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Redaktionelle Presseartikel, in denen Interessantes, Schauriges und Kurioses aus Oschatz oder von Oschatzern berichtet wurde und spannende private sowie öffentliche Bekanntmachungen hat Grit Jähn gesammelt und „Oschatz-damals“ zur Verfügung gestellt. Sie finden diese Zeitungsausschnitte auch bei „facebook“ unter „Oschatz gefällt uns“ – aber es ist ja nicht jeder bei facebook angemeldet.

Gewerbliche Annoncen aus dieser Sammlung finden Sie unter den „Gelben Seiten“.

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17. Juni

Das „Wienerische Diarium“ erschien erstmals 1703. Nachfolger ist die „Wiener Zeitung“, die älteste noch existierende Zeitung der Welt.
Am 17. Juni 1727 wurde berichtet:





Frankfurt. In dem Dorf Lonnewitz, eine Viertel Meile von Oschatz ist am letzt-abgewichenen Himmelfahrtstage, als den 22sten dieses, a.c. ein alter Bauers-Mann Namens Michael Adam, so 127. Jahr; 4. Monat und 6. Tage alt geworden, begraben; er ist etwa drey Viertel Jahr Beth-lägerig gewesen, hat aber niemals Artzeney gebraucht.



8. Januer

Warnung. Joh. Nicolain, eine Tuchmacher-Meisters Tochter, aus Oschatz gebürtig, welche bey mir ½ Jahr in Diensten war, ist am 2. Dec. heimlich aus ihren Dienst gegangen. Ich warne Jedermann, ihr auf meinen Namen nichts zu borgen.    Leipzig, den 5. Januar 1821
Friedrich Ernst Thurm, Buchbindermeister




19. Juli

Die „Leipziger Zeitung veröffentlichte am 19. Juli 1824 einen Steckbrief:

[Etwas von dem Geschädigten, dem Theater-direktor Pitterlin, finden Sie auch unter den Veranstaltungs-Tipps]



Steckbrief: Wider den Kutscher des Herrn Schauspieldirector Pitterlin, Johann Gottlob Roßberg, aus Roschkowitz bei Döbeln, ist dringender Verdacht entstanden, seinen vormaligen Dienstherrn, nachdem er von ihm unterm 11ten vorigen Monats verabschiedet worden, in der Nacht des 13 Juny dieses Jahres bestohlen zu haben. Gedachter Roßberg ist über 30 Jahre, mittlerer Statur, hat ein hageres blasses Gesicht, einen düstern ungewissen Blick, braunes Haar, stumpfe Nase, und ist bei seiner Entfernung von hier mit einem sehr abgetragenen erbsfarbenen Oberrock mit kleinem Kragen und gelbmetallnen Knöpfen nach Livree-Art gemacht, mit einem runden Filzhut, weißem Halstuch und Westchen, langen engen Beinkleidern von graumelirtem Tuch, und Stiefeln mit gelben Stolpen bekleidet gewesen.Er hat von dem Herrn Schauspielunternehmer Pitterlin unterm 11. Juny dieses Jahres ein vorteilhaftes Dienstzeugniß, auch auf den Grund desselben an dem nemlichen Tage von uns einen Paß zur Reise nach Leipzig und in dortige Gegend erhalten, wo er sich um anderweitige Diesnste bewerben wollen; auch scheint er den Weg dahin wirklich genommen zu haben. Wir machen sämmtliche Polizeibehörden auf diesen Roßberg, der wahrscheinlich den von uns erhalten en Paß zu seinem Fortkommen brauchen dürfte, aufmerksam, und ersuchen dieselben, ihn, wenn er sich in ihrem Bezirk betreten lassen sollte, anzuhalten, zu verhaften und uns schleunigst Nachricht darüber zur weiteren Verfügung zukommen zu lassen. Oschatz, den 10.July 1924
Der Rath daselbst




6. August

Die „Oschatzer gemeinnützige Blätter“ brachten am 6. August 1825 die folgende Information des Stadtrats:





Polizeiliche Bekanntmachung.
Da vom künftigen Montage, als den 8. dieses Monats an, das gewöhnliche Wegfangen der in hiesiger Stadt befindlichen herrenlosen Hunde durch den Freiknecht Statt finden soll, so wird solches andurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Oschatz, den 4. August 1825
Der Rath allda



16. April

„Der Rheinbayer“ schrieb am 16. April 1835:

Die zu Dresden erscheinenden „Polizeilichen Mittheilungen für das Königreich Sachsen“ enthalten folgenden Aufsatz: „Die Oschatzer Bande.“ Bekanntlich sitzt und saß in den Gefängnissen zu Oschatz schon seit längerer Zeit eine Bande von Raubmördern, Räubern und Dieben, die wegen der Menge der dazu gehörigen Individuen merkwürdig ist, es waren nämlich nicht mehr als 96 Personen in Untersuchung und Haft! Welche Herkulesarbeit für den die Untersuchung leitenden Beamten! Es war daher kein Wunder, daß die in dieser Sache angelegten und nach Leipzig zum Verspruch gesendeten einzelnen Aktenstücke zu der fast unerhörten Zahl von 313 Volumen Hinrichtung mit dem Schwerte. Von den übrigen 90 sind 3 auf 10 Jahre. 7 auf 8 Jahre, einer auf 4 und einer auf 3, vier auf 2 und zwei auf 1 und einer auf ½ Jahr Zuchthaus verurtheilt. Acht von diesen sind vorher an den Pranger zu stellen. Von den übrigen weniger schuldigen Complicen haben dreizehn 6, acht 4, sechs 3 Wochen Gefängniß, acht hingegen nur 14, drei 8, zwei 6, zwei 4 Tage Gefängniß. Einer soll 50 Thaler Strafe zahlen oder drei Monate im Gefängnisse sitzen. Zwei kamen mit einem gerichtlichen Verweise davon, 16 wurden wegen Mangel mehreren Verdachts, und nur 10 wegen Mangel einigen Verdachts freigesprochen. Unter den 96 in Untersuchung befanden sich auch 29 Frauenzimmer, von denen aber nur wenige eine härtere Strafe erhielten. Am 21. März fanden die Ausstellungen am Pranger statt, und am 22. ging der erste Transport aus 10 Inhaftaten bestehend, nach Waldheim ab.“



27. Dezember

„Der Humorist“, erschien von 1836 bis 1926 in Wien. In der Ausgabe vom 26. und 27. Dezember 1839 war zu lesen:
(Mittel, umsonst auf der Eisenbahn zu fahren.)

kürzlich kam ein Bauer mit einem Quersack über die Schultern gehängt, nach dem Bahnhof bei Oschatz, um mit dem Dampfwagen nach Dresden zu fahren. Der Zug war noch nicht angelangt, und er musste etwas warten; er entledigte sich daher seines, wie es schien, etwas schweren Sackes, legte ihn sanft neben sich zur Erde, und erwartete ruhig die Ankunft des Leipziger Wagenzuges.Jetzt näherte sich ein Beamter, um das Passagiergut, der Ueberfracht wegen, zu wiegen, ergriff auch den Sack der Bauers, legte ihn etwas unsanft auf die Wage, und — siehe da — dieses Passagiergut gab einen Schmerzensschrei von sich, welcher durch Mark und Bein drang. Der Sack wurde natürlich geöffnet, und — darinnen steckte — des Bauers 10jähriger Sohn, welchen er auf diese Weise umsonst mit fortzubringen glaubte.



10. Juli

Das „Elbe-Blatt“, erstmals 1848 in Riesa erschienen, berichtete am 10. Juli 1848 von einem Schadenfeuer, nur sechs Jahre nach dem großen Brand von Oschatz:





Oschatz, am 10. Juli 1848.
Am 7. d. M. nach 10 Uhr Abends wurden die Bewohner unserer Stadt durch den seit dem großen Brande doppelt schrecklichen Feuerruf in Angst gesetzt. Das Feuer war, glaubwürdigem Versichern zufolge, auf dem Boden eines kleinen Schuppengebäudes im Hofe des dem Fleischermeister Haubold zugehörigen Hausgrundstücks am Altmarkte ausgebrochen, der Vermuthung nach durch Selbstentzündung des da selbst aufbewahrten, nicht völlig getrockneten Heues, und nahm, durch Schindeldächer und die sonstige Lage und Beschaffenheit der dort stehenden Nachbargebäude begünstigt und genährt, so reißenden Fortgang, daß in der kurzen Zeit von einigen Stunden sechs Häuser in Schutt und Asche gesunken waren, ehe es gelang, des Feuers Herr zu werden. Gerühmt wird die Thätigkeit der hier cantonirenden Schützen, nicht minder auch die derjenigen Civilpersonen, welche wirklich das Ihrige redlich zu Dämpfung des Feuers beitrugen. Insbesondere verdient hierbei die aufopfernde Anstrengung des Schornsteinfegers Hellmich jun., des Handarbeiters Hiersermann und des Schullehrers Herrn Dießners alle Anerkennung. Eine gewisse Lauheit nicht Weniger, die es vorzogen, müßig, sogar in Begleitung von Damen, (die doch mit dem Feuer nur in Küche und Ofen sich zu befassen besser thäten - ), dem Schauspiele zuzusehen, war aber nicht minder zu bemerken und ebenso hat die angeblich zu lange verzögerte Anordnung des Einreißens der Nachbarhäuser — nach dem Urtheile Sachverständiger das sicherste und oft das einzige Mittel, der weiter schreitenden Verheerung einen Damm entgegen zu setzen — und die hiesige Feuerordnung überhaupt gar vielfachen Tadel gefunden. Ein Urtheil hierüber hält Einsender, der hierin nicht genug Sachverständiger ist, zurück. —



25. Mai

Die „Illustrirte Zeitung" aus Leipzig berichtete am 25. Mai 1850 von einer Straftat in Lonnewitz:

 



 


In dem Kupfer'schen Bauerngute zu Lonnewitz bei Oschatz in Sachsen erkrankten im November v.J. nach dem Genuß einer Biersuppe sämmtliche Hausgenossen, von denen fünf starben. Erst jetzt hat die Kupfer'sche Magd gerichtlich eingestanden, daß jene Suppe von ihr mit Mäusepulver absichtlich vergiftet worden sei, um sich an einem der Hausgenossen zu rächen.



28. Januar

„Leipziger Zeitung“ vom 28, Januar 1853:

Oschatz, 24. Jan. Am 22. d. Mts. haben die Handarbeiter Albrecht und Gerber in einem hiesigen Kaufladen Branntwein getrunken. Albrecht hat die Behauptung aufgestellt, daß Gerber ihn nicht tragen könne; darauf hat letzterer auf Albrecht’s Rücken sich aufgehockt, dabei feine Arme unter Albrecht's Schulterblättern hindurch mit den Händen nach dem Kopfe zu gesteckt und diesen niedergedrückt. Albrecht ist Nachmittags darauf gestorben und bei der Section des Leichnams desselben hat sich ergeben, daß durch das Zerreißen zweier Sehnen zwischen dem 3. und 4. Halswirbel der Tod herbeigeführt worden ist. Eine diesfallsige Untersuchung ist eingeleitet worden.



09. März

„Die Presse", Wien zitierte am 9. März 1860 die Tiroler Schützenzeitung:



(Drollige Testamentsklauseln.) Die Tiroler Schützenzeitung erzählt: In der Gegend von Oschatz verordnete unlängst ein Land-Edelmann in seinem Testamente: "Mein ehrlicher Schullehrer Schurig bekommt für die Begleitung meiner Leiche zwanzig Thaler, aber unter der Bedingung, daß er nicht singt. Er macht zu viel Schnörkel darin, die ich nicht leiden kann." – Der Bauer Bomnitz in Dobrau verordnete voriges Jahr in seinem Testament: "Vor vier Wochen sind mir zwei Ochsen gestohlen worden. Entdeckt man den Dieb, vermache ich die Ochsen meinem Schwiegersohne; bekommt man sie jedoch nicht wieder, gehören sie dem Verwalter.



22. Februar

Auch die „Grazer Zeitung" berichtete am 22. Februar 1861 von einer Hinrichtung. Es war die letzte in Oschatz:


 

In Oschatz (Sachsen) wurde am 13. d.M. der Gutsbesitzer Johann Gottfried Hackeschmidt aus Machern mittelst eines Fallschwertes enthauptet. Er hatte den Gutsauszügler Vieweg in Machern weniger wohl aus Rachsucht als vielmehr um sich von seiner Auszugsverbindlichkeit gegen denselben zu befreien, am 31. Dezember 1859 Nachts unter Beistand seines Knechtes vorsätzlich und nachdem er den Mordplan längere Zeit mit sich herumgetragen hatte, durch acht verschiedene Hieb- und Schnittwunden getödtet. Nach längerem Leugnen war er dieses Verbrechens sowohl in der Voruntersuchung als auch in der Hauptverhandlung geständig gewesen und zum Tode verurtheilt worden. Während der Haft soll Hackeschmidt dem geistlichen Zuspruch sehr zugänglich gewesen sein und bis Tags vor der Strafvollstreckung gefaßt und in sein Schicksal ergeben sich gezeigt haben. Bei seinem Erscheinen auf dem Richtplatze bot er ein Bild geistiger und körperlicher Erschlaffung. Die Hinrichtung erfolgte mit größter Schnelligkeit und ohne irgend welche Störung.



08. Juli

Die in Leipzig erschienene „Allgemeine Musikalische Zeitung“, eine der bedeutendsten Musikfachblätter des 19. Jahrhunderts berichtete am 08. Juli 1863 von einer großen geistlichen Musikaufführung in der St. Aegidienkirche.



23. Juni

Das Morgenblatt der „Neue Freie Presse“ aus Wien zitierte am 24.06.1870 die Magdeburger Zeitung:




(Der Selbstmord in der Preußischen Armee) Aus Leipzig, 16. d. M., wird der Magdeb. Ztg. geschrieben: „Das zu furchtbarer epidemischer Krankheit angewachsene Uebel der Selbstmorde in unserem Armeecorps scheint leider nicht auszurotten zu sein [...] Vorgestern verließ ein Unterofficier von dem 1.Uhlanen-Regiment, nachdem er von seinem Vorgesetzten einen Verweis erhalten, zu Roß seine Garnison Oschatz und ritt der preußischen Grenze zu, wo er Tags darauf bei Torgau erschossen aufgefunden wurde.



14. Juli

Schauriges aus Oschatz berichtete das „Eisenbergische Nachrichtsblatt“, (Thüringen) am 14. Juli 1874:


Oschatz, 4. Juli. Heute Vormittag hatte die Ehefrau des Fuhrmanns Spiegel hier beim Verlassen ihrer Wohnung ihre vier Kinder im Alter von 7 Monaten bis 5 Jahre einge-schlossen. Nach ½ Stunde zurückkehrend, hat sie die Stube durch Anbrennen des Kohlenkastens voll Rauch und die drei jüngsten Kinder erstickt vorgefunden. Alle Wieder-belebungsversuche blieben erfolglos. –



14. Januar

Die Morgenausgabe des „Neuen Fremdenblatt“ aus Wien berichtete am 14. Januar 1875 von einer Hofjagd des Königs Albert von Sachsen, seinem Schwager Ferdinand, seinem Bruder Georg und Gästen.


Der König von Sachsen hat sich mit dem Großherzog von Toskana und dem Prinzen Georg am 12. d. Früh ¾6 Uhr nach Oschatz begeben, um auf dem dortigen Revier eine Hofjagd abzuhalten, zu welcher zahlreiche Einladungen ergangen sind.



15. Oktober

Das „Neuigkeits Welt-Blatt“ aus Wien berichtete am 15. Januar 1875 aus dem Gerichtssaal:









Ein Gotteslästerer verurheilt.
Vor Kurzem findet vor dem Bezirkgsgerichte Oschatz die zweitinstanzliche Verhandlung gegen den fünfundsiebzigjährigen Ludwig W. wegen Gotteslästerung, begangen durch das Leugnen des Wundern der Auferstehung Jesu, statt. W. ist im Leisniger Gerichtsamt bereits fünfmal vernommen worden, er reichte an das Oschatzer Bezirksgericht eine umfassende Verteidigungsschrift ein. Dieses erkannte an, daß von den sechs bis acht als Lästerungen denunzierten Stellen nur eine einzige aufrechtzuerhalten sein könne. Das Bezirksgericht verwies die Akten und die weitere Fortsetzung der Untersuchung an das Leisniger Amt mit dem Anspruche, einen Bescheid zu fassen und ihm W. zu eröffnen. In dem Überweisungs-Erkenntnisse war ausdrücklich gesagt: "Da voraussichtlich, auch wenn der Angeklagte verurtheilt werden sollte, doch nur die Strafe in Gerichtsgefängnis bestehen könnte, so überweißen wir" . Das Leisniger Gerichtsamt aber erkannte, das höchste Strafmaß, nämlich vier Monate. Das Oschatzer Bezirksgericht legte es ganz in die Hände des Leisniger Gerichtsamte, W. klagfrei zu sprechen, dieses aber griff verdientermaßen nach dem höchsten Strafmaße.



04. April

Die Zeitung für die österreichische Monarchie „Das Vaterland“ wiederholte am 04. April 1880 das, was schon in deutschen Blättern zu lesen war:

(Der höchste Schwindel.) Durch deutsche Blätter läuft jetzt folgende Notiz: „Die Dresdener Hofschauspielerin Frau Ellmenreich fuhr am Gründonnerstag von Hamburg nach Dresden zurück und zwar mit ihrem Gatten Baron Fuchs-Nordhoff allein im Coupe. Erst in Leipzig betrat ein anderer Reisender, ein höherer italienischer Officier, das Coupe, um es nach gegenseitigen Complimenten in Oschatz wieder zu verlassen und zwar aus einem originellem Grunde: die Blumen, welche man der gefeierten Künstlerin in Form von Kränzen und Bouquets gespendet, nahmen den halben Waggon ein und machten dem Cavalier solche Kopfschmerzen, daß er sich lächelnd empfahl."



29.Dezember

In der Rubrik Romane, Novellen, Feuilletons des „Neuigkeits Welt-Blatt" las man unter „Kleine Damenzeitung“ am 29. Dezember 1887:


Strenge Trau-Vorschriften.
In Sachsen ist an einigen Orten das Heiraten nicht Allen leicht gemacht. Allen Brautpaaren, z. B. in Merkwitz bei Oschatz wird von dem Pfarrer bei der Anmeldung die Frage vorgelegt, ob die Brautleute „die Ehrenprädikate Jungfrau und Junggeselle in Anspruch nehmen". Diejenigen, welche dem Pastor „wegen offenkundiger Wahrnehmung berechtigte Zweifel" einflößen, wird „das Tragen eines Myrthenkranzes und Myrthenschmuckes, die Ausschmückung der Kirche und das Blumenstreuen in der Kirche und dem Gottesacker" verwehrt. Brautpaaren, welche unberechtigt hievon Gebrauch machen, ist „zwar die Trauung nicht zu versagen, dagegen ist der Pfarrer berechtigt, den Betreffenden nachträglich einen seelsorgerischen Verweis zu ertheilen, wie denn auch demselben unbenommen bleibt, in die Traurede ein den zunächst Betheiligten ein verständlich mahnendes Wort in nicht verletzender Form einfließen zu lassen". Sind die Ehrenprädikate widerrechtlich in Anspruch genommen worden, so werden die vorgekommenen Täuschungen ohne Namensnennung durch Ankündigung im Neujahrsbericht zur Kenntniß der Gemeinde gebracht und dadurch der letzteren gegenüber gesühnt.



20. Januar

In dem deutschsprachigen „Hermanner Volksblatt“, das in der Kleinstadt Hermann, Missouri, USA erschien, konnten die Leser am 20.01.1888 über einen Beschluß des Bezirksausschusses der Amtshauptmannschaft Oschatz lesen:







Einen „dunklen“ Beschluß hat der Oschatzer Bezirksausschluß gefaßt. Er hat mit allen Stimmen gegen die seines Vorsitzenden die Einführung von obligatorischer Beleuchtung der Fuhrwerke bei Dunkelheit – eine Sache, die doch unbedingt im allgemeinen Interesse zu wünschen sein muß – als nicht nöthig abgelehnt.

 



12. Februar

Am 12. Februar 1888 unterrichtete die „Allgemeine Sport-Zeitung, Wien“ die Freunde des Pferdesports, wobei „Uhlanen“ und „ Hussaren“ eine durchaus gängige Schreibweise war:





Das KGL. SÄCHS. 1. UHLANEN-REGIMENT hat in seiner Garnison zu Oschatz 21 Pferde und das kgl. preussische 5. Hussaren-Regiment zu Stolp 18 Pferde in Training.

 



23. Dezember

Das österreichische „Volksblatt“ berichtete am 23.12.1891:


Selbstmord in der Stephanskirche.
In dem altehrwürdigen Stephansdome hat sich Donnerstag Abends ein frevelhafter Vorfall zugetragen. Kurz bevor die Kirche geschlossen werden sollte hat sich daselbst ein junger Mann, der in einer der rückwärtigen Kirchenbänke Platz genommen, mit einem Revolver erschossen. Da nur mehr wenig Leute sich in der Kirche befanden, wurde ein größeres Aufsehen vermieden. Die Kirche wurde sofort geschlossen, es wurden Aerzte geholt, die aber nicht mehr helfen konnten. Bei dem Selbstmörder fand man Papiere, die auf den Namen Alfred Schuster, zu Oschatz in Sachsen gebürtig, 28 Jahre alt, Buchhändler, lauten. In Versen gibt der Selbstmörder an, daß ihn Liebesgram. Heimweh und drückende Schulden" zu der schrecklichen That verleitet haben. Die entweihte Kirche wurde Abends noch durch Se. Excellenz den hochw. Herrn Erzbischof Dr. A n g e r e r  reconcilirt.



18. Juni

Die Wiener „Allgemeine Sport-Zeitung“ notierte am 18.06.1899:






HEUTE wird auf der Strassenstrecke Oschatz – Leipzig – Oschatz die 100 Kilometer-Meisterschaft des Sächsischen Radfahrer-Bundes abgehalten.
634 Mitglieder beträgt der Zuwachs an Mitgliedern des Deutschen Radfahrer-Bundes im letzten halben Jahre. Der Bund zählte am 1. Juni 43.347 Mitglieder.



30. Mai

Der „Teplitz-Schönauer Anzeiger“ aus dem heutigen Teplice in Tschechien berichtete am 30.05.1906 über einen schweren Autounfall:






(Ein schweres Automobilunglück)
Am sogenannten Harling, in der Nähe des Pferdehändlers Schilling in Fischendorf bei Leipzig rannte das Automobil des Arztes Dr. Sulzberger aus Oschatz am Himmelfahrtsabend so gewaltig an einen Baum an, daß dieser umbrach. Das Automobil stürzte mit den Insassen in einen Graben und stand im Nu in hellen Flammen. Bezirksarzt Dr. Schmidt=Oschatz und der Chauffeur Ernst Adam=Oschatz kamen unter das brennende Automobil zu liegen, während die anderen Insassen herausgeschleudert wurden. Bezirksarzt Dr. Schmidt brannte lichterloh und ist seinen fürchterlichen Brandwunden im Krankenhause erlegen. Der Chauffeur liegt im Krankenhause ebenfalls schwerverbrannt, ist jedoch nicht gefährdet. Dr. Sulzberger hat sich beim Rettungswerke an Händen Brandwunden, die jedoch nicht gefährlich sind, zugezogen. Amtsrichter Benndorf=Döbeln, ebenso ein Herr Horst Wichenberg=Leipzig kamen mit geringeren Verletzungen davon. Referendar Facius=Döbeln war schon unterwegs ausgestiegen, um seinen verloren gegangenen Hut zu suchen und ist dadurch einer großen Gefahr entgangen. Das Automobil wurde nicht vom Chauffeur, sondern vom Besitzer geleitet.

Fortsetzung siehe 1908



7. Mai

Das „Wiener Journal“, berichtete am 07. Mai 1908 aus aller Welt.




Über eine interessante Eheschließung wird aus Wurzen in Sachsen folgendes gemeldet: Am Himmelfahrtstage im Jahre 1908 ereignete sich am Harling bei Fischendorf in der Nähe der Ortschaft Leisnig ein schwerer Automobilunfall, bei dem der Bezirksarzt Dr. med Schmidt aus Oschatz tödlich verunglückte, während sein ihn begleitender Freund, der praktische Arzt Dr. med Sulzberger aus Wurzen schwer, aber nicht tödlich verletzt wurde. Nunmehr hat Dr. Sulzberger der Gattin seines verstorbenen Freundes, Frau Helene, verwitwete Schmidt geborene Jahn, die Hand zum Bunde fürs Leben gereicht.



21. Januar

In der „Reichspost“, Wien, war am 21. Januar 1909 zu lesen:





Erzherzog Karl Franz Josef in Dresden.
Der Draht meldet aus Dresden vom 20. Jänner: Erzherzog Karl Franz Josef begab sich heute früh zum Besuche des sächsischen ersten Ulanenregimentes Nr. 17 nach Oschatz und kehrte nachmittag hierher zurück. Abends fand im Residenzschlosse ein Kammerball statt. Die Abreise erfolgt morgen vormittag.



14. April

Am 14. April berichtete die Welt von einem Unglück in Oschatz. Das „Prager Abendblatt“ schrieb:

Wasserturm-Einsturz. Der in Oschatz (Kgr. Sachsen) errichtete neue Wasserturm, der erst am 12. d.M. in Betrieb genommen und durch die städtischen Kollegien besichtigt wurde, ist gestern Früh kurz nach 4 Uhr vollständig eingestürzt. Der ungefähr 30 Meter hohe Turm, dessen Behälter 300 Kubikmeter Wasser faßte, war mit einem Kostenaufwande von 30.000 Mark erbaut worden.



In der Abend-Ausgabe des „Grazer Tageblatt“ wird etwas weniger ausführlich berichtet:

Gestern früh weckte die Bewohner von Oschatz ein furchtbarer Knall. Der neue, 30 Meter hohe Wasserturm war zusammengestürzt. Man hatte ihn erst vorgestern in Betrieb genommen. Niemand hat dabei Verletzungen erlitten.



Erst am 20. April wurden die Leser der „Vorarlberger Landes-Zeitung“ von dem Geschehen unterrichtet:


In der Stadt Oschatz (Sachsen) wurden dieser Tage die Einwohner früh vor 5 Uhr durch einen furchtbaren Knall geweckt: der neue, seit zwei Tagen in Betrieb stehende, dreißig Meter hohe Wasserturm war plötzlich zusammengestürzt.





11. Juli

Die Neue Zeitung erschien in Wien von 1907 - 1934. In der Ausgabe vom 11. Juli 1910 wurde berichtet:



Neuer Trick einer Diebin. Seit einiger Zeit verlockte in Leipzig eine Frauenperson Herren, mit in ihre Wohnung zu gehen. Dort nahm sie ihnen ihre Garderobe fort, und erbeutete dabei zumeist höhe Beträge. Die Wohnung hatte die Frau jedesmal wenige Stunden zuvor gemietet unter dem Vorwande, ihr Bräutigam werde einige Tage dort wohnen. Endlich wurde die Diebin in der Person der 33jährigen Wirtschafterin Melitta Adelheid Jähsert aus Oschatz ermittelt. Sie wurde vom Schöffengericht zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, jedoch auf freiem Fuß belassen. Sofort begann die Person mit neuen Streichen, um sich, wie sie vor Gericht aussagte, an der Männerwelt zu rächen. Sie ist nun festgenommen worden und soll in Haft verbleiben.



27. Septemb.

Forst- und Jagd-Zeitung vom 27. September 1911, in Wien erschienen:



Massenhaftes Eingehen von Rebhühnern und Fasanen.
Im Gebiete der Amtshauptmannschaft Oschatz, Sachsen, wurde ein massenhaftes Eingehen von Rebhühnern und Fasanen infolge Vergiftungen mit dem zur Bekämpfung der Mäuseplage ausgestreuten Giftweizen beobachtet; auch mehrere verendete Rehe wurden vorgefunden.



04. April

Aus dem Oschatzer Gerichtssaal berichtete das „Prager Tagblatt“ am 04.04.1912:





[Durch die Kälte zum Diebe geworden.]
Die zeitweilig strenge Kälte des verflossenen Winters hat zwei Angehörige des Ulanenregiments in Oschatz zu schweren Diebstählen verleitet. Die Kasernements in Oschatz reichen für die Truppen nicht aus, weshalb ein Teil von ihnen in Bürgerquartieren liegt. Zwei Ulanen beklagten sich nun, als die Kälte einsetzte, bei ihrem Wachtmeister, daß sie es in ihrer Wohnung vor Frost nicht aushalten könnten, da der Ofen nicht genügend geheizt würde. Der Wachtmeister konnte ihnen aber auch nicht helfen. Infolgedessen beschlossen die beiden, zur Selbsthilfe zu greifen. Sie stiegen in einer Nacht über den Zaun der städtischen Gasanstalt und entwendeten Kohlen, die sie sofort in ihrem Ofen verfeuerten. Da sie an der billigen Wärme Geschmack gefunden hatten, wiederholten sie das Experiment noch einigemal, bis sie erwischt wurden. Die Ulanen wurden unter Anklage gestelllt, und zwar wegen schweren Diebstahls, als welcher sich die Tat wegen Uebersteigens des Zaunes darstellte. Das Urteil lautete gegen jeden der beiden, die sich vor dem Kriegsgericht zu verantworten hatten, auf drei Monate und einen Tag Gefängnis. In der Begründung wurde ausgeführt, daß nach dem Gesetz eine leichtere Strafe nicht hätte ausgesprochen werden dürfen, obwohl die Verurteilten in einer Notlage gehandelt hätten. Der Gerichtshof beschloß aber zugunsten der Verurteilten, die bisher unbestraft sind, ein Gnadengesuch einzureichen.



13. Septemb.

Die „Wiener Zeitung“ berichtete am 13.09.1912 über Das Kaisermanöver in Sachsen:




Kaiser Wilhelm ist mit Gefolge im Sonderzuge nach Station Wildpark abgereist. Der Kaiser gedenkt sich Samstag nach Wilhelmshaven zu begeben.

Die Manöver - Verunglückte Flieger.
Oschatz, 13. September. Heute früh sind in der Nähe des Wasserturmes zwei Flieger-Offiziere abgestürzt. Der eine erlitt einen Armbruch, der andere brach ein Bein.


















Oschatz, 12. September.
Heute entwickelte sich nördlich von Oschatz bei Kiebschütz ein Gefecht aller Wassengattungen. Das Blaue 4. Korps drängte einen Teil des Roten 3. Korps und der Roten Kavellerie nach Süden zurück. Auf dem Liebschützer Berge waren auch Kiaser Wilhelm und der König von Sachsen längere Zeit anwesend. Luftschiffer und Flieger waren während des Gefechtes in Tätigkeit.





Mügeln, 12. September
Kaiser Wilhelm weilte auch Nachmittags im Gelände. Die südlichen Flügel der Roten zweiten und der Blauen fünften Armee, die beiden sächsischen Korps, nämlich das zwölfte auf roter und das neunzehnte auf blauer Seite, waren Nachmittags aneinandergeraten, und es kam im Süden des Hubertusburger Forstes um 4 Uhr Nachmittags zum Sturmangriff.




13. Septemb.

Die Wiener Abendpost“, eine Beilage der Wiener Zeitung ergänzte am gleichen Tage:




Kaiser Wilhelm übernachtete im Barackenlager, das er heute früh verließ, und beobachtete den Kampf von Lampersdorf aus. Die Manöver wurden um 10 Uhr Vormittags abgebrochen, worauf der Kaiser in der Nähe von Oschatz längere Kritik hielt.



26. Juni
Die wöchentlich erschienene  „Österreichs Illustrierte Zeitung“ schrieb in der Ausgabe vom 23.06.1913:

In Oschatz in Sachsen fand in Anwesenheit König Friedrich Augusts die Enthüllung eines Denkmales für den König Albert von Sachsen statt. Dasselbe ist eine Schöpfung des Professors Seffner in Leipzig



20. August

von einem tragischen Geschehen berichtete das „Prager Tagblatt“ in der Morgenausgabe vom 20.08.1913:




(Ein Brautpaar durch einen Betrüger in den Tod getrieben)
Auf der Striesaer Flur wurde Montag ein junges Brautpaar tot aufgefunden. Der Bräutigam, der aus Oschatz stammt, hatte zuerst seine Braut, die sich vorher die Pulsadern geöffnet hatte, erschossen, sich selbst die Pulsadern durchschnitten und sich dann gehängt. Die jungen Leute sind Opfer eines Betrügers geworden, der sie beim Kauf eines Geschäftes in Breslau um ihr Geld gebracht hatte.



29. Oktober

in der „Turner-Zeitung“ des „Grazer Tagbelatt war am 29.10.1913 zu lesen:





Pflichtmäßiges Turnen der Fortbildungs-schüler.
Rat und Stadtverordnete von Oschatz in Sachsen haben verfügt, daß die Schüler der gewerblichen Fortbildungsschulen wöchentlich eine Schulturnstunde zu besuchen haben, wenn sie nicht Mitglieder eines vaterländischen Turnvereines sind. Wie schön und wie nachahmenswert! Gerade die der Schule entwachsenen Jünglinge, die noch dazu in den Werkstätten, in denen sie zumeist als Lehrjungen untergebracht sind, Anfechtungen aller Art und oft nicht ganz einwandfreier Gesellschaft ausgesetzt sind, würden des sittlichen Einflusses des Turnens dringend benötigen. Wohl gehören manche von ihnen bürgerlichen oder sozialdemokratischen Vereinen als Zöglinge an, aber die weit aus größte Mehrzahl entbehrt dieser Wohltat. Wie wäre es nun, wenn Rat und Stadtverordnete von Graz, die ja der Fürsorge für die schulentwachsene Jugend überhaupt und dem Turnen besonders gut gesinnt sind, diese Einrichtung der Stadt Oschatz nachahmen würden? Sie würden sich sicher den Dank vieler gegenwättiger und zukünftiger Bürger der Stadt erwerben. Ein derartiges pflichtgemäßes, wenn auch nur wöchentlich einmaliges Turnen würde die Jünglinge vom Wirtshausleben abziehen, ihren oft ungeschlachten Körper geschmeidig und geschickt zur Ausübung ihres Handwerkes machen und den leider oft recht rohen Sinn der Lehrlinge mäßigen und zähmen. Und geprüfte Turnlehrer aus den Turnvereinen würden sich gegen geringe Entschädigung gewiß zur Übernahme des Unterrichtes bereitfinden.



13. Januar

Die „Österreichische Morgenzeitung“ berichtete am 13. Januar 1916 über Steuersenkungen in Oschatz:







(Steuerherabsetzung infolge des Krieges.) Ein weißer Rabe unter den Gemeinden ist unstreitig die Stadt Oschatz in der Kreishauptmannschaft Leipzig. Von allerwärts wird gemeldet, daß der Krieg eine Erhöhung der Steuern bedinge - in Oschatz denkt man nicht nur daran, sondern die Gemeindeverwaltung wird eine Steuerherabsetzung beschließen, was den 13.000 Einwohnern sicherlich eine große Freude sein wird. Die Einnahmen aus dem Betriebe der Gasanstalt und des Elektrizitätswerkes und vor allem der städtischen Sparkasse haben sich so gesteigert, daß sich trotz der Inanspruchnahme der Stadtsäckels durch Kriegswohlfahrt und dergleichen, das Vermögen der Stadt ganz erheblich vermehrt hat. Für die Zukunft stehen sogar weitere Steuerherabsetzungen in sicherer Aussicht. – Heil Oschatz !



12. August

In der österreichischen Tageszeitung, dem „Neuigkeits-Welt-Blatt“ erschien am 12. August 1916 folgende Zeitungsnotiz:





Bei 100 Personen nach Genuss von Pferdefleisch erkrankt. Aus Dresden wird berichtet: In Oschatz erkrankten nach Genuss von Pferdefleisch etwa hundert Personen schwer. Ein Todesfall ist bisher nicht eingetreten.



09. Juli

Das „Neue Wiener Journal“ berichtete am 09. Juli 1924 über die Folgen der Inflation:




(Er lebt noch.) Der Bureaukratismus. diese spezifisch deutsche Einrichtung, ist von den Behörden schon oft totgesagt worden. Aber leider hört man immer wieder, daß er sein Haupt noch aus dem Sarge steckt. Er ist anscheinend nicht totzukriegen. In Strehla (Sachsen) erhielt dieser Tage ein Handwerksmeister von der Reichsbanknebenstelle Oschatz die Papiere der von ihm im Jahre 1922 gezeichneten Zwangsanleihe in Höhe von 10.000 Mark = 1 Millionstel Goldpfennig) zugesandt. Der Meister mußte für die kostbare Sendung, die als portopflichtige Dienstsache befördert worden war, 40 Goldpfennig, also 400 Milliarden Papiermark, zahlen.



4. August

Auch die Leser der „Salzburger Chronik“ wurden am 04.08.1928 über die Verlegung der Erdbebenwarte auf den Collm informiert:





Die Leipziger Erdbebenwarte wird verlegt.
Bei der Lage der Erdbebenware innerhalb der Stadt, inmitten des Universitätsviertels wird ihre hochempfindliche Apparatur von den durch den Verkehr entstehenden Erschütterungen stark beeinflußt. Als der Leiter der Warte, Prof. Weikmann, eine Berufung an die Hamburger Seewarte erhielt, machte er die Verlegung der Erdbebenwarte in freies Gelände zur Bedingung für sein ferneres Verbleiben in Leipzig. Seinem Ersuchen wird entsprochen und im nächsten Frühjahr mit den Arbeiten zur Errichtung der Erdbebenwarte auf dem 300 Meter hohen Collmberg bei Oschnitz gegonnen werden.



12. August

Am 12. August 1928 berichtete Herr oder Frau Wolff von der „Wiener Zeitung“ aus Washington:

Die amerikanische Luftflotte.
Washinton, 11. August. Gestern erfolgte durch Unterstaatssekretär ROBINSON die Eröffnung von zehn Angeboten, welche auf die Ausschreibung des Marineministeriums für die Pläne und den Bau zweier lenkbarer Luftschiffe des starren Systems von je 6 1/2 Kubikfuß eingegangen waren. Darunter befanden sich drei deutsche Planangebote, und zwar von Max Kasterer aus Apolda, Gustav Wilhelm Hagermann in Oschatz und der Firma Schütte in Berlin.

[der Oschatzer hieß lt. Einwohnerbüchern jedoch Hagemann. Er war Ingenieur und wohnte 1922 in der Altoschatzer Straße 24, 1931 und 1937 in der Dresdner Str. 14.]



1. Oktober

Die „Salzburger Chronik“ berichtete in ihrer Ausgabe vom 01.10.1929:






Die Finanznot der sächsischen Städte.

Der erste Bürgermeister der Stadt Oschatz hat eine Eingabe an den sächsischen Gemeindetag gerichtet, worin er darauf hinweist, daß eine große Anzahl sächsischer Städte in kürzester Zeit vor dem Zusammenbruche stehen. 65 Städte mit 45.000 bis 130.000 Einwohner schließen das Rechnungsjahr 1928 mit, nur drei Städte ohne engedecktes Defizit ab.




06. Dezember

Die „Tages-Post“ aus dem österreichischen Linz berichtete am 06.12.1929 von einem Mord und Versicherungsbetrug eines ehemaligen Oschatzer Gastwirtes



Der Mörder Tetzner in Straßburg verhaftet.
Von seiner Frau des Mordes beschuldigt.

Leipzig. 5. Dezember. Nach einer bei der Kriminalpolizei eingegangenen Drahtmeldung ist der in Leipzig wohnende Kaufmann Tetzner, der bei Regensburg angeblich in seinem Auto verbrannt ist, Mittwoch nach mittags in Straßburg im Elsaß verhaftet worden. Frau Tetzner, die durch die Leipziger Kriminalpolizei verhaftet wurde, hat gestanden, daß ihr Mann einen Unbekannten ermordet und mit dem Kraftwagen verbrannt hat. Er wollte dadurch den Anschein erwecken, als ob er selbst verunglückt sei, um auf diese Weise seine Frau in den Genuß einer Unfallsversicherung zu bringen, die er vor etwa vier Wochen in der Höhe von 142 000 Mark abgeschlossen hatte. Frau Tetzner wird nach Regensburg überführt werden. Gegen Tetzner wird bei der französischen Regierung das Auslieferungsverfahren beantragt werden.
Tetzner geständig. — Seine Frau die Anstifterin.
Die Leipziger Kriminalpolizei teilt heute, Donnerstag, folgendes mit: Tetzner ist in vollem Umfange geständig, den Mord am! 27. November verübt zu haben, ebenso den l Mordversuch am 21. November an einem Handwerksburschen. Er beschuldigt seine Frau der Anstiftung. Tetzners Ueberführung nach Regensburg wurde bereits angeordnet.
Durch ein Ferngespräch verraten.

Leipzig, 5. Dezerrber. Tetzners Spur wurde durch den Leipziger Regierungsrat v. Criegern im Flugzeug verfolgt. Er verriet seinen Aufenthaltsort, nämlich Straßburg, dadurch, daß er von dort aus mit seiner Frau ein Ferngespräch führte. Dadurch war es möglich, ihn sofort auszuforschen und seine Verfolgung aufzunehmen.
Erster Gewinn an dem Tod der Schwiegermutter.
Leipzig, 5. Dezember. Der Vertreter Kurt Erich Tetzner genoß in Oschatz, wo er früher wohnte, nicht den besten Leumund. Er hätte dort das Zentralcafe von seiner Schwiegermutter, einer Frau Georgi, gepachtet und mit seiner Frau bewirtschaftet. Nachdem die Verdachtsmomente des Mordes und Versicherungsbetruges in Oschatz bekannt wurden, erinnerte man sich besonderer Umstände: Seine Schwiegermutter war nämlich längere Zeit krank und hatte die Absicht, sich operieren zu lassen. Tetzner redete sie aber davon ab, scheinbar deshalb, well sie nicht gegen Todesfall versichert war. Er überredete schließlich seine Schwie­germutter, dies zu tun, und zwar gegen 10.000 Mark. Erst nachher ließ er es zu, daß Frau Georgi operiert wurde. Drei Tage nach der Operation starb Frau Georgi und Tetzner nahm die Versicherungssumme in der Höhe von 10.000 Mark in Empfang. Das Zentralcafé ging auf seinen Namen über. Frau Tetzner fiel in ihrer äußeren Erscheinung gegen ihren immer eleganten Mann ab: sie ist etwa 22. Jahre alt. Aufgefallen ist, daß das Ehepaar in Leipzig, wohin es aus Oschatz übersiedelte, mit einer ganz neuen Wohnungseinrichtung einzog. Sie hatten zur Anschaffung derselben die Versicherungssumme der im Mai verstorbenen Schwiegermutter verwendet. Das Ehepaar lebte ganz sich für sich, Besuche kamen nur selten.



07. Dezember

Einen Tag später ergänzte die „Freien Stimmen“:“ lesen:





Der Versicherungsmord im Auto
A. Leipzig, 6. Dezember. Zu der Mordsache Tetzner teilt die Leipziger Kriminalpolizei mit: Tetzner ist in vollem Umfang geständig, den Mord am 27. November verübt zu haben, ebenso den Mordversuch am 21. November an einem Handwerksburschen. Er beschuldigt seine Frau der Anstiftung. Jetzt tauchen Vermutungen auf, daß Tetzner auch am Tode seiner Schwiegerutter, der Frau Georgi, die ein Kaffeehaus in Oschatz betrieb, schuldtragend sei. Er hat ihr geraten, sich gegen 10.000 Mark versichern zu lassen. Dann ließ sich die Frau operieren und starb nach drei Tagen. Tetzner wurde schon damals in Oschatz deshalb schief angesehen und übersiedelte nach Leipzig. Nun will man auch diesen Fall nachgehen.



01. April

Am 01. April 1930 konnte man in der Zeitung „Neues Wiener Journal“ lesen:










Die Hausschuhfabrik Ambrosius Marthaus in Oschatz in Sachsen ist insolvent geworden. Die Passiven betragen nach bisherigen Schätzungen viereinhalb Millionen Mark.



31. Mai

In „Der Kuckuck“, einer Illustrierten der österreichischen Sozialdemokratie wurde am 31.05.1931 dieses Foto ohne weiteren Kommentar veröffentlicht. Es zeigt den Aufmarsch der Schutzformation (Schufo) des Reichsbanners, einem Wehrverband zum Schutz der demokratischen Republik.





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