Oschatz damals | Geschichte(n)  | Osterland

Wer Oschatz auf der Straße in Richtung Wermsdorf verlässt, gelangt bald zum neuen Oschatzer Stadtteil Fliegerhorst. Kurz hinter dem Abzweig zum Fliegerhorst biegt man links von der Straße ab und steht nach wenigen Metern vor den Ruinen dieses in Mitteleuropa einzigartigen Bauwerkes.
Es gibt zahlreiche Geschichten und Legenden, Vermutungen und Spekulationen zu diesen immer noch mächtigen steinernen Überresten vergangener Jahrhunderte. Zwei große Ausgrabungen in den Jahren 1903 - 1907 und 1991/1992 haben einige Geheimnisse gelüftet, aber nicht alles geklärt.
Bei den Ausgrabungen 1991/92 konnte festgestellt werden, dass die in den Fundamenten verbauten Hölzer im Winter 1211/12 gefällt wurden, was gleichzeitig auf den Baubeginn schließen lässt. Als wahrscheinlich gilt, dass der Meißener Markgraf Dietrich der Bauherr gewesen ist.

Zu dieser Zeit im 12./13. Jahrhundert war der Markgraf meist nicht auf seiner Meißner Burg anzutreffen, sondern zog mit seiner Hofhaltung von Landesteil zu Landesteil und von Ort zu Ort. Daher erscheint es durchaus einleuchtend, dass hier eine zeitweilige Residenz für die von 1185 bis 1259 am Collm abgehaltenen Landthinge geschaffen werden sollte. Dietrichs früher Tod beendete 1221 jedoch die Bauarbeiten, die sein Sohn und Nachfolger Heinrich der Erlauchte nicht wieder aufnahm – zum Zeitpunkt des Todes von Dietrich war er gerade einmal 3 Jahre alt.
Behauptungen, das Schloss sei auf den Grundmauern eines einst vorhandenen römischen Kastells erbaut worden, gehören ins Reich der Phantasie. Dennoch ist am erbauten Schloss ein römischer Einfluss (römische Portikusvilla mit Säulengängen) nachweisbar, dessen Ursache möglicherweise in den Aufenthalten des Markgrafen Dietrich 1197/98 im Heiligen Land zu suchen ist.
So entstanden eine Vierflügelanlage, die aber nie vollständig fertiggestellt wurde. Komplett dreigeschossig standen nur zwei der vier Flügel. Während es der dritte Flügel immerhin noch auf ein Geschoss brachte,

   

zog man vom vierten Flügel lediglich die Innenmauer, um den Hof zu schließen. Einen Turm besaß das Schloss nachweislich nie. Auch ein Raum, der als Kapelle gedient haben könnte, konnte nicht lokalisiert werden.
Die anfangs intensive Nutzung des Schlosses endete, als nach 1259 keine Landthinge mehr am Fuße des Collm stattfanden. Wahrscheinlich nutzte man es später nur noch für gelegentliche Jagdaufenthalte, wie die Anlage von Tiergärten – das waren Wildgehege – beweist. Als die Markgrafen dann zuerst  in Meißen und später in Dresden ihre Residenzen erweiterten, war das Schicksal des Schlosses besiegelt, zumal es in der Nähe von Dresden und Meißen auch große Jagdgebiete gab. Schon eine im Oschatzer Ratsarchiv vorhandene Urkunde aus dem Jahre 1379 bezeichnet das Schloss als "wüstes steynhuse".
Der heutige Name "Osterland" selbst ist völlig irreführend, denn die Collmregion ist nie Teil des "Osterlandes" gewesen. In den Urkunden, die von dem "provinciale placitum Colmnitzt" berichteten, taucht ein "Schloss Osterland" nirgends auf. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts, also über ein halbes Jahrtausend nach Erbauung des Schlosses, erscheint in Karten diese Bezeichnung. So war am Ende möglicherweise ein einfacher Druckfehler bis heute namensgebend für die Ruine.
Eine Besichtigung der Anlage, die im übrigen frei begehbar ist, lohnt sich auf jeden Fall. ABM-Kräfte haben im Auftrag von Stadt- und Landkreis in monatelanger Arbeit Bäume und Sträucher aus den Ruinen entfernt. Bänke laden jetzt zum Verweilen ein. In einer Schutzhütte angebrachte Tafeln erläutern dem Besucher die Geschichte des Schlosses.

Bei den Ausgrabungen unter R.Spehr 1991/92 legte man ein Quell- und Wasserhaus frei. Befindlich im Innenhof, betrug der Durchmesser des Innenraumes des Quellhauses sechs Meter. Acht schöne Sandsteinsäulen auf grünen Porphyrbasen rahmten das runde Wasserbecken über einer starken Quelle (mehr als 1000 Liter pro Tag nach R.Spehr). Sogar ein Überflußkanal nach außen war vorhanden. Leider musste die Ausgrabung aus Sicherheitsgründen wieder zugeschüttet werden.

aus Der Heimatbote · Heft 19
Text Siegfried Heidler
Foto vom Wasserhaus Robert Schmidt

 


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