Abzeichen, Buchstaben V und E

Karl Dix, Reichsbahnsekretär, Vorsitzender; Walter Wenk, Lehrer, stellv. Vorsitzender und Schriftführer, Hermann Behr, Weichenwärter; Max Geißler, Hausbesitzer; Arno Kilian, Bahnhofsmeister; Curt Müller, Drogist; Franz Rök, Rangiermeister; Emil Schatz, Schneidermeister; Wilhelm Zieschang, Eisenbahnsekretär i.R.


Franz Zschelletzschky, Dentist,
Oschatz

Kirchenmusikdirektor Fischer,
Riesa

Wohnungsausschuss
weißes Abzeichen, Buchstaben W

Rudolf Merkel, Lehrer, 1, Vorsitzender;  Arno Böhme, Lehrer, 2. Vorsitzender und Schriftführer
Obmänner: Robert Aippersbach, Schirmgeschäftsinhaber; Otto Berthold, Monteur; Richard Clauß, Buchhalter; Ernst Döring, Bodenmeister; Eugen Fuchs, Schlosser; Ehregott Heinert, Schuhmachermeister; Otto Käseberg, Tapezierer; Arno Kilian, Stationsmeister; Hans Kneschke, Buchhalter; Karl Wilhelm Kreßler, Korbmachermeister; Kurt Lehmann, Hausmeister; H. Linné, Verw.-Ass.; Walter Mannewitz, Buchbindermeister; Julius Mede, Hutmacher; Paul Mohr, Uhrmachermeister; Hermann Muth, Oberpostsekretär; Ernst Niewitecki, Schuhmacher; Max Nitzsche, Schlosser; Hermann Oertel, Schneider; Max Papst: Rothe, Inspektor; Ernst Schubert, Schuhmachermeister; Otto Schulze; Heinrich Thomas, Tischler; Paul Wackwitz, Prokurist; Hermann Dießner, Rosenthal; Emil Dittrich, Altoschatz; Arno Leuschner, Zschöllau; Oskar Oppen, Zschöllau; Arthur Schade, Lonnewitz; Arno Winkler, Lonnewitz.

Standquartiere
Bockwitz
Borna
Calbitz
Daubnitz
Dobra
Elsterwerda
Falkenberg
Falkenberg
Gallschütz
Garsebach
Glaubitz
Gröba
Großenhain
Grumbach
Herzberg
Liedertafel
Liederfreund
Liedertafel
M.G.V.
M.G.V.
Konkordia
Einigkeit
Harmonie
M.G.V.
Lied hoch
Liedertafel
M.G.V.
Männerchor
Liederkranz
M.G.V.

Landbundhaus
Rest. Kittel, Strehlaer Str.
Grüne Tanne, Wermsd. Str.
Schützenhaus
Landbundhaus
Landbundhaus
Landbundhaus
Rest, Marx, Miltitzplatz
Bürgerhalle, Brüderstraße
Goldner Stern, Neumarkt
Roß
Schützenhaus
Gambrinus, Strehlaer Str.
Rest. Gasch, Bahnhofstr. 26
Dresdner Hof


Kantor Hugo Stelzner. Oschatz

Lehrer Karl Otto, Oschatz
Hohenleipisch
Kleinleipisch
Lauchhammer
Leuben b.R.
Liebenwerda
Liebenwerda
Liebenwerda
Liebenwerda
Lommatzsch
Lonnewitz
Meißen
Meißen
Meißen
Meißen
Merschwitz
Merzdorf
Mückenberg
Naundorf b.Gr.
Niederau
Poppitz
Proschwitz-W
Reinersdorf
Riesa
Riesa
Riesa
Riesa
Riesa
Riesa
Sachsdorf
Schrebitz
Sornzig
Strehla
Uebigau
Weinberge
Wilsdruff
Wilsdruff
Zabeltitz
Zaußwitz
Zehren
Zeithain
Zeithain
Zschöllau
Eintracht
Harmonie
Lied hoch
Deutsches Lied
Eintracht
Liedertafel
Lyra
Sängerlust
Liedertafel
M.G.V.
Bürgergesangv.
Germania
Harmonie
Konkordia
Männerchor
Sangelust
Liedertafel
M.G.V.
Eintracht
Froh Lied
Liederfreund
M.G.V.
Anphion
Arion
Bäckergesangv,
Orpheus
Sängerkranz
Schubertbund
M.G.V.
M.G.V.
Sangeslust
Konkordia
M.G.V.
M.G.V.
Liedertafel
Sängerkranz
M.G.V.
Liederkranz
M.G.V.
Eintracht
Liederhain
M.G.V.
Landbundhaus
Landbundhaus
Landbundhaus
Höschel's Rest. Rosmarinstr.
Schützenhaus
Roß
Landbundhaus
Landbundhaus
Goldner Stern, Neumarkt
Café Hofmann
Schwan
Bürgerhof
Weinberg
Gastgof Zschöllau
Schweizerhaus, Dresdn. Str.
Holländer
Landbundhaus
Gasthof Altoschatz
Gute Quelle, Gartenstraße
Faß, Altmarkt
Amtshof
Weißer Stiefel, Wermsd.Str;
Sächsischer Hof
Rotes Haus
Kleiner Ratszwinger
Schwan
Dresdner Hof
Sächsischer Hof
Dresdner Hof
Erholung, Breitestraße
Rest. Gasch, Bahnhofstraße
Gambrinus, Strehlaer Str.
Landbundhaus
Landbundhaus
Wettiner Hof
Café Zierold
Café Uebel
Amtshof
Garküche
Deutscher Schütze
Roß
Gasthof Zschöllau
Treffpunkte der Oschatzer Gesangvereine
Bürgergesangverein
Eintracht
Liederfreund
Liederkranz
Sängerkranz
Felber
Lange
Zierold
Zierold
Felber

Die Festhalle

Besondere Umstände haben es verfügt, das wir bei unserem Feste einen Raum von ganz ungewöhnlichen Ausmaßen benutzen können. Neben 1600 Sängern werden wir 1800 Zuhörer bequem unterbringen.
Als Festhalle dient und das Reithaus derr 2. Eskadron der ehemaligen 17er Ulanen an der Dresdner Straße (an der rechten Seite von der Stadt aus). Das Gebäude ist im Besitz des Reiches und gegenwärtig an den Männerturnverein als Turnhalle vermietet. Der Turnverein hat es für die Festtage bereitwillig überlassen und die Reichsvermögensverwaltung dankenswerterweise gegen eine ganz geringfügige Anerkennungssumme dazu ihre Zustimmung erteilt.

Der mächtige Bau ist kurz nach der Begründung des Regiments (1867) errichtet, ganz aus Stein ausgeführt, 83 m lang und 18,35 m breit, bis zum First des Daches 9,50 m hoch, Da an den beiden Querseiten je ein Raum von 15 m wegfällt, ehemalige Kühlställe bzw. Futterkammern, die bei dem Feste als Wirtschaftsräume dienen, steht insgesamt eine Fläche vom 53 x 18,35 m = 975 qm als Festraum zur Verfügung,
An der Ostseite befinden sich11, an der Westseite 10 hochliegende Fenster von je 1,60 x 2,30 m Ausdehnung so dass der Raum vollständig hell ist. Verstellbare Fensterrahmen ermöglichen hinreichende Durchlüftung. Der Haupteingang ist an der Westseite.
Die Bühne für die Sänger befindet sich an der Nordseite, sie füllt mit 18,35 m die ganze Breite des Reithauses und ist 11,60 m tief. Sie baut sich terrassenförmig in 26 Stufen auf, die unterste 15 cm, die höchste 4 m hoch über dem Erdboden.

EDie Bühne ist vorher auf dem Werkplatz vollständig aufgestellt worden. Sie besteht aus 18 einzelnen Gerüsten mit Balken von 16 x 16 cm Querschnitt, die von 8 ebensolchen verzahnten Säulen gestützt und durch zahlreiche Längs- und Querverstrebungen mit 500 Eisenbolzen weiterhin gesichert werden, Auf den sog. Bindern sind Dreiecke aus Pfostenstücken aufgenagelt, auf die dann die 3,5 cm starken Bohlen zu liegen kommen. Die Tragfähigkeit ist auf 5 bis 6000 Zentner berechnet, Die verwendete Holzmenge beträgt etwa 40 Festmeter.
Vor der Sängerbühne befindet sich das Podium für die 70 Mann starke Musikkapelle, 80 cm über dem Erdboden.
Der Dirigent erhält seinen Platz auf einem tannengeschmückten Gerüst von 1,50 m Höhe, Durch die getroffene Anordnung jann jeder Mitwirkende ihn völlig bequem sehen,
Es schließen sich im Zuschauerraum zunächst 60 Stuhlplätze für die Ehrengäste und die Mitglieder des Hauptausschusses an,
Die Zuhörer finden Platz auf 200 Bänken, je 4 m lang, in 2 Reihenangeordnet, so dass den einzelnen Besucher ½ m Sitzplatz zur Verfügung steht.
Um Unannehmlichkeiten, die bei anderen Festen auftraten, zu vermeiden, hat man 35 m ½starke Bohlen aus gehobelten, kienfreien Holz, sog. Glazer Ware, verwendet. An der Rückseite jeder Bank ist ein einfacher Tisch befestigt.
An den Längsseiten des Hauses sind Gestelle für 60 Fahnen angebracht. Die Fahnen werden nicht in den Saal hineinhängen, damit die schon ausprobierte prächtige Klangwirkung des Raumes nicht beeinträchtigt wird. Aus demselben Grunge hat man auch davon abgesehen, das Sparrenwerk des Daches irgendwie mit Fahnen zu schmücken.
Der ganze einbau ist ausgeführt von Sangesbruder Maurer- und Zimmermeister Paul Schneider(Bürgergesangverein Oschatz). Die Beleuchtungskörper stellte in entgegenkommender Weise die Fa. Nuster AG unentgeltlich zur Verfügung. 

Das neue Bundesbanner
Vorder- und Rückseite
Hersteller: Coburger Fahnenfabrik Chr, Wittmann, Coburg


 

 

Festspruch für das Oschatzer Sängerfest
des Sängerbundes vom Meißner Land 1927

von Rudolf Merkel und Richard Rost




Begrüßungsabend

Sonnabend, den 18. Juni 1927, abends 8 Uhr

1. Ouverture zu „Rosamunde“                       Franz Schubert
2. Ortsgruppe Oschatz: Ans Vaterland           Willi Herrmann
    Begrüßung durch den Vorsitzenden des Festausschusses.
    Herrn Max Görlt
    Hierauf: Begrüßungsgesang der Oschatzer Sänger:
    Nehmt unsern Gruß!                                             M Kluge
    Leitung. H. Stelzner und K. Otto
3. Bund: Brüder, reicht die Hand
    zum Bunde' 3(1)                                             W.A Mozart
   Ansprache des Herrn Amtshauptmann Dr. Vogel von
   Frommannshausen
   Hierauf: Treu schlägt das Herz, gern hilft die Hans, Heil
   klingt das Lied im Sachsenland                  G. Wohlgemuth
4. Gruppengesänge:
    a) Liebenwerda-Herzberg:
        Das Herz am Rhein                                     E. Schultz
        Leitung: Hans Pewniak
    b) Meißen:
        Segenswunsch                                 Max von Weinzierl
        Leitung Adolf Anke
    c) Wilsdruff:
         Der Freiheit Wiederkehr                             Walter Dost
          Leitung: Paul Hientzsch
    Ansprache des Herrn Ersten Bürgermeister Dr. Sieblist
    Hierauf: Grüß Gott mit hellem Klang!
                Heil deutschem Wort und Sang!       A, Methfessel
5. Einzug der Gäste aus „Tannhäuser“                   R. Wagner
6. Gruppengesänge:
    a) Elster-Elbe-Sängerbund:
        Jägers Morgenbesuch                               Hugo Jüngst
        Heute scheid' ich                                     Karl Isenmann
        Leitung: Fr. Behrendt
    b) Großenhain:
        Morgen im Walde                                  Fritz Hoffmann
        Leitung: Ehrenbundesliedermeister P; Gläser
    c) Riesa
        Einsamkeit                                               Julius Rietz
        Soldatenlied                                              Franz Liszt
        mit Hörnern, Trompeten, Posaunen, kleiner
        und großer Trommel
        Leitung: Bundesliedermeister I. Schönebaum
     d) Oschatz
         Abmarsch                                                Hans Hinrichs
         Hei, springt ein Mädel übern Sieg           Hugo Stelzner
      Absprache des Herrn Bundesvorsitzenden Karl Adelhein
          Hierauf: Oschatzer Festspruch                Richard Rost
                       (siehe oben)
7. Bund:
   Im Krug zum grünen Kranze 78 (113)               K. Fr. Zöllner

         ------------ Bannerweihe ----------------
    a) Einholung des Banners
        Nibelungenmarsch                                     G. Sonntag
    b) Bund:
        O Schutzgeist des Schönen 70 (99)           W.A. Mozart
    c) Weiherede: Herr Oberkirchenrat Michael
    d) Bund:
        Weihelied 333,1,2                                 Georg Striegler
    e) Fahnenspruch                                          Erich Langer
        vorgetragen von Karl Kühne
     f) Übernahme des Banners durch den Bundesvorstitzenden
     Hierauf: Mein deutsches Lied, mein Meißner Landl
     Euch schirme Gott mit starker Hand                 A. Hansch
     Weitere Ansprachen. Anmeldung bei der Leitung. *)
8.  Bund: Wo möcht' uch sein? 21 (29)               K. Fr. Zöllner
               Trinklehre 43 (61)                                   Franz Abt

Zur Beachtung: Due Gesänge des Bundes Nr, 3, 7 und 10 von den Plätzen aus. Vor der Bannerweihe Aufstellung aller Sänger auf dem Podium, Führerjubilare und Sängerjubilare (50J.) stellen sich an Banner auf.
*) Es wird gebeten, nicht länger als 2 Minuten zu sprechen, Gesänge einzelner Vereine sind nicht zugelassen.

Sonntag, den 19. Juni, vormittags ½9 Uhr
Morgenfeier in der Aegidienkirche

Orgelwerke, Einzel- und Chorgesänge
v. Schein, Bach, Reger u.a.
------------ Eintritt frei ----------------

Festkonzert
Sonntag, den 19. Juni 1927, 4 Uhr nachmittags

I.
Zum Gedächtnis des 100. Todestages
Ludwig van Beethovens


a) Ouverture zu „Egmont“
b) Die Ehre Gottes aus der Natur.
    (neue Orchesterbegleitung von Iwan Schönebaum)
c) Fahr wohl, du goldne Sonne
d) Hymne an die Nacht
e) Gottes Macht und Vorsehung
    (neue Orchesterbegleitung von Iwan Schönebaum)
    (Leitung: Ehrenbundesliedermeister Paul Gläser

II.
2 Chöre des 1927 eingetretenen Elster-Elbe-Sänger-Bundes
             (Leitung: Fr. Behrendt und A, Werner)
a) Des Liedes Heimat                                     Adolf Prümers
b) Im Walde                                               Heinrich Schäffer
              ----------
c) Es liegt ein Reich                                        Paul Geilsdorf
s) Altdeutsches Liebeslied                       Gustav Wohlgemuth
e) Morgen im Walde                                        Friedrich Hegar
    Leitung: Hugo Stelzner

III.
a) Heiliges Lied,  Weihegesang für Männerchor, Baritonsolo
    und Urchester                                       Franciscus Nagler
    Baritonsolo: Horst Krauße, Konzertsänger, Riesa
b) Untreue                                                    Friedrich Glück
c) Die grünen Jäger                                   Hermann Kirchner
d) Abschied des Handwerksgesellen             Friedrich Silcher
e) Deutsche Hymne, Männerchor mit Orchester
    Leitung: Bundesliedermeister Iwan Schönebaum

Zur genauesten Beachtung
Bei der Aufstellung zur Probe und zum Konzert benutzen
die I, Teböre Aufgang A,
die II, Tenöre und I. Bässe Eingang B,
die II. Bässe Aufgang C.
mit Rücksicht auf die in verschiedenen Gesängen nötige Teilung innerhalb einzelner Stimmen, haben sich die Oberstimmen vorn, die Unterstimmen hinten aufzustellen. Das Betreten des Podiums vom Zuhörerraum aus ist nur während des Begrüßungsabend gestattet,
Der Elster-Elbe-Bund stellt sich in der Probe und im Konzert in vorderster Linie auf, um nach seinem Einzelvortrage schnell abtreten zu können
Beim Begrüßungsabende haben die unter 4 und 6 angeführten Ortsgruppen immer gleichzeitig, der Reihenfolge entsprechend, hintereinander anzutreten. Nach beendetem Vortrage tritt die betreffende Gruppe ab, um der nachfolgenden den Platz frei zu geben.
Die Sängerdisziplin verlangt geordnetes Auftreten und ruhiges Verhalten auf dem Podium.
Gutes Gelingen ist in erster Linie von schärfster Aufmerksamkeit aller Sänger abhängig!
 

Die Oschatzer Kantoren seit dem Aufhören
der Hoffmannschen Chronik (1815)

Grübler, Christian Traugott, geboren am 23. Juli 1760 in Oschatz als Sohn des schon hochbetagten Kantors Johann Michael Grübler (1716-1762), er hatte 7 Jahre das Lyzeum in Chemnitz besucht, dann 4 Jahre in Wittenberg studiert und wurde 178 zum hiesigen Kantorat berufen; er war in diesem Amte bis zum Jahre 1831, verstorben ist er am 21. August '1844 in Luckau (Sachsen-Altenburg).

Löbner, Friedrich Benjamin, geb. 11; Januar 180 in Knautkleeberg bei Leipzig. In seinem Bewerbungsschreiben an die Hochedlen, Wohlweisen und Hochgeehrtesten Herren des Rates berichtet er, dass er mit 12 Jahren zu dem Schulmeister Johannes Christoph Bauriegel in Pulgar in die Lehre gekommen und dann 6 Jahre lang Hauslehrer in verschiedenen vornehmen Familien gewesen sei. Er war Gründer des Liederkranzes und dessen langjähriger Dirigent. Das Kantoramt bekleidete er 36 Jahre. Nach 44jähriger Lehrertätigkeit ging er als Vizeschuldirektor im April 1875 in den Ruhestand und starb in Oschatz am 29. August 1890.

Voigt, Gottlob Leberecht Constanz, deb. 7. April 1836 in Frauendorf bei Geithain, besuchte 1852 – 56 das Lehrerseminar in Grimma, bestand dort 1858 seine Wohlfähigkeitsprüfung und wurde aus Lommatzsch hierher als Kantor und dritter Knabenlehrer berufen, Seine Anstellung erfolgte seinerzeit unter starkem Widerspruch des Sup. Dr. Liebe. Kantor Voigt war ein im Gesangvereinsleben sehr tätiger Herr, Kantor 1867 – 31. März 1893, † 8. Juli 1895 Oschatz

Hansch, Ernst Alfred, geb. 1. März 1863 in Dresden-Pieschen, besuchte 1878 – 83 das Lehrer-Semimar Dresden-Friedrichstadt, war ständiger Lehrer in Obernhau, Organist in Wolkenstein, Kirchschullehrer in Mülsen-St. Jakob, Kantor in Oschatz seit 1. April 1894, Er hat sich große Verdienst um die Förderung des Musiklebens in Oschatz erworben durch seinen Kirchenchor und den Schülerchor. Er war Dirigent im „Liederkranz“, im Lehrergesangverein, im <usikverein. Auch aks Konponist hat er sich ausgezeichnet. Der von ihm verfasste Sängerspruch ziert jetzt das Banner, Nach l¨ngerem Herzleiden verstarb er unerwartet am 22. August 1912 in der Elbersdorfer Mühle bei Dürröhrsdorf.

Stelzer, Hugo Arthur, geb, 19; September 1885 in Wermsdorf bei Oschatz. Schüler des Oschatzer Semminars, Kantor seit 1, Januar 1913, Dirigent des „Sängerkranz“; zurzeit Liedermeister des Festortes.

Der Festzug

Nachstehend soll kurz der geschichtliche Teil des Festzuges beschrieben werden, Er will Bilder aus der Pflege des deutschen Liedes im Laufe vergangener Jahrhunderte zeigen.
Der Zug wird eröffnet von einem Herold in seinem prächtigen Kostüm hoch zu Ross, wie er in den glanzvollen Zeiten des Mittelalters des Einzügen der Fürsten voranritt.
Zwei Germanen folgen ihm, wie sie uns die Schriftsteller der alten Römer schildern, in der Hand die Harfe tragend, auf der sie ihre Götter- und Heldenlieder begleiten im heiligen Hain und bei frohen Gelage der Männer in der hohen Halle.
Das Heldentum versinkt im Sonnenglanz des aufgehenden Christentums; Fromme Brüder, begeistert für das Kreuz, das sie oredigen, tatendurstig und unerschrocken, ziehen durch die dunklen Wälder Germaniens, erbauen Kirchen und Klöster; Herr erbarme dich, Kyrie eleison schallt es, wo man eben noch von Wotan und Donar sang.
Die Blütezeit des Rittertums zieht herauf. Dem Burgfräulein auf hohem Säller, umgeben von ihren Gespielinnen, gilt das Lied des fahrenden Sängers im Burghof.
Die Städte erstarken. Der Handwerksmeister tut's dem verarmenden Ritter gleich in Leben und Singen. Schüler, Schulfreunde, Sänger und Dichter geleiten den berühmtesten der Meistersänger, Hans Sachs, zum edlen Wettstreit auf's Rathaus.
    Die heiligen drei Könige mit ihrem Stern,
    Sie essen, sie trinken, sie bezahlen nicht gern,
    Sei essen gern, die trinken gern,
    Sie essen, trinken und bezahlen nicht gern!
und so durch eine ganze Reihe von Strophen weiter. Geschart um den kleinen und den großen Stern ziehen die Kinder von Oschatz zur Weihnachtszeit singend durch die Straßen und bitten um ein Geschenk,
Eine andere Kinderschar: „Morgen, Kinder, wird's was geben, morgen werden wir und freu'n.“ Hundertmal haben wir Erwachsenen es immer wieder gern gehört. Hier sehen wir den Komponisten, unsern Kantor Mag. Hering, inmitten seiner jungen Sängerschar. „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen, lauf Galopp...“ und viele andere Weisen, die noch heute, nach hundert Jahren, zum Herzen sprechen, hat der tüchtige Musikus und treue Vater verfasst.
Biedermeierzeit. Die Herren im hohen Zylinderhut, Frack und Vatermörder, das Spazierstöckchen in der Hand, die Damen in unförmigen Reifrock, Haube und dem neumodischen Sonnenschirm, Vater und Mutter hören behäbig den Schelmenliedern ihrer Töchter zu.
„Muss i denn, muss i denn, zum Städtele hinaus“. Noch wandert der Handwerksbursch seine Zeit, ehe er ein Meister werden kann, der kräftige  Schmied neben dem dürftigen Schneiderlein, der elegante Perruquier mit dem derben Zimmermann und dem Müllerburschen, der nie Ruh' und Rast findet, wie das Wasser seiner Mühle, jeder mit eineem anderen Felleisen, jeder das Handwerk auf andere Art grüßend, einig in Frohsinn und Sorglosigkeit.
„Ich bin der kleine Postillion, die ganze Welt bereist' ich schon.“ Von uns Lebenden haben nur wenige noch den Schwager hoch vom Buck herab sein Lied blasen hören. Wie weit liegt sie zurück, die gute alte Zeit, als man in einem Tage, wenn alles gut ging, bis Leipzig kam. Aber fideler war die Gesellschaft in der Postkutsche auch nicht als
unsere Wandervögel mit Laute, Mandoline und Geige. Der Zupfgeigenhansel zieht an Ihnen vorbei, verehrte Zuschauer.
Jetzt aber kommt die Frau Musika selber, im grünen Schmuck, hoch über den Niederungen der Menschen thronend, anmutig umschwebt sie die Blüte der weiblichen Jugend. Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.
Den Höhepunkt des ganzen Zuges bildet der anschließende Wagen mit dem neuen Bundesbanner, das wir an andere Stelle ausführlicher beschreiben.
Zwischen den einzelnen Darstellungen aus der Geschichte des Gesangs, die wir hier kurz anzudeuten versuchten, fügen sich dem Zuge die Ortsgruppen ein, ferner die Wagen des Bundesvorstandes, des Ehrenausschusses und der Ehrengäste. Ihnen schließen sich die Einzelvereine an.
  
Die strahlende Junisonne aber lohne ihrem schönsten Glanze alle die selbstlose Mühe, mit der der Festzug vorbereitet wurde.



Das Sängerfest des Sängerbundes vom Meißner Land
in Oschatz 1868

Bereits im Sommer 1866 hatte man sich in Oschatz gerüstet, die Sänger des Meißner Landes gastlich zu empfangen, aber an ihrer Statt zogen eben um diese Zeit „die breiten und tiefen Colonnen feindlicher Krieger durch die Straßen unserer Stadt, um hinzugehen zu blutiger und zerstörender Kriegsarbeit“. Aber der krieg war schnell vorbei und führte unser Volk einen wichtigen Schritt weiter dem Ziele zu, das gerade auch die deutschen Sänger so leidenschaftlich erstrebten: Der Einigung Deutschlands. Kaum waren die ersten Nachwirkungen des Krieges verschwunden, ging man daran, das Fest von neuem vorzubereiten.
Am 11. und 12. Juli 1868 fand es dann hier, vom herrlichsten Wetter begünstigt, statt. Am Sonnabend, den 11, Juli kamen nachmittags gegen ½5 Uhr die meisten Sangesbrüder aus dem zum Sängerbunde des Meißner Hochlandes, wie es damals hieß, gehörigen Städten auf dem Bahnhofe an. Nach den ersten stürmischen Willkommensrufen begrüßte sie der Lehrer Holzmüller im Namen der hiesigen Vereine und Festvorstände. Aus seiner prächtigen Rede merken wir einen Satz an: Die ... Feste sollen helfen, das Werk deutscher Einigung zu rechtem Bewusstsein zu bringen und geistig zu vollenden.“ Mit Musik ging1s dann in die Stadt, die Fahnen wurden in Verwahrung gegeben, die Wohnungskarten verteilt, aççes klappte vorzüglich. Um 7 Uhr fand dann die Hauptprobe in der Festhalle, dem Reithaus an der Promenade statt, sie dauerte bis ½11Uhr. Bei dem warmen Wetter fand man sich dann im festlich beleuchteten Ratszwingergarten zusammen. Einen recht schönen Festgruß brachte die Wilsdruffer Liedertafel:
    Gekommen sind die Sangesbrüder,
    Durchs Lied vereint, durchs Lied Verwandte,
    Die Sänger sind's der Meißner Lande!
    Heil Oschatz dir, tönt's weit hinaus,
    Du bist ein gastlich Sängerhaus.
Durch die Rührigkeit des Wohnungsausschusses hatte jeder Sänger sein Bett bekommen, benutzt sollen es nicht alle haben.
Am Sonntag, früh 6 Uhr, war Wecken, zahlreich fanden sich die Sänger auf dem Neumarkt ein und begannen den Festzug mit dem Gesang: Allein Gott in der Höh' sei Ehr.
Mit dem Hauptgottesdienst war eine große, starkbesuchte Kirchenmusik verbunden. Im Laufe des Vormittags kamen noch die Sangesbrüder aus Lommatzsch und Elsterwerda an. Während am Rest des Vormittags die Vorstände im „Löwen“ die laufenden Bundesangelegenheiten berieten, fand im Löwengarten ein Konzert statt, oft unterbrochen von den Liedern der sich zufällig zusammenfindenden Sänger.
½3 Uhr ordnete sich vor dem Ratszwingergarten der Festzug, „Lustig flattern die Sängerfahnen beim Umzug durch die Stadt, freudiger Gruß erschallte allenthalben, und gar bald waren die Sänger imstande, sich reich zu schmücken mit duftigen Blumen welche zarte Hände in überfülle ihnen spendeten.“ Von Rathaus herab begrüßte der Bürgermeister Stübel den Zug und brachte das Hoch auf die Gäste aus,
Um 4 Uhr begann das Konzert. „Bei der Aufstellung des Programms hatte man nur künstleische Rücksichten walten lassen und darum recht schwierige Kompositionen aufgenommen.“

Concert in der Festhalle
Erster Theil. 1. Hymnus von H. Mohr. 2. Wanderlied von Mendelssohn-Bartholdy. 3. „Gott schirme dich mein Vaterland“ Preiscomposition von A. Zedtle. 4. „Zwischen Frankreich und dem Böhmerwald“ von J. Dürrner, 5. Altdeutscher Schlachtgesang von J Rietz.
Zweiter Theil. 6. Bundeslied von Fr. Lachner, 7. 2 Volkslieder: a) Mutterseelenallein von H. Pfeil. b) Der Lindenbaum von Fr. Silcher. 8. Das Deutsche Schwert von C, Schuppert. 9. Frühling ohn' Ende, Preiscomposition von C. Reinecke. 10. Festgesang an die Künstler von Mendelssohn-Bartholdy

Mit dem, musikalischen Ergebnis war man sehr zufrieden. Der Dirigent hatte ja auch in der Hauptprobe nicht locker gelassen, bis er die einzelnen Vereine zu einer einheitlichen Leistung verschmolzen hatte. Sie Sänger versammelten sich nochmals auf dem Markt und brachten dem Bürgermeister ein Hoch. Gefallen hatte es ihnen großartig in Oschatz, manche Vereine, aber auch einzelne Sänger, dankten ausdrücklich in der Zeitung.

Das Sängerfest des Sängerbundes vom Meißner Land
in Oschatz 1884

16 Jahre darauf, am 28. und 29. Juni 1884, fand dann in Oschatz das 10. Sängerfest des Bundes statt, an das sich noch viele unserer Sänger recht gut erinnern. Die Stadt war wieder aufs reichte geschmückt. Wir entnehmen die nachstehenden Einzelheiten einem umfangreichen Bericht im „Oschatzer Tageblatt“. Allein auf dem Platze vor dem Altoschatzer Thore waren vier Ehrenpforten errichtet, drei in der Altoschatzer Straße, zwei in der Hospitalstraße, an Altmarkt und in der Brüderstraße je eine.
Fast an allen Straßen entlang waren Reihen von Birken und Tannen gesetzt, die meisten Häuser waren beflaggt, nit Guirlanden und Sprüchen geziert. Am Empfangsabende war die Hospitalstraße aufs herrlichste mit Lampions erleuchtet.
Am Sonnabendnachmittag kurz nach 4 Uhr kamen fast alle Sänger bis auf die Liebenwerdaer, die erst um 8 Uhr eintreffen konnten, auf dem Bahnhofe an. Die Meißner kamen am Sonntag mit dem Omnibus. Mit der Musik der Beyerschen Stadtkapelle ging's in die Stadt. Die Begrüßungsrede hielt Seminaroberlehrer Stein. Sie gipfelte in dem Spruch:
    Im Worte Kraft, im Tone rein.
    Das deutsche Lied, so soll es sein!
Verlangt worden war anfänglich einschließlich der Massenquartiere Unterkunft für 369 Sänger. Die Zahl verminderte sich etwas dadurch, dass manche Sänger im Gasthof wohnten, gar nicht oder erst am Sonntag eintrafen.
½ 7 Uhr war die recht gut besuchte Hauptprobe.
Der von 800 Personen besuchte Commers wurde auf dem Rathaussaal abgehalten. Es begann kurz nach 9 Uhr. Den Willkommensgruß der vereinigten Oschatzer Gesangvereine dirigierte Kantor Voigt. Bürgermeister Härtwig begrüßte die äste im Namen der Stadt. Man tut den einzelnen Vereinen Unrecht, wenn man das Gebotene auszugsweise miyyeilt. Es herrschte vorzügliche Stimmung. Ein besonders erfolgreicher Dirigent wurde von begeisterten Sängern auf den Schultern umhergetragen. Der Baumeister Zürn gab ein Gedicht zum besten, aus dem wir die Strophe auf die Dirigenten herausgreifen:
    Viel Schweiß und Mühen sind ja überwunden,
    Die Proben, Gott sei Dabk, sie sind vorbei;
    Die Dirigenten selbst, die uns so oft geschunden,
    Sie sind erlöst und atmrn frei.
„Die herrlich aufgehende Sonne, berichtet die Zeitung, überraschte immer noch muntere Sänger, welche beim schäumenden Glase saßen und sich der Lust und Freude ganz hingaben. Die Beyersche Kapelle besorgte das Wecken der anderen. Es war wieder wie vor 16 Jahren das prächtigste Wetter.
Um 10 Uhr begannen die Frühkonzerte, eins im Löwen. das aandere im Zwingergarten, auch die Gesangvereine hayyen sich entsprechend verteilt und boten nach jeder Orchesternummere ein Lied.
um 2 Uhr sammelte man zum Festzug beim Ratszwinger. Es gingen 16 Fahnen im Zuge. Am Neumarkt dirigierte der Bundesliedermeister Kantor Voigt das Bundeslief; Brüder reicht die Hand zum Bunde. Dann hielt der Bezirksschulinspektor Dr. Winkler die Festrede. Der Zug ordnete sich dann wieder und ging noch durch eine Reihe von Straßen, bis er sich an dem zur Festhalle überlassenen Reithaus in der Promenade auflöste.

Concert-Programm
Erster Theil, 1. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre! Lied von L. van Beethoven. 2.Groß sind die Wogen von E. Richter. 3. Sei du bei mir (E. Geibel) von W. Tschirsch. 4. Heimliche Liebe von J. Dürrner. 5. Weißt du ein treues Herz (H. Pfeil) von Hans Kutzschbach. Solovortrag vom Meißner Männer-Gesangverein
Zweiter Theil, 6. Auf roßprangender Flur (aus „Oedipus auf Kolonos“ des Sophokles) vom Mendelssohn. 7. Nähe der Geliebten (Braun) von C. Reinthaler. 8a) Unterm Lindenbaum (H. Pfeil), b) Einkehr (E, Geibel) von W, Sturm. Solovortrag der Liedertafel zu Großenhain. 9. Schifferlied von C. Eckert. 10. Dörpertanzweise (V. Scheffel) von M. Zenger
Dritter Theil, 11. Des deutschen Mannes Wort und Lied (C Preser) von H. Kutzschbach. Solovortrag vom Meißner Männer-Gesangverein. 12. Normanns Sang (A Gatby) von Rücken. 13. Trinklied (Tb. Körner) von C. Zöllner. 14. An den Sonnenschein (R..Reinick) von V. Lachner. 15. Sängers Gebet (aus „Amaranth“ (O. Redwitz) vom J.J.N. Rösporer.

½ 5 Uhr begann das Konzert. Die aus dem mit abgedruckten Programm nicht ersichtlichen Dirigenten waren (in der Reihenfolge des Berichtes): Kantor Voigt, Oschatz, Seminaroberlehrer Mohn, Oschatz, Kutzschbach, Meißen, Gerhard, ?, Lösche, Großenhain, Nöthlich, Riesa, Kleber, Strehla, Blochwitz, Liebenwerda.
Bald nach dem Konzert verließen die meisten Sänger unter nicht endenden Hochs die Stadt, ein Teil blieb aber bis zum Montag sesshaft. Die Konzerteinnahmen betrugen 900 Mark, es entstand ein nur geringer Fehlbetrag.
Gefallen hatte es wieder allen Sängern in Oschatz.


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