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ein Beitrag zur Oschatzer Geschichte von Dr. Manfred Schollmeyer

 

„Nun hat Oschatz im Innern der bebauten Stadt außer der Promenade, die weniger bietet, als sie sein könnte, nichts besonderes, was unter das Kapitel des Reizvollen mit gutem Gewissen gerechnet werden konnte, noch viel weniger besaß man dergleichen in der näheren Umgebung, und da man immer rief, der Stadt müsse aufgeholfen werden durch Förderung des Zuzugs von Fremden, durch Hebung des Fremdenverkehrs, so lag nichts näher als auf Errichtung eines Wäldchens oder Parkes in der Nähe der Stadt zuzukommen . . .“.

Mit diesen Worten erinnerte sich Robert Härtwig (* 1846, †1931) in seiner anlässlich des Heimatfestes 1906 erschienenen Broschüre „Altes und Neues aus Oschatz“ an die wenigen „Reize“ unserer Stadt in den ersten Jahre seiner Tätigkeit als Bürgermeister von Oschatz (1879-1914). Aber er beließ es damals nicht bei diesen Worten, sondern bemühte sich schon 1882 um die weitere Ausgestaltung des von Oschatzer Bürgern gewarteten kleinen Stadtparkes. Sein Projekt, den Park durch Zukauf von Gelände am Weinberg zu vergrößern, wurde am 26. September und 14. Oktober 1882 von den Stadtverordneten rigoros abgelehnt und ließ Robert Härtwig „an der Bürgerschaft irre werden“. Er entschloss sich daher Oschatz zu verlassen, was jedoch den städtischen Kollegien bekannt wurde. Mit der Zusage einer Anstellung auf Lebenszeit, Gehaltserhöhung und Unterstützung bei der Stadtparkgestaltung durch einen Verschönerungsverein gelang es den Vertretern der Stadt, den Bürgermeister in Oschatz zu halten. Schon am 18. Oktober 1882 erschien in den Zeitungen ein Aufruf zur Gründung eines Verschönerungsvereins. Vier Tage später trafen sich 34 prominente Bürger der Stadt in der „Garküche“, gründeten den „Verschönerungsverein für Oschatz und Umgebung“ und wählten Robert Härtwig zum 1. Vorsitzenden (1882 bis 1883). In den folgenden Jahren überließ die Stadt dem Verein Parzellen an der „Schiefen Brücke“ zur Bepflanzung (1883), kaufte das Berge’sche Grundstück (1885) und erwarb zum Weinberg gehörende Felder (1888) zur weiteren Aufforstung. Die 1888 von Stadtbauverwalter Anton Richter(* 1841, †1901) entworfene „Skizze über den Stadtpark zu Oschatz“ beschreibt eindrucksvoll den Zustand des etwa 15 ha großen Stadtparkes und skizziert weitere Vorhaben, die er gemeinsam mit dem Gärtner Streubel sen. gestaltete und bearbeitete.

Die Verschönerung des Stadtparkes wurde nun mit dem Wohlwollen der städtischen Gremien vorangetrieben. Neben zahlreichen Neupflanzungen wurde 1888 die „Trompeterlaube“ errichtet und 1900 im hinteren Stadtpark eine zweite Schutzhütte gebaut. Leider zerschlugen sich die Bestrebungen der Stadt, einen Aussichtsturm in Erinnerung an das 800-jährige Jubiläum der Wettiner zu errichten. Es blieb bei einem Entwurf. Dafür gelang 1891 mit dem Bau einer Holzbrücke über die Döllnitz die Anbindung des Stadtparkes an die Auwiesen jenseits des Flusses.


Bürgermeister Robert Härtwig (links)
und Stadtbauverwalter Anton Richter
Sammlung: Stadtarchiv Oschatz



1888: „Skizze über den Stadtpark zu Oschatz“ von Anton Richter. Links das Berge’sche Grundstück (Pfeil) und rechts der Weinberg (Stern)
Sammlung: Stadtarchiv Oschatz
 


1885: Berge’sches Grundstück von der Stadt erworben und 1901 abgebrochen. / Sammlung: Stadtarchiv Oschatz

1888: Trompeterlaube im vorderen Stadtpark (links); 1900: Schutzhütte im hinteren Stadtpark / Sammlung: Dr. Schollmeyer, Oschatz


Flanierwege im Stadtpark. / Sammlung: Dr. Schollmeyer, Oschatz
 


1889: Entwurf für einen Wettinturm im Stadtpark, der aber nie gebaut wurde
Sammlung: Stadtarchiv Oschatz


1891: Bau der Holzbrücke über die Döllnitz
Sammlung: Dr. Schollmeyer, Oschatz

Ebenfalls in den 1890er Jahren wurde ein Teich auf dem großen Wiesenplatz angelegt und unweit davon ehrte der Verschönerungsverein, der sich seit 1913 „Verkehrs- und Verschönerungsverein für Oschatz und Umgebung“ nannte, und die Stadt Oschatz würdigte 1914 den langjährigen Bürgermeister Robert Härtwig anlässlich seines Ausscheidens aus dem Amt mit einem Erinnerungsschild an einer Stieleiche.
 
 

oben: 1914: Robert Härtwig mit Kollegen des Stadtrates am 22. Juni
anlässlich seines Abschieds / Sammlung: Stadtarchiv Oschatz

oben rechts: Die Härtwig-Eiche -  ein beliebtes Postkartenmotiv
Sammlung: Dr. Schollmeyer, Oschatz

rechts: 1923: Eröffnung der Rodelbahn im Stadtpark.
Sammlung: Stadtarchiv Oschatz



Ein besonderes Ereignis war am 21. Januar 1923 die Eröffnung einer Rodelbahn im Stadtpark. Beginnend am Weinberg-Restaurant führte die Rodelbahn auf dem Naundorfer Weg bergab bis fast an die Döllnitz, wurde von Alt und Jung sehr gut angenommen und bescherte dem Weinberg-Restaurant zusätzliche Besucher – zumindest in den Wintermonaten.

 

Am 19. November 1928 feierte die Musikwelt den 100. Todestag des österreichischen Komponisten Franz Schubert (*1797-†1828). Mit der Errichtung von Denkmalen, mit Straßenumbenennungen, mit Gedenkfeiern, Schubertkonzerten und Sänger-Wallfahrten nach Wien wurde der große Musiker geehrt. Dem wollte auch die Oschatzer Ortsgruppe des „Sängerbundes Meißner Land“ nicht nachstehen und regte an, unterhalb des Weinberges eine Aussicht vom Stadtpark auf die Aegidienkirche zu schaffen und künftig „Franz-Schubert-Blick“ zu nennen. Der „Verkehrs- und Verschönerungsvereins für Oschatz und Umgebung“ übernahm die Kosten für den „Franz-Schubert-Blick“ und gestaltete den Platz mit einer Bank und Beschilderung. Bei misslichem Novemberwetter wurden am Sonntag, den 18. November, vormittags der Erinnerungsplatz für Franz Schubert und der neue Blick auf die Stadt eingeweiht. Nach Schubert-Liedern des „Sängerbundes Meißner Land“, einer Würdigung des Komponisten durch Oberlehrer Richard Rost und Dankesworten des Vorsitzenden des Verschönerungsvereins Ernst Göthel an die Stadtverwaltung, klangen die Weihefeier und das Gedenken an Franz Schubert aus. Der geschaffene „Franz-Schubert-Blick“ war die letzte größere Arbeit des „Verkehrs- und Verschönerungsvereins für Oschatz und Umgebung“. Aus den folgenden Jahren und der nationalsozialistischen Zeit sind keine nennenswerten Aktivitäten des Vereins überliefert.

1928: Neben dem Blick von der Bastei auf die Stadt (links), dem ältesten Blick aus dem Stadtpark, wurde der Franz-Schubert-Blick geschaffen.
Sammlung: Dr. Schollmeyer, Oschatz

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bemühte sich die Stadt Oschatz in den DDR-Jahren um die weitere Verschönerung des Stadtparkes und es gelang ihr auch, den Stadtpark zu einem Naherholungszentrum zu gestalten. Neben vielfältigen gärtnerischen Arbeiten prägten bauliche Maßnahmen die Veränderungen im Stadtpark. So wurde im Nationalen Aufbauwerk (NAW) 1955 der Pavillon gebaut, zu Beginn der 1960er Jahre ein Toilettenhäuschen an der Parkstraße errichtet und 1965 das Denkmal für die „Opfer des Faschismus“ und das „Sowjetische Ehrenmal“ vom Altmarkt in den Stadtpark umgesetzt.


1955: Der Pavillon, Veranstaltungszentrum im Stadtpark, Abriss 2003. / Sammlung: Steffen Bahnemann, Oschatz
 

1965: Sowjetisches Ehrenmal; Denkmal für die Opfer des Faschismus / Sammlung und Foto: Dr. Schollmeyer, Oschatz
 

1968 wurde ein Damwildgehege angelegt, anlässlich des 25. Jahrestages der DDR der Teich im Herbst 1973 saniert und in den 1980er Jahre von Holzbildhauer Werner Plath ein Holzspielplatz geschaffen. In den Nachwendejahren hat die Stadt Arbeitsbe-schaffungsmaßnahmen (ABM) genutzt, um zum Beispiel 1995/1996 im vorderen Park massive Bänke aus Pflastersteinen mit hölzernen Sitzflächen einzubauen.


1968: Damwildgehege;
1973: Teichsanierung;
1980er Jahre: Holzspielplatz
Fotos: Günther Hunger, Oschatz

 
 

Die für 2006 geplante 4. Sächsische Landesgartenschau führte zu ausgedehnten Pflegemaßnahmen, Neuanpflanzungen und Neubauten im Stadtpark. So wurden 2003 und 2005 drei neue Brücken über die Döllnitz gebaut, von denen besonders die textilbewehrte Brücke der Firma „Betonwerk Oschatz GmbH“ eine sehenswerte technologische Neuerung darstellt. Zudem wurde für die Landesgartenschau an den einst am Altoschatzer Platz (heute Miltitz-Platz) befindlichen Springbrunnen mit dem Fischjungen erinnert. Mit Teilen der wieder aufgetauchten Springbrunneneinfassung, einer von dem Schmorkauer Künstler Wolfgang Thibault angefertigten Kopie des Fischjungen und einer erklärenden Beschilderung wurde ein Stück Stadtgeschichte in den Park „gepflanzt“. Der mit den Jahren unansehnlich gewordene Teich wurde für die Landesgartenschau kostengünstig in ein sogenanntes „Sumpfbeet“ umgewandelt und für die Lehrenden und Lernenden ein Baumlehrpfad geschaffen.


2006: Erinnerung im Stadtpark an den ehemaligen Springbrunnen mit dem Fischjungen vor dem Altoschatzer Tor. / Foto: Hans-Hermann Schöne, Oschatz

Noch rechtzeitig vor Beginn der Landesgartenschau erhielt der Stadtparkweg nach Kleinforst 2005 in Dankbarkeit an Rudolf Tischer, ein Kleinforster Bürger und Mäzen der Stadt, den Namen „Rudolf-Tischer-Weg“. Geschichte wurde damit die ehemalige Bezeichnung „Naundorfer Weg“, der den Stadtpark entlang der Döllnitz durchzog, am „Weinberg-Restaurant“ endete und seit 1933 „Göthelweg“ hieß, in Erinnerung an den langjährigen Stadtrat, Stadtverordneten und erfolgreichen Vorsitzenden des „Verkehrs- und Verschönerungsvereins für Oschatz und Umgebung“ Buchdruckereibesitzer Ernst Göthel. Der zur Landesgartenschau 2006 entstandene O-Schatz-Park mit seiner attraktiven Veranstaltungshalle, dem Rosensee, dem Tiergehege und der Minigolfanlage, bewirtschaftet und gepflegt von der „Lebenshilfe Oschatz e. V.“, entwickelte sich nachhaltig in den folgenden Jahren zu einem beliebten und gerne aufgesuchten Freizeit- und Familienpark. Leider verlor aber der alte Stadtpark immer mehr an Bedeutung.


Siehe auch den kritischen Bericht von Dr. Schollmeyer auf der Seite des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins:
1910: Idylle im Oschatzer Stadtpark - 2017: Unkraut, Zerstörung, Verfall
und siehe auch unter Fotos und Postkarten

 


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