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Als im Jahr 1992 die Bäckerinnung Oschatz 540 Jahre bestand, initiierte der ehemalige Obermeister der Bäckerinnung, Gottfried Bönisch, eine Broschüre, zu der Gerhard Heinz vom Stadtmuseum Oschatz Daten zusammenstellte und Günther Hunger die Fotos lieferte. Druck: LMS Leipziger Medienservice.
Lesen Sie aus dieser Broschüre über das Bäckerhandwerk von Oschatz und deren Innung:



Innungsfahne

Aus der Geschichte des Bäckerhandwerks in Oschatz

Das Brotbacken oder richtiger die Brotzubereitung begegnet uns in der Geschichte schon im Altertum. Die ersten Backöfen und die wirklich ersten Brote sind von Ägypten überliefert.
Im antiken Griechenland und Rom erfuhr die Kunst des Mahlens und Backens höhere Meisterschaft. Mit Beginn des Mittelalterskam das Brot auch bei den germanischen Völkern allgemein in Gebrauch. Die Zubereitung oblag vor allem den Frauen und Leibeigenen. Die Verbesserung des Brotbackens in deutschen Landen förderten vor allem Insassen von Klöstern. Durch die Klöster wurde die Bäckerei bald aus ihrer einfachen Art zu höherer Qualität und Vielfalt erhoben. Außer dem eigentlichen Derbbrot (Schwarzbrot) buk man hier schon Schön- oder Weißbrot.
Mit der Stadtentwicklung im Mittelalter konnte sich der Handwerkerstand umfassend entwickeln. Obwohl die Handwerker frei waren, , wurden sie doch mit bedeutenden Abgaben und |Lasten geplagt und waren oft der Willkür der Fürsten und Vögten ausgeliefert.
Mit zunehmenden Handel und Wandel wuchs die Zahl der Gewerbetreibenden. Oft waren Zank und Streit untereinander nicht zu vermeiden.
Das veranlasste Gewerbetreibende, sich zum gegenseitigen Schutze und Trutze und zum Zwecke der Übereinstimmung gemeinsamer Angelegenheiten zu Genossenschaften zu vereinigen.
Diese Verbindungen nannte man Einungen (Innungen), Gilden oder Zünfte.

Auch das Bäckerhandwerk in unserer Stadt dürfte ohne Zweifel nicht viel jünger als die Stadt selbst sein.
Im 14. Jahrhundert ist infolge des wachsenden Handels- und Fuhrmannsverkehrs in und durch die Stadt der Bedarf an versorgendem Gewerbe rasch gewachsen.
Bäcker (Becker) und Fleischer waren wohl schon sehr zahlreich ansässig. Davon zeugen in Oschatz die schon 1266 erwähnten Fleischbänke (heutiges Gebäude der Sparkasse). Auch Bäcker- und Brotbänke dürfte es bereits gegeben haben.
Die Oschatzer Bäckerbänke befanden sich seit 1477/78 im Rathausneubau.
Das älteste Zeugnis des Bäckerhandwerks von Oschatz und seines Zusammenschlusses sind die Statuten von 1452.

Der erste Bäckerinnungsbrief von 1452

Am Sonnabend nach dem St. Ägidientage, das war der 2. September 1452, bestätigte der Rat der Gemeinde Oschatz den Bäckern der Stadt ihre Statuten, im Brief „Willkür des Handwerks“.
Der Text dieser Urkunde ist als Abschrift (Kopie) auf Pergament im erhaltenen Stadtbuch von 1466 - 1500 enthalten. Es lautet:
„Bestetigunge des handwercks der beckere“
Zum allgemeinen Verständnis sei der Inhalt dargestellt:
„Wir Bürgermeister (Andris Mewis), Ratsmänner und Geschworene der Stadt Oschatz, bekennen öffentlich mit diesem offenen Briefe von uns und all unseren Nachkommen und tun kund allen, die sehen, hören und lesen, das vor unseren sitzenden Rat gekommen sind das ganze Handwerk der Bäcker, Reich und Arm und haben uns gebeten, Ihn eine Willkür (ein Gesetz) ihres Handwerks zu bestätigen.“ –
Es folgen die einzelnen Punkte der Ordnung.

  1. „...das die Bäcker Gott zu loben, unsere lieben Frau (die Jungfrau Maria), St. Aegidius den Hauptherrn unserer Pfarrkirchen und aller Heiligen Gottes zu verehren, zum Troste allen gläubigen Seelen, und besonders allen, die aus unserem Handwerke verstorben sind, durch Anzünden von Kerzen bei den entsprechenden Feierlichkeiten zu fördern.“
  2. „Wer bei uns Meister werden will, hier das Handwerk lernen will, muss sichere Nachricht darüber beibringen, dass er ehelich und ehrlich geboren ist von Vater und Mutter. Niemand wird angenommen, der von einem Schäfer, Leineweber, Bader, Kesselflicker, Lautenschläger oder dergleichen abstammt., weil die für unehelich gelten, oder von irgend einer Art „geruder“ Leute, d. h. von fahrendem Volk.“
  3. Desweiteren werden Bestimmungen getroffen, die Jahrhunderte hindurch die Wichtigsten bleiben, über die Gebühren bei der Aufnahme eines Lehrlings und beim Meisterwerden.  „Wer unser Meister werden will und bei uns nicht gelernt hat, der soll geben ein Schock Groschen zu (für) das Handwerk und ein Pfund Wachs für die Kerzen. Auch wer das Handwerk bei uns erlernen will, der soll geben fünf Pfund Wachs für die Kerzen.

Es ist festgelegt, wie des Meisters Handwerksbetrieb vererbt wird. „Des verstorbenen Meisters Sohn soll haben sein ganzes Werk von seinem Vater, seine Tochter das halbe, die Witwe kann mit Hilfe von Gesinde das ganze Geschäft fortführen.“
Weiter heißt es: „Nimmt eines Meisters Weib oder Tochter einen auf das Handwerk, der das Handwerk gelernt hat, hier oder anderswo, und gut genug ist für das Handwerk nach dessen Gewohnheit (d. h.. dessen Statuten), der soll haben das halbe Werk von der Frau oder von der Tochter.“
Es folgt der Beitrag.
Der jährliche Beitrag ist im Gegensatz zu den Gebühren, die ein ganzes Schock Groschen und bis zu fünf Pfund Wachs für die Kerzen betragen, mit  1 Groschen sehr niedrig. Gezahlt wird an dem Tage, wenn die Meister beieinander sind, um die neuen Meister - die Vormeister - zu küren. Der Schlussteil der Statuten enthält Strafbestimmungen, für den, „welcher unbescheiden lebt, mit Worten oder mit anderen Sachen“ (d.h. wer andere beleidigt, unehrlich handelt, usw.)
Die Strafgebühr beträgt 1 Pfund Wachs zu den Kerzen.
Der folgende Abschnitt bezieht sich auf das Verhalten in den „Bencken“ (= Brotbänken).

Diese ersten Bäckerzunftartikel geben uns Auskunft über den Verkauf der Backwaren in einem gemeinsamen Gebäude. Wie bei den Fleischern gibt es in Oschatz wohl schon seit dem 13. Jahrhundert Bäckerbänke. Seit dem Rathausbau 1477 am Neumarkt befinden sich diese im Keller des Rathauses.
„Unfug in den Bencken“ wird bestraft.
Es heißt diesbezüglich:
„Wer Unfug treibe in den Bänken, Mann, Weib oder Gesinde, die dem Handwerk angehören, der soll geben 1 Pfund Wachs zu den Kerzen. Auch wer da ruft in den Bänkeneines dem anderen aber von seiner Bank, Brot zu kaufen d.h. den anderen einen Kunden wegruft), der soll geben einen Groschen.“
Bei Strafe von 1 Pfund Wachs darf ein Bäcker dem Andern auch sonst in Handwerkssachen nicht „in den Kauf fallen“.
Im letzten Abschnitt ist enthalten, dass sich die Bäcker ausdrücklich dem Rate unterwerfen. Sie gestehen ihm das Recht zu, den einen oder anderen Artikel zu ändern, wenn er „dem Rate und der ganzen Gemeinde schädlich wäre“.
Diese ältesten Stuten, die Gewohnheiten aufzeichnen, die bereits angewandt wurden und fast alle späteren Bestimmungen im Keime schon enthalten, haben der Zunft der Bäcker in Oschatz offenbar einen sehr festen Zusammenhalt gegeben.

Streik der Bäckermeister 1483

Am Dienstag nach Marias Empfängnis, dem 9. Dezember 1483 verweigerten die neuen Vormeister, die Bäckermeister Matts Winczer und Ulrich Dreßler, dem Rat den schuldigen Eid mit Zustimmung aller ihrer Mitmeister. Der Streitpunkt ist, dass der Rat zulässt, aus dem Umkreis einer halben Meile, von Dörfern also, Backware, Semmel und Roggenbrot sind genannt, in die Stadt hineinzubringen.
Die Forderungen der Bäckerzunft, dies zu untersagen, wird vom Rat ignoriert. Die Bäcker berufenb sich auf eine feierliche Zusicherung des markgräflichen Beamten Jorge von Slynitz (Sleinitz) Ritter. Der Rat von Oschatz aber weiß davon nichts. Es ist bereits eine Zeit, wo er selbständig ohne Amtsvogt in der Stadt entscheidet und sich nicht mehr in die Stadtverwaltung hineinreden lässt. Der nun sich entwickelnde Streit zwischen Bäckerzunft und Rat nimmt harte Formen an. Er stellt ein Stück jahrhundertelang geführten erbitterten Kampfes auch anderer Handwerker gegen die Störer und Pfuscher auf dem Lande dar.
Es beginnt sozusagen der erste „Streik“ der Oschatzer Geschichte. Die Bäckermeister verweigern den Brotverkauf. Sie backen nicht. Der Rat lässt bei großer Kälte mehrere Tage lang Bäcker ins Gefängnis „auf die Tore“ (d.h. ins Gefängnis der Stadtfronfeste am Altoschatzer Tore bzw. in den Turm am Brüdertore einsperren), damit sie dem Rat gehorsam würden. In der Stadt wird das Brot knapp, die Meiseter weigern sich, ihre noch vorhandenen Vorräte zu verkaufen, das Gesinde backen zu lassen oder wieder aus dem Gefängnis zu gehen.
Da ließ der Rat läuten und die ganze Gemeinde zusammenkommen, um einen Freimarkt auszurufen.
Jeder, der backen konnte, sollte Semmeln und Brot beibringen, außerdem schickte der Rat Wagen und Schlitten nach Döbeln und Roßwein, um von dort Brot zu holen. Letztlich war das Handwerk der Bäcker unterlegen.

Die erste Backordnung von 1486

Der Streit scheint aber trotzdem weiter gedauert zu haben. Im Dezember 1496 einigt endlich der Kreisamtmann von Meißen, der „Gestrenge Erbare Er Caspar von Schommburg Ritter, Verweßer zu Meißen“ die beiden Parteien hinsichtlich der Brotzufuhr vom Lande und trifft gleichzeitig Backvorschriften. Es wird in Oschatz angeordnet:

  • Jeden Montag ist Freimarkt, an dem fremdes Roggenbrot in die Stadt eingeführt werden darf, wie außerdem am Christabend das sog. Christbrot.
  • Nur in der Fastenzeit ist fremde Zufuhr verboten, solange der Rat mit dem Heller-, Pfennig- und Weißbrot der Bäcker von Oschatz zufrieden ist.
  • Platz, offenbar eine Art Feingebäck (Plätzchen) darf nur am Tage des Freimarktes von den Oschatzer Bäckern feilgeboten werden. Bei Verstoß sind 5 Groschen Strafe an den Rat zu zahlen.
  • Der Rat erhält auch das Recht, in den Häusern der Bäcker (wo gebacken wird) und den Bänken (wo verkauft wird) sich von der Einhaltung dieser Bestimmungen zu überzeugen. Diese Ordnung wurde 15800 von Herzog Georg geprüft und bestätigt.

Der Weiß-Becker-Gesellen-Artikel 1567

Die Bruderschaft der Beckergesellen, die aber ausdrücklich als Weißbäcker bezeichnet werden, erhalten am 02. Juli 1567 als drittes Handwerk in Oschatz gesonderte Artikel (1472 die Kürschnergesellen, 1517 Tuchmachergesellen).
Man würde sie heute als Arbeitnehmervereinigung bezeichnen. Die Handwerksgesellen taten sich ehemals zu Bruderschaften zusammen, die der Rat genehmigen musste. Diese Bruderschaften waren sehr stark religiös beeinflusst. In 30 Artikeln werden Bestimmungen für die Mitglieder der Bruderschaft getroffe, die man in 6 Sachgruppen untergliedern kann.

  1. Über die Verfassung der Bruderschaft: Zwang der Mitgliedschaft, der Pflicht, das Amt des Altknechtes anzunehmen, Beitragszahlung, Unterstützung
  2. Über das Arbeitsverhältnis: es regelt sich nach den zugeschriebenen Handwerksgewohnheiten, Arbeitsnachweis durch die Altknechte, Pflicht jede zünftige Arbeit zu verrichten.
  3. Über das Verhalten im Hause und bei der Arbeit: um 21 Uhr zu Hause (Polizeistunde), ohne Erlaubnis nicht über Nacht ausbleiben, Spielen im Haus verboten.
  4. religiöse Pflichten: fleißiger Besuch des Gottesdienstes, Teilnahme an Begräbnissen von Mitgliedern.
  5. Über das Verhalten auf der Herberge (Haus der Bruderschaft): pünktliches Erscheinen in ordentlichen Anzug ohne Waffen, bei geöffneter Lade - Hand auf den Tisch!
  6. beim Trinken: gewisser Zwang, nur beim Herbergsvater zu zechen, keinen Streit anfangen, kein Bier weggeben, insbesondere nicht an Frauenzimmer, kein Bier vergießen.

Bei Verstößen gibt es Strafen, z. B. bei „Schelden“, Schmähworten und Lügen sechs Groschen, bei vorsätzlichem Verschütten von Bier bei der Zeche sind sechs Pfennig „Buse“ zu zahlen.

Das zweite Statut der Bäcker-Zunft von 1588

Es wurde am 7. Juni 1588 an Stelle der ersten Ordnung mit 28 Artikeln vom Rat bestätigt und 1611 mit einem Nachtrag von 2 Artikeln vermehrt. 1630 hat es der Rat mit diesen 30 Punkten erneut konfirmiert (bestätigt). Bis 1883 ist dieses zweite Statut in Kraft geblieben. Nahezu 300 Jahre haben sich die "Ehrsamen und Fürsichtigen Meister des Becker-Handwercks allhie bey uns in dieser Stadt" an jene Punkte und Artikel gehalten, die sie mit des Rates Wissen und Willen 1588 von neuem ausgearbeitet hatten. Zahlreiche Punkte waren neu enthalten:

  • ein Lehrjunge muss ein schriftliches Zeugnis und beglaubten Schein seiner ehelichen Geburt vorlegen, insgesamt 2 Taler und 1 Groschen bezahlen und 3 Jahre lernen ("ganz aushalten");
  • erst 3 Jahre nach der Lossprechung darf sein Meister wieder einen neuen Lehrjungen aufnehmen;
  • nach der Lehre folgt eine Wanderzeit von 3 Jahren, die sich für den Meistersohn auf ein Jahr verkürzt;
  • wer Meister werden will, muss erst ein Jahr hier in Arbeit gestanden haben, dann darf er sich zur Ablegung des Meisterstücks melden. Das Meistergeld beträgt 7 gute Schock oder 17 Reichstaler;
  • der Sohn erbt vom Vater wie bisher das ganze Werk, Witwe oder Tochter dagegen nur das halbe. Wer einheiratet, kann erst, nachdem er ein Jahr hier gearbeitet hat, zum Meisterrecht zugelassen werden;
  • desgleichen kann nur Meister werden, "wer sich vorher mit einer unverleumden Jungfrau oder Weibsperson in Ehegelöbnis eingelassen hat oder mit ihr getraut ist".
  • ohne Erlaubnis darf nur an festgelegten Backtagen gebacken werden; im Nachtarbeitsverbot der zwanziger und
  • dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts und in den gesetzlichen Offnungszeiten von heute erkennt man noch diesen Punkt.
  • wer zu klein oder unordentlich bäckt, wird vom Handwerk bestraft; Handwerkliche Selbstkontrolle der Qualitat und Hygienebestimmungen sind demnach auch nicht neu!
  • nur hiesige Bäcker dürfen Brot,Weizenmehl oder Grieß auf den Wochen- und Jahrmärkten feil bieten;
    = Gewerbeerlaubnis der Neuzeit
  • die beiden jüngsten Meister laden zur Handwerksversammlung ein und warten dort auf;
  • beim gemeinsamen Biere hält jeder aus, bis die Àltesten ihm erlauben, wegzugehen, wer dabei, ob Meister oder Meisterin, sich ungebührlich benimmt, hat das Fass wieder zu füllen;
  • es bleibt die Bestimmung, dass einer dem anderen nicht in den Kauf fällt; Jetzt würden wir "Unlauterer Wettbewerb" dazu sagen!

Der Nachtrag von 1611

Aus ihm ist ersichtlich, dass in Oschatz 25 Brotbänke unter dem Rathaus (Keller) vorhanden und voll belegt sind. Es müssen sieben Meister auf die Aufnahme ihres Backbetriebes warten, da ihnen keine Bank zur Verfügung steht.
Es wird daher die Bestimmung aufgenommen, dass nur der an der Meisterprüfung teilnehmen kann, der eine Brotbank nachweisen kann. Die weitere Vergabe erfolgt zunächst an Meistersöhne dem Alter nach, dann erst an Fremde. Auch damals musste auf eine Gewerbeerlaubnis gewartet werden. Die verhältnismäßig große Zahl der städtischen Bäcker bei einer Einwohnerzahl von 3000 - 4000 in Oschatz lässt auf einen regen Durchgangsverkehr und ein großes dörfliches Einzugsgebiet schließen.

Die Bäckerinnungen von Dahlen und Mügeln

Beide Städte hatten ebenfalls eigenständige Bäckerinnungen. Leider ist dazu wenig überliefert. Heimatfestbroschüren der zwanziger Jahre geben Auskunft über das Gründungsjahr. Der Rat der Stadt Dahlen bestätigte 1544 die ersten Innungsartikel der Dahlener Bäcker. Die Weißbäcker in Mügeln erhielten 1647 ihn Innungsstatut bestätigt; Es war in der Zeit, als der Dreißigjährige Krieg gerade zu Ende ging.
Wochenmärkte wurden zeitweilig eingestellt. Getreide war sehr knapp. Daher enthalten diese Statuten die Festlegung, dass es den Weißbäckern von Mügeln vorerst nur gestattet ist, Dienstag, Donnerstag und Sonnabende auf Kauf zu backen.

Das Oschatzer Bäckerhandwerk
vom 16. - 18. Jahrhundert

Aus dem 16. Jahrhundert sind noch in den Kämmereirechnun- gen fortlaufend die Bewegungen des Getreidepreises ersichtlich. Es wird von vereinzelten Strafen berichtet, die der Rat denen auferlegte, die das Brot zu klein gebacken haben. Damals stand zwar der Preis eines Brotes fest, das Gewicht jedoch richtete sich nach dem Roggenpreis, der lag mal höher, mal niedriger.
Diese Preis-Gewichtsbindung hat sich aber im 19. Jahrhundert nicht halten können. Es kam zu einer Umkehrung, das Gewicht wurde festgelegt, und der Preis schwankte.
In den Jahren der Verbreitung der Lutherschen Lehre, der Reformationszeit, ist von einem Bäcker Martin aus der großen Webergasse die Rede, der gemeinsam mit zwei Oschatzer Tuchmachern 1522 als „Anführer“ gegen den katholischen Pfarrer Lucas Leder bezeichnet wird. Die Tuchmacher waren die Träger der Reformation in Oschatz.
Die Innungsunterlagen der Oschatzer Bäcker enthalten erst seit dem 18. Jahrhundert namentliche Aussagen über die Meister und Gesellen. Leider sind sie heute nicht mehr auffindbar.. So gibt uns nur das städtische Bürgerbuch Auskunft über Angehörige des Bäckerhandwerks, die seit 1535 als „Beckerknechte, Beckergesellen oder Becker“ bezeichnet werden.
Seit der Zeit des 30jährigen Krieges kommt immer häufiger die Bezeichnung "Weißbäcker" vor. Die Bezeichnung "Zuckerbäcker" oder Konditor findet man nur ganz vereinzelt. Der erste, der diese Bezeichnung im Bürgerbuch führt, ist ein George Mentzel, Zuckerbäcker, der 1700 aus Schlesien nach Oschatz kam.
In Oschatz bestanden über Jahrhunderte hinweg wahrhafte Bäckerdynastien, d. h. Familien, in denen über Generationen das Handwerk entsprechend den Statuten auf den Meistersohn überging. So gab es von 1639 bis 1745 8 Bäcker mit Namen Beyer, seit 1687 (bis 1817) 9 Bäcker mit Namen Thomas, die als Weißbäcker bezeichnet wurden.


Innungskrüge

Die Gravierungen von vier Zinnkrügen der Innung, die bis heute erhalten sind, geben Auskunft über die jeweiligen Vormeister des "Iöblichen Handwerks der Weißbecker in Oschatz" zwischen 1737 und 1771. Heute nennt man sie Obermeister. 1737 sind es die Meister Johann Michael Beyer und Christian Ehrenfried Wolf, 1749 die Meister Johann George Thomas und Johann George Francke.1756 sind die Meister Karl Friedrich Markgraf, Gottlieb Heinrich Kleinpaul; 1759 Johann Gottlob Kuntze und Gotthold Abraham Wirth eingraviert.
Genannt werden ferner die Meister Heinrich Siegismund Littmann, Karl Friedrich Markgraf, Gottlob Heinrich Kleinpaul, Johann Gottlob Uhlmann sowie Christian Gottfried Stelzner.
Auch die Hoffmannsche Stadtchronik und andere überlieferte Dokumente nennen für die Zeit nach 1800 die Namen Oschatzer Bäckermeister, die offenbar in besonders hohem Ansehen standen. Auch die Brandschadenliste vom Stadtbrand des Jahres 1842 nennt einige Bäckermeister.
Aus genannten Dokumenten kann man erstmals einige Bäckergrundstücke in Oschatz ermitteln.
In der von Mag. Carl Samuel Hoffmann 1815 herausgegebenen historischen Beschreibung (Teil I) der Stadt Oschatz werden 15 Weißbäcker mit 4 Gesellen genannt. Neun Bäckermeister sind namentlich aufgeführt.
Ein Rundgang durch die historische Altstadt von Oschatz zwischen 1800 und 1850 lässt uns diese Bäckereien finden.

Die ältesten bekannten Bäckereien von Oschatz

Die Bäckerei Arras. Sie befand sich im Grundstück Altmarkt 28 (Ecke Sporerstraße. 1749 wanderte der Weißbäcker Johann Gottlob Arras aus Lommatzsch hier ein. Wahrscheinlich übernahm er eine schon bestehende Bäckerei. 10 Meistersohne erwarben bis 1840 Bürgerrecht und setzten diesen Handwerksbetrieb fort. Friedrich Arra ist 1840 der letzte Meister aus dieser Familie. 1846 geht die Bäckerei an Bäckermeister Carl Traugott Liebeheim über. Um 1904 ist Bäckermeister Robert Ernst Barthel Besitzer. Nach dem ersten Weltkrieg wurde aus dieser Bäckerei das Café Central.

Die Bäckereien im Brüderviertel

Altmarkt 14, heute Coback-Geschäft. Sie ist seit 1798 nachweisbar, aber vermutlich älter.
In jenem Jahr zieht ein Weißbäcker namens Johann Andreas Schmidt auch Radach in unsere Stadt, der in Hoffmanns Chronik namentlich genannt ist. Bäcker Schmidts Nachfahren betreiben die Bäckerei bis um 1860. Danach ist ein Bäckermeister Friedrich August Richter Besitzer. Um 1895 ist mit der Bäckerei erstmalig auch eine Konditorei unter Meister Otto Richard Wachs verbunden. Auch der Nachfolger Otto Max Lange ist Bäcker- und Konditormeister.. Seit Anfang der dreißiger Jahre war der Innungsobermeister Kurt Preiß Inhaber. 1946 wurde der Betrieb enteignet und der Konsum Eigentümer.

Im Grundstück Brüderstraße 20, ehemals Glaserei Rühl, befand sich in Vorzeiten eine Bäckerei.
Die über mehrere Generationen Littmann bekannte Bäckerfamilie, die offenbar später auch andere Bäckereien besaß, nahm vor 1750 hier ihren Anfang. 1751 ist Weißbäckermeister Heinrich Sigismund Littmann Vormeister der Zunft, 1810 ist der Sohn gleichen Namens Besitzer. Um 1850 ist sie nicht mehr vorhanden.

Lange bestand die Bäckerei Brüderstraße 2 (seit den 60er Jahren Neubau). Hier nahm 1778 die Bäckerdynastie Püschel ihren Anfang.

Weißbäcker Christian Julius Püschel zog im gleichen Jahr in Oschatz zu. 6 Meister verzeichnet die Chronik. Gottlieb August Püschel ist der letzte Bäckermeister, der 1868 Bürgerrecht erlangte. Um 1895 besitzt den Betrieb Bäckermeiseter Ernst Robert Becker. Er bleibt in Familienbesitz, bis Bäckermeister Arno Becker 1958 aus Altersgründen das Handwerk aufgibt.

Die einstige Bäckerei Schütze an der Klosterkirche (3/4) entstand wohl erst um 1869, als Ernst Wilhelm Schütze Bürger von Oschatz wurde.

Zahlreiche Bäckereien im ehemaligen Altoschatzer Viertel

Die älteste, heute noch bestehende Bäckerei der Stadt ist die der Familie Bönisch, Rosmarinstraße 26. Die Geschichte dieser Bäckerei dürfte bis in das 17. Jahrhundert zurückgehen. 1765 ist der Besitzer Johann Gottlob Uhlmann. Vormeister der Zunft. 1810 ist sein Sohn Johann Gottlieb Uhlmann Inhaber und in Hoffmanns Oschatzer Chronik namentlich genannt. 1842 brennt das Haus mit der Bäckerei infolge des Stadtbrandes unter dem Besitzer Friedrich August Mende jun. ab und wird danach wieder aufgebaut. Aus dem Brandverzeichnis geht hervor, dass zur Bäckerei neben dem Meister und seiner Gattin ein Lehrling und eine Dienstmagd gehörten.
Um 1871 ist Bäckermeister Carl Wilhelm Lorenz hier tätig. Seit ca. 1890 ist Bäckermeister Max Kleeberg Eigentümer. Von ihm erwirbt 1925 Bäckermeister Max Bruno Bönisch, den Betrieb, weihin bekannt für seine vielseitige Marzipan- und Weihnachtsbäckerei. In 3 Generationen der Firma besteht dieses traditionsreiche Bäckereiunternehmen als Bäckerei und Konditorei Albrecht Bönisch fort, inzwischen spezialisiert auf ein breites Sortiment an Konditoreierzeugnissen.

Vor Jahrzehneten gab es an der Breiten Straße und Seminarstraße noch mehrere Bäckereien

Die älteste hier nachweisbare Bäckerei befand sich einst an der Ecke Breite Straße / Seminarstraße.
1821 übernahm den schon bestehenden Backbetrieb ein Weißbäckermeister Christian Gotthilf Pfeiffer aus Mylau/Vogtland. Die Bäckerwitwe Johanna Sophie Pfeiffer scheint nach 1854 diese Bäckerei noch einige Zeit fortgeführt zu haben. Die Pfeiffers findet man danach noch in der Hospitalstraße.
Die einstige Bäckerei Seminarstraße 21 ist seit 1864 unter Bäckermeister Emil Wilhelm Pönitz erwähnt. Seit 1911 war sie im Besitz des Bäckermeisters Albert Max Friedemann, von dem sie Ende 1954 an Bäckermeister Erich Gey überging. Von kürzerer Lebensdauerwaren die beiden Bäckereien Breite Straße 12 und 17. Die erstere hatte um 1890 Bäckermeister Ferdinand Hermann Begenau im Besitz, ehe sie auf die Bäckerfamilie Hugo und später Rudolf Fichtner überging. Im Grundstück Nr. 17 befand sich seit ca. 1870 die Bäckerei von Gari Ergott Lindner, dessen Nachfolger seit ca. 1890 bis Anfang der dreißiger Jahre Bäckermeister Paul Hantzschmann war. Kurzzeitig war danach Bäckermeister Bernhard Burkhardt hier täitg.
Auch im unteren Teil der Breiten Straße gab es zwei Bäckereien. 1891 ist am Brühl 2 (Ecke Breite Straße) ein Bäckermeister Karl Rudolf Wenzel genannt, später sein Sohn Alfred Wenzel. Von ihm ging 1934 die Bäckerei auf Bäckermeister Bruno Klemm über, der sich nur kurzzeitig an seinerfriedlichen Arbeit erfreuen konnte und im Krieg gefallen ist. Seine Gattin IIse Klemm führte nach Ende des 2. Weltkrieges das Geschäft noch einige Jahre fort.
Auch im Grundstück Breite Straße 50 befand sich ehemals eine Bäckerei, 1895 unter Bäckermeister Heinrich Götze erwähnt, 1904 schon im Besitz von Bäckermeister Max Dörfel, später von seiner Gattin Anna Ida verw. Dörfel fortgeführt. Der letzte Inhaber war seit 1935 Bäckermeister Erich Kühne, der später seinen Betrieb in die Hospitalstraße 39 verlegte.

Die Bäckereien der Altoschatzer Straße

Mehrere Bäckereien befinden sich seit alters her auf der Altoschatzer Straße. Einige konnten nicht bestehen, andere entstanden neu. Eine Bäckerei befand sich einst im ehemaligen Grundstück Altoschatzer Straße 12, heute Teil des Naubaus (Gemüsegeschäft). Es scheint das Stammhaus einer über Generationen in Oschatz ansässigen Bäckerfamilie mit Namen Stelzner gewesen zu sein.
1771 ist Christian Gottfried Stelzner Vormeister, 1810 Friedrich Gottlieb Stelzner Inhaber. Seit 1856 ist Bäckermeister Ernst Wilhelm Mende in diesem Haus zu finden. Er wandelt um 1890 die Bäckerei in eine Getreidehandlung um. Später war hier das Friseurgeschäft Michalski.
Auch das Nachbargrundstück, Altoschatzer Straße 10 (später "Hosen-Schmidt"), war um 1810 offenbar eine Bäckerei. Jedenfalls ist einer der Söhne der Littmanns, Carl Gottlob Littmann, Besitzer des Hauses und Bäckerrneister. Seit 1858 ist hier eine Fleischerei mit Schankwirtschaft "Scheinpflug" überliefert. Seit 1876 ist dann ein Händler namens Johann Carl Gottlob Franke zu finden. Nach 1900 ist Handelsmann Ernst Carl Gottlieb Schmidt Eigentümer.
Bis zum Stadtbrand von 1842 befand sich als eigenstandiges Gebäude im linken Teil des heutigen Geschäftshauses Nathke, Altoschatzer Straße 5, ebenfalls eine altere Bäckerei. Die Bäckerei Christian Gottfried Mende sen. erleidet schwersten Brandschaden. Danach errichtet Kaufmann Tiegel auf den Ruinen von zwei Grundstücken ein neues Geschäftshaus.
Die Bäckereien Altoschatzer Straße 19 und 25 sind nachweisbar erst im 19. Jahrhundert errichtet worden.
Die heutige Bäckerei Eberhard Starke, Altoschatzer Straße 25, entstand nach 1870 aus einer Fleischerei. Der aus Merkwitz stammende Bäckermeister Carl Moritz Zieger legte den Grundstein zum Erfolg. 1911 ist sein Sohn Carl Walter Zieger Inhaber. 1935 erwirbt Bäckermeister Paul Starke den Handwerksbetrieb. 1967 ging die Bäckerei auf seinen Sohn Eberhard Starke über. Seit Jahrzehnten sind Starkes für ihre Stollenbäckerei und für ein vielseitiges Kuchen- und Gebäcksortiment bekannt.
Altoschatzer Straße 19 (heute noch Coback-Verkauf). Um 1810 hat als Hauseigentümer der Strumpfwirker Johann G. Kleppsch hier seinen Handwerksbetrieb. Im Brandverzeichnis von 1842 ist jedoch bereits ein Bäcker August Püschel genannt. Seit 1870 wechselt die Bäckerei mehrmals den Besitzer. Bäckerrneister Waldemar Kuhn ist jahrzehntelang Eigentümer. Mitte der dreißiger Jahre geht sie auf Bäckermeister Bernhard Burkhardt, 1967 auf seinen Sohn, den Bäckermeister Werner Burkhardt, über.
Zu nennen bleibt noch eine einstige alte Backerei in der Altoschatzer Vorstadt, am Miltitzplatz. Seit 1826 war Weißbäcker Johann Christian Poitz aus Mergendorf bei Riesa hier ansässig. Nachfahren führten bis ca. 1900 den Betrieb fort. Seit 1910 war Bäckerrneister Arthur Reinhold Ziemer Besitzer, in den dreißiger Jahren Bäckerrneister Walter Wagner. Seit Anfang der vierziger Jahre besteht diese Bäckerei nicht mehr.

Die Bäckereien im Hospital- und Strehlaer Viertel

Die Hospitalstraße sah wie die Altoschatzer Straße viele, vor aliem im 19. Jahrhundert wechselnde Bäckereien.
Hier befand sich einst die Bäckerei, die wir vom Grundstück und Eigentümer her als die älteste erkennbare der Stadt bezeichnen können. Sie befand sich zum Stadtbrand von 1842 rechts neben der Obermühle, heute Hospitalstraße 14. Es war das Stammhaus einer weiteren Oschatzer Bäckerdynastie. der Familie Thomas. Im Bürgerbuch ist 1687 ein Hanß Thomaß als Weißbäcker genannt. Bäckermeister Johann Christian Thomas ist 1743 Vormeister.
1810 ist Bäckermeister Christian Gottlob Thomas Inhaber, der auch in der Stadtchronik erwähnt wird.
1817 wird der letzte Thomas Bürger der Stadt. Um 1830 ist die Bäckerei auf den aus Gröba bei Riesa stammenden Bäckerrneister Dorn übergegangen. Nach der Zerstörung von 1842 ist hier keine Bäckerei mehr zu finden.
Zwischen 1815 und 1860 hat ein Zuckerbäcker Johann Gottfried Martini in der Hospitalstraße 5 sein Handwerk ausgeübt. Unklar bleibt das Alter der einstigen Bäckereien Hospitalstraße 6 (zuletzt Bäckermeister Rudolf Bischoff), Hospitalstraße 20 (zuletzt Bäckermeister Karl-Heinz Schneider) und Hospitalstraße 39 (zuletzt Bäckermeister Erich Kühne). Sie sind erst nach 1850 belegbar.
Die Bäckerei Hospitalstraße 39 besaß seit 1859 Meister Ernst Gotthelf Pfeiffer, sie scheint aber älter zu sein.
Ihm folgte um 1890 Georg Schütze, seit 1935 Bäckermeister Rudolf Becker und bis 1969 Bäckermeister Erich Kühne. Die einstige beliebte Konditorei von Bruno Oskar Hofmann, Mühlgraben 1, ging auch aus einer älteren Bäckerei hervor. Seit 1855 war sie im Besitz des Bäckermeisters Johann Friedrich Frauendorf.
Älteren Ursprungs ist eine frühere Bäckerei im Grundstück Hospitalstraße 23 gewesen. Als 1860 der aus Wurzen stammende Bäckermeister Friedrich August Knape den Handelsbetrieb eröffnete, dürfte die Bäckerei schon länger


Eine Besonderheit der 30er Jahre ist der altdeutsche Backofen, dem ein Dampfofenherd aufgesetzt wurde.

 

bestanden haben. Nachfolger war sein Sohn Carl August Hermann Knape. Dessen Sohn Ernst Knape besaß später in der Altoschatzer Straße die bekannte Spirituosen- und Weinhandlung.
Vor dem einstigen Hospitaltor im Grundstück Dresdner Straße 2 befand sich einst eine alte Zuckerbäckerei. 1819 besaß sie Bäckermeister Carl Gottlob Leuschner, danach Zuckerbäcker Adolph Moritz. Unter Bäckermeister Hermann Schellenberg brannte sie 1902 ab.

Bäckereien in der Strehlaer Straße

Drei Backbetriebe sind uns hier überliefert, die nur ab 1845 erfaßbar sind.
Die Bäckerei Strehlaer Straße 17, zuletzt im Besitz von Bäckermeister Hermann Goltz, gehörte seit 1861 dem Bäckermeister Heinrich Wilhelm Zschucke.
Aus der gleichen Zeit ist die einstige Bäckerei Strehlaer Straße 27 bekannt. 1860 begann hier der aus Mehlteuer stammende Bäckermeister Heinrich Erich Nicol sein Unternehmen. Seit 1909 war Bäckermeister Franz Richard Backe Inhaber. Ihm wurde 1948, obwohl Hitlergegner gewesen, wegen sogenannter "politischer Unzuverlässigkeit" sein Gewerbe untersagt.
Einst befand sich auch eine Bäckerei im Grundstück An der Döllnitz 14. Nach dem Brand im September 1811, bei dem fast alie Häuser in dieser Gasse ein Raub der Flammen wurden, ist hier ein Backhandwerksbetrieb entstanden. Seit 1847 ist Bäckermeister Johann Reinhold Zschucke, seit 1895 Johann Wilhelm Graf und ab 1930 Bäckermeister Paul Reichelt hier Inhaber gewesen. Paul Reichelt übernahm Ende der dreißiger Jahre die Bäckerei von Paul Dörner in der Strehlaer Straße 17.

Die Einführung der Gewerbefreiheit

Mit dem Gewerbegesetz vom 15. Oktober 1861 im Königreich Sachsen fallen die Vorrechte der alten Innungen und die alten Bannrechte, indem Handels- und Gewerbekammern die Vertretung dieser Interessen übernehmen. Dia alten Innungen existieren nicht mehr.
Wie schon an der Entwicklung der alten Oschatzer Bäckereien dargestellt, beginnt eine Zeit vieler neuer Betriebsgründungen, darunter auch zahlreicher neuer Handwerksbetriebe. Jeder durfte nunmehr jedes Gewerbe betreiben. Ein jeder musste sein ganzes Können aufbieten, wenn er im freien Wettbewerb nicht unterliegen wollte. Bei den Bäckern fielen die alten Bestimmungen weg, welches Mehl und wieviel sie verwenden mussten und zu welchem Preis (Brottaxe) sie verkaufen durften. Wer gute Waren lieferte, konnte sie schnell und leicht absetzen.
Endgültig wirksam wurde die neue Gewerbeordnung mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871. Doch es gab auch Nachteile. Daher wurde sie in den Jahren 1887, 1897 und 1907 zugunsten des Handwerks abgeändert, indem die Handwerksorganisation durch Gründung neuer Zwangs- undfreier Innungen und Errichtung von Handwerkskammern gefördert, das Lehrlingswesen einer behördlichen Regelung unterstellt, die Führung des Meistertitels von der Ablegung einer Meisterprüfung abhängig gemacht und mit Rechten ausgestattet wurde.
Für das deutsche Bäckergewerbe wurde 1874 der Zentralverband deutscher Bäckerinnungen „Germania“ und dana für Sachsen als „Saxonia“ gegründet.
In der Amtshauptmannschaft Oschatz entstanden freie Bäckerinnungen (freiwilliger Beitritt).
1883 für Oschatz mit Dahlen und Wermsdorf und Umgebung mit 46 Mitgliedern (Zahl von 1892)
1884 für Mugeln und Umgebung mit 18 und
1886 für Strehla und Umgebung mit 15 Mitgliedern.
12 Bäcker aus der Amtshauptmannschaft gehörten 1892 keiner Innung an. Obermeister im Jahr 1892 waren in Oschatz Bäckermeister Ernst Wilhelm Schütze und in Mügeln Bäckermeister Emil Striegler.
In Dahlen wurde nach 1900 eine eigene Bäckerinnung gebildet.
1934 erfolgte ein Zusammenschluss zur Oschatzer Kreisinnung der Bäcker.

Übersichten des Bäckerhandwerks in der Amthauptmannschaft Oschatz
zwischen 1895 und 1937

Die Adress- und Geschäftshandbücher der Amtshaupt- mannschaft Oschatz zwischen 1895 und 1937 ermöglichen eine allseitige Entwicklungsübersicht.
1895 hatte die Amtshauptmannschaft Oschatz 4 Städte und 138 Ortschaften. In Oschatz gab es 30, in Mügeln 11, in Dahlen und in Strehla 10 Bäckereien. Von 138 Ortschaften besaßen 39 Dörfer 41 Bäckereien, darunter 6 in Wermsdorf, je 2 in Calbitz, Gohlis, Hof, Kiebitz, Schrebitz und Seerhausen.
Eine übersicht zwischen 1904 und 1937 macht eine ständige Erhöhung der Zahl der Bäckereien in der Amtshaupt- mannschaft Oschatz, vor allem in den dörflichen Ortschaften sichtbar.

Neue Bäckereien entstanden in der Gründerzeit.
Ältere Bäckereien wechselten ihren Besitzer.

Mit dem in den Jahrzehnten nach 1870 erfolgten Ausbau der einstigen Oschatzer Vorstädte ist die Gründung neuer Bäckereien verbunden. Beträchtlich war die Bevölkerung gewachsen. Ein Rundgang durch die äußere Stadt führt uns in die neue „Bäckerwelt“ von Oschatz.
An der Bahnhofstraße eröffneten in dieser Zeit gleich drei Bäckereien.
Den vor einigen Wochen gerade erneuerten Backwarenbetrieb Rudolf Findeisen, der seit 1*985 von seinem Sohn Volker Findeisen geführt wird und seit eh und je für seine guten Brötchen bekannt ist, wurde um 1890 von einem Bäckermeister Franz Arthur Döring gegründet. Ihm folgten als Nachfolger Richard Ziller und Arno Beeg. Ein Geschäft mit Ruf war auch die von Bäcker und Konditor Bruno Hofmann, dem späteren Café- und Konditoreibesitzer am Mühlgraben, gegründete Bäckerei Bahnhofstraße 24. Um 1913 ging sie an den Bäckermeister und Konditor Hugo Kickelhayn über. Später war hier bis 1959 Meister Ernst Stodtko tätig. In Familientradition und guten Ruf stand auch die schon vor 1870 errichtete Bäckerei Bahnhofstraße 58. Dem Gründer, Bäckermeister Richard Gersten, folgten Max Arno Gruhle und ab 1929 Meister Friedrich Reiche. Seit 1958 führte sein Schwiegersohn Werner Petzold mit seiner Gattin, der ersten Oschatzer Bäckermeisterin Annlies Petzold, bis 1978 erfolgreich weiter.
Eine ältere Vorstadtbäckerei gab es in der Leipziger Straße, Gemeinde 1.
Seit 1856 ist hier Bäckermeister Carl Gustav Poitz sesshaft gewesen, der noch nach altem Innungsrecht seine Meisterwürde erlangte. Seit den dreißiger Jahren folgten die Bäckermeister Ewald Kretzschmer, Rudolf Buchert und zuletzt bis 1973 Erwin Knorr.
Gleich um die Ecke herum, in der Merkwitzer Gasse 2, gab es eine weitere Bäckerei. Um 1895 ist ein Bäckermeister Richard Kretzschmar ansässig, seit 1919* Meister Karl Richard Georgi. Von da an ist der Laden etwas Besonderes, der Treffpunkt der Oschatzer Fußballwelt. Man bekam nicht nur seine Backwaren, sondern erfuhr auch das Neueste vom Fußball. Schließlich war der Meister viele Jahre der Vorsitzende des Sportvereins Oschatz 1913, kurz SVO genannt.
Viel Mut gehörte dazu, als der Vater des heutigen Obermeisters der Oschatzer Innung, Günter Kretzschmer, 1937 an der Ecke Merkwitzer Straße ein neues Geschäft errichtete. In einem bis dahin wenig bewohnten Stadtgebiet begann gerade erst der Siedlungsbau. Hat er vielleicht geahnt, dass in kommenden Zeiten riesige Wohnblocks in seine Nähe gesetzt werden und dem Geschäft eine große Stammkundschaft sichern? Mit Freide haben die Bewohner den modernisierten Laden mit breitem Angebot aufgenommen.
um 1888 war mit dem Bau der Lutherstraße auch die traditionsreiche Bäckerei Friedrich Ernst Fröhlich entstanden, die dann über Jahrzehnte vom Bäckermeister und Konditor Lorenz Meier geführt wurde. Meister Lorenz war vorher als Geselle in der nur 50m entfernsten „Konditorei und Café Zierold“ tätig. Die Tochter des Bäckermeisters Fröhlich entführte ihn aber in das elterliche Geschäft. Die Konditorei Zierold wurde um die Jahrhundertwende von Ernst Fischer gegründet. Er übernahm nach einigen Jahren das größere „Café Parsival“ in Dresden, zog in den zwanziger Jahren nach Leipzig und legte den Grundstein für die damals weltbekannten Corso-Konditoreien. Ernst Fischer ist als ehemaligem Oschatzer auch die Förderung der beruflichen Entwicklung des Initiators dieser Schrift zu verdanken.
Auch an der um 1890 errichteten vorderen Körnerstraße und am ausgebauten Steinweg setzten sich zwei tüchtige Bäckermeister fest. Und auch hier ging das Geschäft. Zum Kauf seines backfrischen Brötchens und Brotwaren wollte man keine langen Wege gehen.
Ein Bäckermeister Hermann Fischer gründete den Betrieb Körnerstraße 1, der seit 1921 im Besitz von Otto Buchmann war und später vom Bäckermeister Walter Hübner zur Zufriedenheit der Kundschaft weitergeführt wurde. Groß war das Bedauern der Anwohner, als die Bäckerei 1976 schloss. Zu erwähnen wären noch die einstigen Bäckereien von Oskar Oehmichen am Ende des Steinwegs und die um 1900 errichtete von Alfred Straube, Dresdner Straße 13b. Sie führten bis zur Schließung 1975 Meister Siegfried Brückner und Gerhard Fuhrmann weiter.
1962 eröffnete Bäckermeister Alfred Wetzel im elterlichen Grundstück an der Burgstraße eine neue Bäckerei. Das Wohngebiet war beträchtlich gewachsen, eine größere Stammkundschaft schnell entstanden.
Der junge tüchtige Bäckermeister Ronny Burkhardt führt zur Freude der vielen Kunden „hier oben“ die Bäckerei mit breitem Angebot fort.
Welcher Oschatzer weiß heute noch, dass die Bewohner zwischen Promenade und einstiger Altoschatzer Stadtgrenze ihre Backwaren in fünf Bäckereien erwerben konnten? Die einstiege Ziemersche (Wagner) Bäckerei am Miltitzplatz 18 fand schon Erwähnung. Doch seit 1891 bis in die fünfziger Jahre gab es am Miltitzplatz noch eine zweite, wenn auch kleinere Bäckerei der Meisterfamilie Seyfert. Es war das Haus, das vor einigen Jahren abgebrochen wurde. Seine Wasserbretseln waren stadtbekannt.
über Generationen hinweg versorgte die stadtbekannte Bäckerfamilie Oehmichen an der Ecke Breitscheidstraße. Heinrich-Mann-Straße ihre große Kundschaft. Bäckermeister Hugo Franz Oehnmichen hatte 1897 seinen Betrieb ursprünglich an der Wermsdorfer Straße 7 (später Barth) errichtet, ihn aber um 1910 auf die Miltitzstraße 12 verlegt. Sesshaft wurde er dann erst im genannten Eckgrundstück. Ihn folgten Johannes und danach Kurt Oehmichen als Inhaber, bis die Bäckerei zum Bedauern der hiesigen Bewohner 1968 aus Altersgründen für immer ihre Pforten schloss.
Bleibt zu hoffen, dass das Geschäft der einstigen Oehmichenschen  Konkurrenz“, die weithin bekannte Bäckerei Barth an der Wermsdorfer Straße, nach dem Misserfolg des Pächters zur Zufriedenheit der Anwohner durch Bäckermeister Ronny Burkhardt erfolgreich weiter betrieben wird.
Auch hier standen Familientradition und Qualität in gutem Ruf. Bäckermeister Theodor Barth hatte hier um 1910 begonnen.
Später wurde die Bäckerei von seinem Sohn Walter erfolgreich fortgeführt. Auch dessen Sohn Günther war ein fleißiger Bäcker, der den Betrieb modernisierte und der durch den neuen Stadtteil West großen Zuspruch hatte.
Und die fünfte, wo war die, wird so mancher Oschatzer ungläubig fragen?
Es war die Bäckerei des Bäckermeisters Reinhold Weber - "Am Holländer", die schon aus den Zeiten der einst hier stehenden und um 1900 abgebrannten "Holländerwindmühle" stammt und mit einer Schankwirtschaft verbunden war. Später führte diesen Betrieb seine Gattin, Frau Ida Weber, bis in die vierziger Jahre noch fort.
Eigentlich waren die Webers und ihre unbekannten Vorganger behördlicherseits Altoschatzer, denn in das einstige Altoschatzer Gemeindesackel flossen die Steuerabgaben. Doch wen interessierte schon rund um den 'Holländerberg" die einstige Trennlinie zwischen Stadt und Dorf gleichen Namens. Schließlich konnte man hier nicht nur Brot und Brötchen kaufen, sondern auch noch in der Schankstube einen kräftigen Schluck nehmen. Es soll vorgekommen sein, dass mancher Familienvater den Heimweg vergaß.
Als Altoschatzer konnte man noch in Kleinforst einkaufen, oben "An der Aue" bei Bäckerrneister Wittig.
Waren das Zeiten, wo fast jeder seine eigene Bäckerei hatte!
Fehlt noch die Bäckerei, die am längsten bestand: In Verbindung mit dem Gasthof schon von Max Kühne gegründet, führte sie Bäckerrnester Herbert Prengel von 1949 bis 1981 fort.


Schlagmaschine der 20er Jahre

Frische Backwaren vor Ort

Auch die anderen Orte, die heute Stadtteile von Oschatz sind, waren einst vor der Haustür mit frischen Backwaren versorgt. Thalheim und Saalhausen kauften bei Kunze, die Lonnewitzer und Zöschauer bei Meister Karl und später bei Walter Schwalbe. Zu Schmorkaus einstigem Bäckerrneister und Konditor Hermann Schneider und seinem gutflorierenden Café pilgerte oft halb Oschatz hinaus.
Was wäre Zschöllau ohne seine drei Bäckereien gewesen? Seit früheren Zeiten verzeichnet die Ortschronik eine Bäckerei Emil Zwicker, die sein Sohn Oswin Zwicker zur Zwieback-, Gebäck- und Nudelfabrik entwickelte.
Am Zschöllauer Berg befand sich vor Zeiten nicht nur eine Windmühle. Mühlenbesitzer Richard Müller unterhielt hier eine gern aufgesuchte Gastwirtschaft und auch eine "Windmühlenbackerei". Um 1900 herum hatte ein Bäckerrneister namens Paul Köhler die Bäckerei an der Mannschatzer Straße eröffnet, die um 1908 dem Bäckerrneister Bernhard Schäbitz gehörte und 1945 auf seinen tüchtigen Sohn, Meister Gerhard Schäbitz überging. Frische Backwaren wie eh und je, war und blieb des Zschöllauers Wunsch, als der Familienbetrieb aus Altersgründen zum Bedauern aller 1978 die Pforten schloss Es ist freudig begrüßt worden, dass die Backerei Starke hier ein Geschäft eröffnete.
Eine Backerei und Konditorei mit Familientradition findet man heute in Merkwitz. 1897 gründete der aus dem Schlesischen nach Sachsen eingewanderte Bäckerrneister Arwin Kindler hier ineinem Gutshofgebäude seinen Backbetrieb. Bäckerrneister Arno Taube, der hier sein Familienglück fand, führte die Bäckerei seit 1933. Eberhard Taube in der 3. Generation erweiterte bedeutend seinen Betrieb seit den sechziger Jahren, wobei er durch seinen Sohn Jens eine große Unterstützung hat.
Über die Bäckereien von Dahlen, Mügeln, Strehla und Wermsdorf geben uns alte Adress- und Einwohnerbücher Auskunft. In einem Zeitraum zwischen 1895 und 1940 werden für Mügeln 11 bis 13, für Dahlen 11 bis 12 und für Strehla 10 Bäckereien überliefert.
Mit der Einführung der Gewerbefreiheit und dem Bevölkerungszuwachs infolge der wirtschaftlichen Entwicklung, kam es auch in diesen Städten zur Gründung von neuen Handwerksbetrieben, darunter zahlreicher Bäckereien.

Die Bäckereien von Dahlen

Zahlreiche Familienbetriebe sind hier über Generationen typisch für das kleine Landstädtchen. Schon vor 1880 ist die bis Anfang der siebziger Jahre bekannte Bäckerei Kuntzsch in der Ortschronik überliefert, wie auch die heute noch am Markt 8 zum Wohle der Dahlener Bürger bestehende Bäckerei von Bäckerrneister Ernst Mauksch, der von seiner Tochter tatkräftig unterstützt wird. Sie ist der einzige weibliche Konditormeister im Kreis seit 1945.
Um 1895 gehörte diese Backerei Paul Richard Gröber. Um 1912 ging sie an den Meister Wilhelm Mauksch über.
In 3. Generation bestand bis vor ca. 10 Jahren die weithin bekannte Bäckerei Walter Rudolph an der Scheffelstraße. Nach 1905 eröffnete der Mühlenpachter Franz Julius Rudolph mit dem Mühlenbetrieb auch eine Bäckerei.
Familienbetriebe waren auch die Bäckereien Lehnhardt, später Bergmann, die von Hermann Manig, die spätere Hellerische, sowie die vom einstigen Dahlener Obermeister Max Fritzsche. Diese Bäckerei an der Oschatzer Straße dürfte sehr alt gewesen sein, denn 1895 ist sie im Besitz eines Bäckers namens Robert Mendel, 1904 aber schon Meisterbetrieb von Max Fritzsche, später Oswin Fritzsche.

Mügeln und seine bekannten Bäckermeister

Die Stadt besaß seit alters her mehrere Bäckereien. Die hiesigen Bäckermeister hielten in ihrer Mehrzahl, wie in alten Zeiten, ebenfalls auf Familientradition und Sitte. Die älteste bekannte Bäckerei findet man ohne Zweifel im einstigen Familienbetrieb Striegler am Markt. Schon Bäckermeister Karl Emil Striegler hatte um 1895 herum den Betrieb aus Vaters Händen übernommen und ihn später seinem Sohn Martin Striegler weitergegeben. Die Strieglers waren die Mügelner Obermeister.
Bäckermeister Hummitzsch hat seit Ende der dreißiger Jahre den weithin bekannten Betrieb weitergeführt. Heute verkauft
hier die Bäckerei und Konditorei Taube aus Merkwitz.
Bäckermeister Erich Haschke setzt noch heute mit vielseitigem Angebot die einstigen Familientraditionen der Bäcker- und Konditorfamilie Clausnitzer fort. Auch die einstige Bäckerei von Max Hensel, heute Cobackgeschäft, blickt auf eine lange erfolgreiche Familiengeschichte zurück.
Aus einer einstigen Bäckerei Stange ging um 1910 der Backwarenbetrieb von Bäckermeister Alfred Bothendorf hervor. Auch diese Bäckerei hatte bis zur Schließung einen breiten Kundenkreis weit über Mügeln hinaus.
Siegfried Bothendorf, der letzte Betreiber bewahrte auch die wertvolle Bäckerfahne von Mügeln liebevoll auf. Bäckergeschichte schrieben in Mügeln vor allem auch die beiden Meisterbetriebe Schurig.
Um 1900 errichteten die Bäckermeisterbrüder Gustav und Maximilian Emil Schurig an der Wermsdorfer bzw. damaligen Lommatzscher Straße zwei Bäckereien. Über Jahrzehnte blieben sie danach unter den beiden Kurt Schurigs in Familienhand mit gut gehendem Geschäft. Kurt, mit Spitznamen "Kuttel", war in Mügeln als abwehrstarker Verteidiger der Mügelner Fußballmannschaft bekannt und bei seinen Gegnern gefürchtet.
Mügeln hatte desweiteren noch die Bäckereien von Remke, Sachse, Posern, Knape, später Martin Krebs und Höppner, später Erich Weißbach.
Herrn Horst Remke können wir noch, obwohl schon lange Rentner, jedes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt in Mügeln mit seinen schmackhaften Pfannkuchen und leckerem Gebäck wortgewandt erleben.

Die Gemeinden, die sich glücklich wissen, noch Bäckereien zu besitzen

Einst wurde das Brot in Gutsbacköfen auf Vorrat gebacken. Es muss wohl oft einem Dorffest gleichgekommen sein, wenn die tüchtige Bauersfrau Brot für die Familie und auch andere Familien herstellte. Über Jahrhunderte wehrten sich die Städte mit ihren Innungen mit teils harten Maßnahmen gegen die Konkurrenz vom Dorf.
Erst die Gewerbefreiheit machte diesem mittelalterlichen Spuk ein Ende.
In der Amtshauptmannschaft Oschatz gab es in den ländlichen Gemeinden  einschließlich Wermsdorf 1898: 51, 1904: 65, 1922: 79 und1937: 85 Bäckereien.
Wermsdorf besaß in diesem Zeitreum zeitweilig 6, Schrebitz und Däberitz sowie Stauchitz je 3, Calbitz, Gohlis, Hof, Kiebitz mit Pfarrsteina, Lampertswalde, Mahlis und Seerhausen, Schmannewitz je 2 Bäckereien.
Heute sind es gerade noch 10 Bäckereien im ländlichen Kreisgebiet, die Mehrzahl in guter alter Familientradition.

Ein irrer Duft von frischem Brot und Brötchen

Die beliebte Dorfbäckerei Hartwig Georgie in Ablaß führt einen alteren Betrieb weiter, wo aber die Besitzer häufig wechselten. Längere Zeit war nur die Familie Kügler Besitzer.
Borna kann sich glücklich schätzen, dass eine tüchtige Bäckerfamilie über 3 Generationen hinweg die Bevölkerung des Dorfes und der Umgebung stets gut versorgt. Ein Bäckermeister Karl Hermann Lindner wird schon um 1890 erwähnt. Seit 1910 ist die Bäckerei im Besitz von Woldemar Krauspe, die später auf Bäckermeister Hans-Dieter Krauspe überging. Auch in Zukunft ist der Fortbestand gesichert, denn sein Sohn wird in die Pfade der Vorväter treten.
Die Börlner Bäckerei von Bäckermeister Reiner Kühne, die er von seinem Vater Erich übernahm, geht auf den Gründer Ferdinand Arras zurück und ist durch Einheiratung stets in Familienbesitz geblieben.
Weithin bekannt ist in den Heidedörfern die Buchaer Bäckerei Rentzsch.
Einst gab es in der Heide nur in den Hauptdörfern des Fremdenverkehrs, Schmannewitz, Bucha und Sörnewitz, Bäckereien.
Die Buchaer Bäckerei blieb als einzige bestehen. Bäckermeister Clemens Lange, der jahrelang auch Buchaer Gemeindevorstand (Bürgermeister) war, gründete 1894 diesen Betrieb.
In den zwanziger Jahren heiratete Meister Alfred Rentzsch hier ein. Über seinen Sohn Manfred ging sie auf seinen Enkel, den tüchtigen Bäckermeister Uwe Hentzsch über, der zum großen Glück der Dorfbewohner und Urlauber diesen Familienbetrieb mit Erfolg fortführt.
Auch Calbitz und Umgebung, das ja gerade sein 750jähriges Dorfjubiläum beging; fühlt sich glücklich, wieder einen jungen, tüchtigen Bäckermeister zu besitzen. 1956 hatte Bäckermeister Erich Richter den alten .traditionsreichen Backbetrieb von Max Helfer gekauft. Inzwischen hat sich auch hier viel Neues unter der Regie vom jungen Bäckermeister Jürgen Richter getan.
In Hof mit einst 2 Bäckereien führt seit Jahrzehnten Bäckermeister Hans Lützkendorf den einstigen Betrieb seines Schwiegervaters fort. Trotz eines gelungenen Umbaues des gesamten Hauses, musste die in der 3. Generation befindliche Bäckerei Hartmut Martin in Casabra wegen Krankheit Ende der siebziger Jahre schließen.
1936 übernahm Arno Bohrne von einer alten Bäckerfamilie Fischer in Hohenwussen das Geschäft. Sein Schwiegersohn Alfred Videra schulte als ausgebildeter Schauspieler 1950 auf den Bäckerberuf um (was Liebe alies vermag). Das Ende des Backbetriebes war aber 1966 gekommen, als der Inhaber einer tückischen Krankheit erlag.
In und um Lampersdorf weithin bekannt ist die Bäckerei Achim Richter, die um 1900 von Bäckermeister Clemens Richter gegründet wurde. Noch vor Jahren gab es in Collm und anderswo wahre Volksaufläufe, wenn Richters vom Lieferwagen ihr Brot verkauften.
Auch die Erdmanns in Naundorf gehören über Generationen hinweg zum Dorfbild des Ortes. Ein Bäcker und Hausbesitzer, Ernst Franz Poitz, wird schon um 1890 genannt, ehe nach 1900 Ernst Oswald Erdmann hier die Familiendynastie gründete. Welch eine Gunst für die Gemeinde und ihre Bürger, dass Kurt Erdmann und heute sein Sohn Christian in uralter Bäckermeistertradition das Werk ihrer Vorfahren fortsetzen.
Bliebe noch die Gemeinde Wermsdorf. Eine Bäckerei ist von ehemals 6 Betrieben übriggeblieben. Einst versorgten die Bäckermeister Straube, Posern, Busch und Pötzsch ebenfalls über mehrere Generationen die Bewohner und Besucher des Ortes mit vielseitigem Angebot. Nur im alten Familienbetrieb von Reinhold Kurth, in den später Bäckermeister Wilhelm einheiratete, setzt heute dessen Schwiegersohn, Bäckermeister Peter Wentzlaff, die gute Handwerkstradition zum Nutzen der Wermsdorfer fort.


Kratmaschine von 1910

Von der Bäckerinnung zur Berufsgruppe der Bäcker und Konditoren

1939/40 mussten einige Bäckerein wegen der Einberufung der Meister zum Wehrdienst schließen. Gleich nach Kriegsende öffneten diese aber wieder. Die geringe Kohlebereitstellung (Gas-, öl- oder Elektrobacköfen gab es im Kreisgebiet nicht) veranlasste die Bäckereien, sogar im Stadtwald selbst Wurzelstöcke zu roden, um genügend Brennstoffe zu haben. In den Wintermonaten wurden einige Bäckereien auf Weisung der Behörden zusammengelegt., um Brennstoffe zu sparen. Eine große Belastung, hauptsächlich für die Meisterfrauen, war das Markenkleben. Die abgeschnittenen Brotmarken mussten auf Zeitungsbogen geklebt (auch der Klebstoff war ein großer Engpass, häufig musste Mehlkleister verwendet werden) und im Rathaus abgerechnet werden, daraufhin bekam der Betrieb Bezugsscheine für Mehlkauf in der Mühle. Zu dieser Zeit war der finanzielle Teil der Geschäftsführung zweitrangig. Jeder gelieferte Sack Mehl wurde in den Bäckereien nachgewogen. Jeden Monat wurde eine genaue Mehlbestandsaufnahme durchgeführt.. Der Verfasser kann sich noch genau an eine Monatsabrechnung erinnern, nach der sein Vater erleichtert vom Schreibtisch aufstand, denn er hatte bei einer Tagesproduktionvon ca. 1,5-kg-Broten 117 kg R.-Mehl erwirtschaftet.
Die Preisbindung in unserem Handwerk wurde in der Nachkriegszeit bis zur Wende staatlicherseits festgelegt. Die Preise von Brot und Brötchen waren Festpreise, die der Feinback- und Konditoreiwaren konnten nach vorgegebenen Prozentzahlen selbst kalkuliert werden.
Anfang der fünfziger Jahre herrschte eine große Unsicherheit bei der neuen Preisbindung. Ein Fehler in der Kalkulation wurde bei einer staatlichen Prüfung gleich als kapitalistisches Vergehen zum Schaden des Arbeiter- und Bauernstaates bestraft. Die Feststellung solch eines Vergehens war 1656 der auslösende Faktor zu gemeinasamen Kalkulationen der Bäcker und Konditoren des Kreises Oschatz. Gab es in den späteren Jahren diese Kalkulation auch in den anderen Kreisen - so war doch Oschatz eindeutig der Vorreiter. Bis zur friedlichen Wende wurden diese Kalkulationen ergänzt, verbessert und neuen Bestimmungen angepasst. Der Kalkulationsaussschuss gab allen Kollegen eine gewisse Sicherheit und einen Schutz. Vor allem durch diese Arbeit gab es in den ganzen Jahrzehnten in der DDR kein Strafverfahren gegen Kollegen wegen eines Preisverstoßes im Kreis. Die „Feststellung des Preisverstoßes“ hatte aber auch noch andere Folgen. Ein „böser Kollege“ verließ mit seiner Familie über Nacht unter Zurücklassung seines ganzen Betriebes die DDR. Einige Jahre später konnten wir dann und können es jetzt immer noch seine Töchter im Rundfunk und Fernsehen erleben. Aus den damaligen Schmannewitzer „Heidelerchen“ waren die weltbekannten „Jacob Sisters“ geworden.
Es sollten sozialistische Produktionsgenossenschaften auch im Bäckerhandwerk gegründet werden. Zu dieser Zeit heißt es in einem Sitzungsprotokoll der Kreisgeschäftsstelle der Handelskammer:
„Zur Durchsetzung der sozialistischen Entwicklung im Bäckerhandwerk ist es erforderlich, Gründe zur Absetzung des Obermeisters zu suchen!“
Von den Funktionären der Handwerkskammer waren schon auf dem Paier die Genossenschaften in Oschatz, Dahlen und Mügeln gegründet.
In der technischen Ausrüstung nach DDR-Maßstab waren die Backbetriebe unseres Kreises nachweislich führend. Hier ist besonders die Einführung des Schnellkneters, der Brotwirkmaschine, des Breitschruftofens mit Gasheizung, der Zyklothermbackofen und die Ausstattung mit Kältetechnik zu nennen. Am deutlichsten sah man diese fortschrittliche technische Einstellung bei der Ausstattung der Mehlsiloanlagen. Zu Beginn der achtziger Jahre gab es in der Stadt Oschatz mehr Siloanlagen in handwerklichen Bäckereien als in der Messestadt Leipzig.


Einige Bäckereien sind schon mit Stikken- und Zyklothermöfen modernster Bauweise ausgestattet.

Auch in der Berufsausbildung wurde mit großem E|insatz aund auch mit der Nichteinhaltung der vorgegebenen DDR-„Planzahlen“ gearbeitet. Dadurch war zwar die Schmerzgrenze des Facharbeitermangels erreicht, aber noch nicht überschritten.
Bei der Durchsetzung höherer DDR-gesetzlicher Entlohnung für die Beschäftigten erreichte die Berufsgruppe (Innung) anfangs der achtziger Jahre einen von vielen DDR-Bäckerberufsgruppen geneideten Erfolg. Die Beschäftigten des privaten Backhandwerkes waren dadurch mit denen der volkseigenen Betriebe praktisch gleichgestellt.
In den Qualitätsvergleichen und in dem Versorgungsgrad der Bevölkerung mit Backwaren nach DDR-Maßstäben behauptete der Kreis Oschatz immer einen guten Platz, dies betraf sowohl Brot, Brötchen, Feinback- und Konditoreiwaren als auch insbesondere Diabetikerfeinbackwaren. Am deutlichsten sah man den Qualitätsvorsprung der privaten Betriebe an den langen Kundenschlangen vor ihren Geschäften. Die Qualität der Handwerksarbeit setzte sich auch in dieser schwierigen Zeit durch.

„Unser täglich Brot“

über Jahrhunderte für die Region Oschatz zu backen, das war unsere Aufgabe, unsere Pflicht, aber auch die Erfüllung unserer Innungsaufgabe.
Kaum ein anderes Handwerk steht so in der Pflicht, für den Bürger täglich vom frühesten Morgen an zu schaffen.
Kaum ein anderes Handwerk bestimmte so das Stimmungsbarometer der Bevölkerung wie wir.
Kaum ein anderes Handwerk wird täglich von einer solchen großen Zahl der Bevölkerung beurteilt.
War es in der Vergangenheit schwerer körperliche Arbeit, so verlangt es auch heute noch die ganze Kraft der Personen und darüber hinaus die Kraft der Bäckersfrau und des Arbeitsteams. - Vom Lehrling bis zum Meister - Ist diese Einheit vorhanden, sie brauchen wir nicht zu bangen: Das tägliche Brot, im weitesten Sinn, zu backen!"
- Gott gebe uns die Kraft dazu, dann werden wir auch in Zukunft bestehen! -

Obermeister der letzten 100 Jahre

Ernst Schütze, An der Klosterkirche
Friedrich August Hoffmann, Hospitalstr. 6
Franz Hoffmann
Oskar Oehmigen, Steinweg 18
Kurt Preiß, Altmarkt 14
Otto Buchmann, Körnerstraße 1
Arno Beeg, Bahnhofstraße 10
Rudolf Findeisen, Bahnhofstraße 10
Gottfried Bönisch, Rosmarinstraße 26
Günter Kretschmer, Merkwitzer Straße 26

In der Stadt Mügeln war der Obermeister seit 1895 mit dem Namen Striegler verbunden. Karl Emil Striegler führte das Ehrenamt seit 18985, das er 1927 an seinen Sohn Martin Striegler übergab.
In der Stadt Dahlen ist der Obermeister mit dem Namen Fritzsch verbunden. Bis zur Verschmelzung mit der Oschatzer Innung hatte Max Fritzsch das Ehrenamt inne.
 

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