Oschatz damals | Geschichte(n)  | Ulanen-Denkmal


Dieser Bericht stammt aus: Otto Pilz: Akademischer Tierbildhauer. 1876-1934. Sein Leben und Wirken. Von: A. Werner Vogel und Dr. Eberhard Vogel, Verlag Ph.C.W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch, 2008 und wurde vom Autor zur Verfügung gestellt.


 

Dem Festprogramm zur Denkmalsweihe und Wiedersehensfeier anlässlich der 60. Wiederkehr des Gründungstages des ehemaligen 1. Königl. Sächsischen Ulanen-Regiments Nr. 17 vom 3. Juli 1927 ist Folgendes zu entnehmen:

„In den Ulanen-Verbänden lebt neben dem Kameradschaftsgeiste auch die Erinnerung an die gemeinsame Dienstzeit und das alte Regiment fort. Aber dem geistigen Bande fehlt das äußere Symbol.“

Dieses Symbol soll nun mit einem Ulanen-Denkmal, das in Oschatz, der alten Garnisonstadt, errichtet wird, geschaffen werden. Trotz aller Hemmnisse und direkten Widerstände konnte Dank unermüdlicher Sammeltätigkeit der weitaus größte Teil der benötigten Summen aufgebracht werden. Aber in der unseligen Inflation gingen auch die für das Ulanen-Denkmal gesammelten Gelder verloren. Der Wunsch aber, ein Denkmal zu errichten, blieb lebendig. Im Mai 1926 entschloss man sich, das Denkmal zu errichten und zur Feier des 60-jährigen Regiments-Jubiläums zu weihen. Unverzüglich wurde erneut mit der Sammeltätigkeit in hervorragender Weise durch Beteiligung mehrerer Herren der Offiziersvereinigung und aus dem Unteroffiziers- und Mannschaftsstande begonnen. Man ließ so genannte „Bausteine“ in der Form einer Postkarte drucken mit dem Bild des Denkmals und einer Wertangabe (bekannt Mk. 5 und Mk. 10 wie Abb.) In wenigen Wochen war eine ganz bedeutende Summe eingegangen.

Der Denkmalausschuss forderte von verschiedenen Künstlern Entwürfe ein. Von den eingegangenen Modellen erachtete man das des akademischen Bildhauers Otto Pilz – Dresden als das geeignetste und gab demselben die Anfertigung des eigentlichen Modells im November 1926 in Auftrag. Ende März 1927 hatte er das Modell in natürlicher Größe fertiggestellt. Der Guss wurde der Kunstgießerei Lauchhammer übertragen und dauerte etwa 10 Wochen.

Nach Genehmigung durch die Stadt Oschatz zur Aufstellung auf dem Douzy-Platz begannen die Fundamentierungsarbeiten Ende Mai, der Transport der einzelnen Teile des Sockels nach Oschatz und dessen Errichtung ab 15. Juni 1927. Der Sockel besteht aus rotem Meißner Granit, er kommt dort in einer nicht zu mächtigen Ader von etwa einem Kilometer Länge vor. Die einzelnen Blöcke des Sockels wiegen je Stück 40 bis 50 Zentner und haben zusammen eine Höhe von 2,80 Meter.

Das Bildwerk des Denkmals stellt einen Ulanen dar. Derselbe reitet in feldmarschmäßiger Friedensausrüstung auf Patrouille, tritt plötzlich aus dem Walde und sieht sich scharf blickend im Gelände um. Der Reiter neigt sich leicht nach vorn, den Kopf etwas nach rechts gewendet, damit der spähende Ausdruck recht zur Geltung kommt. Das Pferd hebt den Kopf mit aufgeblähten Nüstern, sozusagen den Feind witternd.

Reiter mit Pferd sind aus Bronze mit einem Metallgewicht von ca. 1.000 kg und einer Gesamthöhe von 2,80 Meter.

„So möge denn das Denkmal noch in fernen Tagen zeugen von dem stolzen 1. Kgl. Sächs. Ulanen-Regiment Nr. 17, von dem soldatischen und kameradschaftlichen Geiste seiner Angehörigen!“

Leider stand das Ulanen-Denkmal nicht all zu lange, denn nach 1945 (der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt) verschwand es wahrscheinlich im Schmelzofen.

Das zitierte Festprogramm sowie weitere Auskünfte und Angaben sowie eine Abbildung wurden vom Stadt- und Waagen-Museum Oschatz (Schreiben vom 9.11.2002) zur Verfügung gestellt.

 


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