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Dana Bach, die Leiterin des Oschatzer Stadt- und Waagenmuseums, berichtet in diesem Artikel über die Christbaumschmuckfabrik Fr. Konrad Nachfolger.

(Weiteres über diese Firma finden Sie in der Vitrine und bei den Rechnungen.)

Werbeanzeige im Einwohnerbuch, Oschatz, 1904


1883 gründete Herr Fr. Konrad die Firma „Fr. Konrad“ als Imprägnierungs-Anstalt für flammensichere Stoffe in Dresden und verlegte deren Produktion später nach Mügeln bei Dresden/Heidenau. Er stellte zunächst hauptsächlich Stoffe und Imprägnierungsflüssigkeiten her, die von Theatern zur Verminderung der Feuergefahr benutzt wurden.

Die Anfrage einer Äbtissin eines Klosters änderte die Produktpalette der Firma nachhaltig. Sie schrieb der Imprägnieranstalt, sie möchte imprägnierte, flammensichere Christbaumwatte für den Weihnachtsbaum haben. Nach verschiedenen Versuchen war die Firma in der Lage, die gewünschte Watte herzustellen.

Der Verkaufserfolg der Watte mit den besonderen Eigenschaften brachte es mit sich, dass man auch zur Fabrikation von anderen Christbaumschmuckartikeln aus Watte, Pappe und Papier überging. Schließlich spezialisierte man sich ausschließlich darauf.

1888 siedelte die Firma nach Oschatz über und schlug als „Fr. Konrad´s Nachfolger“ ihr Domizil in der Nonnengasse (heute Nonnengasse 4) auf. Deren Inhaber waren Max Woldemar Kühnert und Paul Senf.

1899 pachtete die „Christbaumschmuckfabrik Firma Fr. Konrads Nachfolger – Inh. Paul Senf und Hermann Haupt“ – wie sie jetzt hieß - in der Alten Wache (heute Sporerstraße 1, Sparkassengebäude) Räume im 1. und 2. Stockwerk sowie den Boden und richtete hier ihre Werkräume ein. Ab 1912, nachdem das 1. Ulanenregiment die Alte Wache verließ, wurde das gesamte Gebäude als Fabrik genutzt.


Paul Senf (Sammlung: Gerald Polster)

Hermann Haupt (Sammlung: Gerald Polster)

Um 1900 waren hier im Durchschnitt 20 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Eine neu aufgenommene Attrappen-Fabrikation findet sich in dem geänderten Firmennamen wieder: „Fr. Konrad Nachfahre - Manufaktur für Attrappen u. Christbaumschmuck“.


Fabrikstandort ab 1927 in Oschatz, Leipziger Straße 2 (Sammlung: G. Polster)

1927 zog die Fabrik abermals innerhalb von Oschatz um und verlegte die Produktion in das alte Proviantamt, in die Leipziger Straße 25. Der Name Christbaumschmuckfabrik ist allerdings nicht mehr ganz zutreffend, da man nun schon seit Jahren Artikel für alle Festlichkeiten des Jahres herstellt. Die Firma produziert nun neben Schneemännern und Schneebällen aus Watte auch Engelchen, Weihnachtsmänner sowie Lametta für den Advent und die Weihnachtszeit, glückbringende Symbole zum Jahreswechsel, niedliche Küken und Häschen für Ostern sowie hübsche Püppchen zum Schulanfang.  

Geschickte Frauenhände sind es, welche zum großen Teil in Heimarbeit die figürlichen Gegenstände aus Pappe, Papier, Zellstoffwatte und Naturmaterialien wie Tannenzapfen teils manuell und zunehmend maschinell fertigstellen. 60% der Erzeugnisse gehen in die westlichen europäischen Länder wie Schweden, Belgien, Holland, Italien, Schweiz, aber auch nach Übersee wie USA, Kanada und Südamerika. „Christbaum-Haupt“, wie man den Betrieb nach seinem Inhaber Hermann Haupt in Oschatz nannte, gehörte zu den regelmäßigen Ausstellern auf der Leipziger Messe.

1958 legt Hermann Haupt seine Tätigkeit nieder und der privat geführte Betrieb sollte geschlossen werden. Doch der Außenhandel der DDR war wegen der wichtigen Devisen, die der Betrieb einbrachte, an dessen Weiterführung interessiert. Somit schloss man die Firma „Fr. Konrad Nachf.“ an die „VARIA“ in Mügeln an. Letztendlich wurde der Betrieb 1963 doch aufgelöst. Sämtliche Produktionsmuster wurden dem „VEB Kunstblume“ in Sebnitz übergeben, wo man die Produkte der einstigen Oschatzer Christbaumschmuckfabrik weiter produzierte.


Produktion in der VARIA Mügeln
Foto: C. Schröter, Döbeln
Sammlung: Varia-Color GmbH


Produktion in der VARIA Mügeln
Foto: C. Schröter, Döbeln
Sammlung: Varia-Color GmbH

 
      
Figuren aus der Produktion (Fotos: Dana Bach)



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