Im Jahre 1673 drang unter die Einwohner unserer Stadt eine hitzige Krankheit, welche die
Hauptkrankheit genannt ward, weil sie bei allen, die sie befiel, so heftige Kopfschmerzen verursachte, daß ihnen das Bewußtsein verging. Sie war
außerdem mit Schnupfen, schweren Husten und bei vielen mit starken Brechen und Engbrüstigkeit verbunden, und verlor sich mit dem vierten oder
fünften Tage. Verwahrungsmittel waren unwirksam. Wer gelinde abführende Mittel gebrauchte, genas geschwinder, wer aber einen Aderlaß nahm, ward
gewöhnlich ein Raub des Todes. Aus den hiesigen Kirchenlisten ist jedoch zu ersehen, daß nur wenige Personen daran gestorben sind. Der
Superintendent D. Rehbold fragte bei dem Ober-Consistorium an, wie es mit solchen Kranken, die kein völliges Bewußtsein hätten, gehalten werden
sollte, wenn sie das Abendmahl verlangten. Das Consistorium rescribirte darauf den 10. November 1673, daß denen, die sich nicht zu prüfen
vermöchten, das Abendmahl auch nicht gereicht werden könne. Doch sollte den Kranken, so viel nur möglich wäre, mit Troste beigestanden werden.
In dem Jahr 1676 herrschte hier die rothe Ruhr oder das Ungarische Fieber, wie es die Aerzte nannten. Ein Churfürstlicher Befehl vom 9. August
dieses Jahres schrieb gewisse Verhaltungsregeln dabei vor. Vom 1. Juli an bis gegen den Ausgang des Jahres starben 150 und zwar meistentheils junge
Personen und Kinder an dieser Krankheit.
Dreijährige Pest. Der 8. August 1680 machte den Anfang, unsre Stadt mit einer beispielosen Pest heimzusuchen. Sie ward durch ein Paar an den
Stadtschreiber Mellmann von Leipzig geschickte Strümpfe verbreitet
1)
. Die Seuche raffte bis zum ersten Advent dieses Jahres 74 Personen dahin und man stellte, da sie sich im Lande nicht
mehr zeigte, den 10. Juli 1681 ein allgemeines Dankfest an. Allein noch in der selben Woche, in welcher das Dankfest gefeiert worden war, fing die
Pest von neuem und zwar so schrecklich an zu wüthen, daß sie´bis zu Ende des Jahres 551 Personen ins Grab stürzte, nämlich 101 Ehemann, 114
Eheweiber, 28 Junggesellen, 44 Jungfrauen, 30 Dienstmägde, 231 Kinder, darunter sich 42 Schulknaben befanden. Vielen unter ihnen ward später hin
noch eine Gedächtnißpredigt gehalten. Um der weiteren Verbreitung der Pest vorzubeugen, ward die Stadt mit einem Cordon von Cavallerie und
Infanterie eingeschlossen und Niemand weder ein- noch ausgelassen. Dieser Cordon hatte bei der Ziegelscheune, die damals an dem Ort stand, wo jetzt
das Rathsgut Pappenheim steht, auf dem Berge nach dem großen Forste zu sein Lager aufgeschlagen. Außerdem wurden noch Warnungssäulen an den
Grenzen des Stadtgebiets aufgerichtet. Die Wochenmärkte wurden nicht mehr in der Stadt gehalten, sondern an die drei Kreuze vor das Brüderthor
verlegt. Die Noth der Einwohner fand ein allgemeines Mitleiden. Der Churfürst überschickte aus eigener Bewegung eine Summe Geld zur Vertheilung
unter die Nothleidenden. Weit und breit kam Geld und Zufuhr an Lebensmitteln herbei. Ohne diese Beihülfe würde die Noth, die allen Erwerb hinderte,
noch viel größer geworden sein. Doch ward dieser Vorrath, so ansehnlich er auch war, aufgezehrt und der Hunger nahm so überhand, daß sich die
Einwohner genöthigt sahen, auf dem Thurme eine schwarze Todtenfahne auszustecken, um den benachbarten Ortschaften anzudeuten, daß sie der Hunder
dem Tode nahe gebracht habe
2)
. Diese schauerliche Andeutung blieb nicht ohne Erfolg. Die Nachbarn eilten theilnehmend, die Bedürfnisse ihrer bedrängten Brüder und Schwestern
durch Zufuhre von allerhand Lebensmittel zu befriedigen. Auch ward den 8. August an dem Kuhberge bei Striesa eine Betstunde gehalten, wobei sich
die Pfarrer, Schullehrer und Einwohner aus den benachbarten Dörfern einfanden, um Gott gemeinschaftlich zu bitte, die Pest von der Stadt zu
entfernen. Welch' eine rührende und den religiösen Sinn des damaligen Zeitalters darstellende Scene! Man hoffte, daß das Ende des Jahrs auch das
Ende der Noth herbeiführen werde. Die verheerende Gewalt der Pest ließ auch wirklich so nach, daß man kein Bedenken trug, das Militär, welches die
Stadt bisher eingeschlossen hatte, den 17. Mai 1682 abziehen zu lassen. Allein man war genöthigt, schon den folgenden 8. Juni die Blockade von
neuem anzufangen, indem jene tödtende Seuche zum drittenmale von dem Testtodtengräber durch angestecke Betten und Kleider von Ganzig nach Oschatz,
und zwar zuerst in den Marstall gebracht ward. Sie nahm jedoch bis zum August nur 33 Einwohner hinweg, worunter einige waren, die das zweitemal
davon befallen wurden. Sie hörte den 19. November dieses Jahre völlig auf, und die Soldaten zogen wieder ab. Den 8. December ward ein feierliches
Dankfest angestellt und von dem Superintendenten D. Rehbold über Ps. 116, 16 bis 19 und Archidiakonus M. Jacobi über Joh. 5, 14 eine Predigt
gehalten. Der Churfürst erließ den Einwohnern die Abgaben, die sie in den 3 Pestjahren nicht abtragen konnten und der Rath wandte während
derselben 327 Fl. 11 Gr. 3 Pf. auf, worunter sich auch eine Ausgabefür die in Leipzig gedruckte Anordnung, und für die Dresdner gedruckten
medicinischen Bedenken, die Contagion betreffend, befand. Diese beschriebene dreijährige Pest ist die letzte, die Oschatz betroffen hat. Seit
130 Jahren ist unsere Stadt, wowie das ganze Land, davon befreit geblieben. Welcher Freund des Vaterlandes und des Menschengeschlechtes sollte
nicht ernstlich wünschen, daß jenes für Bevölkerung, Leben und Wohlstand gefahrvolle Uebel auf immer entfernt bleiben möge? Der fortdauernde,
sorgfältige Gebrauch der Mittel, die man zeither zu seiner Ausrottung angewandt hat, läßt uns die Erfüllung jenes patriotischen und
menschenfreundlichen Wunsch sicher erwarten. Wohl uns, daß wir von dem verderblichen Vorurtheile der frühern Zeit, als ob die Pest ein
unvermeidliches Uebel sei, dagegen kein Mittel schütze, dem man sich vielmehr in Geduld unterwerfen müsse, zurückgekommen sind! Wohl uns, daß wir
einsehen, daß in einer nie unterlassenen Aufmerksamkeit auf unser jedesmaliges körperliches Befinden, in einer strengen Beobachtung der Diät, und
in einem mäßigen Genusse der Speisen und Getränke kein geringes Schutzmittel gegen jenes Uebel liege! Dank sei es den jetzigen Polizei-Anstalten,
daß sie mit wohlthätiger Strenge auf die Reinlichkeit der Straßen und Gassen halten, durch das Austrocknen sumpfiger Oerter die schädlichen Dünste
vermindern und durch Abbrechung unnöthiger und einengender Bollwerke der Luft einen ungehinderten Durchzug durch die Stadt verschaffen! Heil
denen, die ihre engen und niedern Stuben in weitere und höhere umzuschaffen suchen und bei ihren neu zu erbauenden Häusern die Anlegung geräumiger
Stuben berücksichtigen. Solche Maßregeln sichern die Hoffnung, daß eine so verheerende Sterblichkeit, wie unsere Vorfahren sie sahen, nicht leicht
in unsere Mauern zurückkehren werde!
Zu Anfange des achtzehnten Jahrhunderts ward Friedrich August, als er sich kaum auf dem Polnischen Throne festgesetzt hatte, in den Krieg, der
in Norden wider den König von Schweden, Karl XII. ausbrach, verwickelt. Karl XII. fiel daher in Polen ein, um Friedrich August die Königskrone zu
entreißen. Er brachte es wirklich dahin, daß der von ihm vorgeschlagene Woywode von Posen, Stanislaus Lesczinsky, den 12. Juni 1704 zum Könige
gewählt, von dem größten Theil der Nation dafür erkannt und den 4. Oktober 1705 zu Warschau feierlich gekrönt ward. Friedrich August hatte zwar
seinen Genaral Schuldenburg unterdessen zur Anwerbung eines neue Kriegsheeres nach Sachsen geschickt, auch hatte Schulenburg bald ein Heer von
20000 Mann zusammengebracht, aber ohne Erfolg, denn er wurde an der Schlesischen Grenze bei Fraustadt von dem Schwedischen General Rhenschild
völlig geschlagen. Hierauf entschloß sich der König von Schweden, gerade nach Sachsen zu gehen und den König Friedrich August zur völligen
Abtretung der Polnischen Krone und zu einem vorgeschriebenen Frieden zu nöthigen. Nach mancherlei Unterhandlungen kam den 19. Januar 1707 der
Friede zu Stande. August ward jedoch, als der König von Schweden den 8. Juli 1709 bei Pultawa (nach Andern den 9. Juli) von den Russen gänzlich
geschlagen war, von den Polen selbst eingeladen, die Krone wieder anzunehmen. Ehe nun die Niederlage der Schweden geschehen war, hatte Karl XII.
seine Winterquatiere, die ihm Friedrich August zugestanden hatte, in Sachsen bezogen. In Oschatz war den 20. September 1706 ein ganzes Regiment
Schweden eingerückt. Mancher Hauswirth bekam daher 10, 15 bis 20 Mann, die er beköstigen mußte. Nach einem Aufenthalte von 7 Tagen zog ein Theil
dieses Militärs wieder ab, und es blieben nur 6 Compagnien zurück, welche erst am 22. August 1707 ausrückten und mit der ganzen Schwedischen Armee
den 1. September dieses Jahres aus Sachsen gingen. Viele Bürger verarmten durch die vielen Kosten der Einquartierung und durch die aufgelegte
Contribution, wozu jeder Haus- und Feldbesitzer 1 Thlr. von jedem Steuerschocke beitragen mußte.
Von Ostern 1718 bis zum Februar 1719 herrschte in unserer Stadt eine Hornviehseuche, durch die 80 Ochsen, 110 Kühe und 19 Kalben fielen.
Vermöge Befehls vom 24. Mai 1719 ward denen, welche die Viehseuche betroffen hatte, von 2 bis 3 Stücken ein halbes, von 4 bis 7 Stücken ein ganzes,
von 8 bis neun Stücken anderthalb und von 10 Stücken 2 Jahre Quatember-Freiheit ertheilt.
Noch in diesem Jahre 1719 litt die Stadt durch eine Theuerung, die die Folge einer geringen Ernte war, welche eine zwanzig Wochen anhaltende
Dürre verursacht hatte. Viele Feldbesitzer hatten den Saamen kaum übrig. Im August und September galt hier das Korn und die Wicken 4 Thlr., die
Gerste 3 Thlr., die Erbsen 5 Thlr., der Hafer 2 Fl. und in den folgenden Monaten das Korn 5 Thlr. 12 Gr. und das Schock Roggenschütten 5 bis 6
Thlr. Als dieser Theuerung eine reichliche Ernte die erwünschten Grenzen setzte, so ward im Monat September 1720 hier wie an allen Orten in Sachsen
ein allgemeines Dankfest gehalten. Im Jahre 1745 kam es zwischen Sachsen und Preußen zu einem Kriege. Die Verbindungen des Chursächsischen
Hofes mit den Oestreichischen, und vornämlich der mißlungene Versuch, dem König von Preußen Schlesien wieder abzunehmen, hatte den letztern so
heftig wider Sachsen aufgebracht, daß er im Juni 1745 nach dem Treffen bei Friedberg ein ansehnliches Heer unter dem Fürsten von Anhalt Dessau bei
Magdeburg zusammenrücken ließ, das sich nachher in die Gegend von Halle zog. Von Sächsischer Seite begab sich die 45000 Mann starke Armee unter
dem Grafen Rutowsky, in das bei Leipzig verschanzte Lager. Beide Theile bezogen zu Ende des Oktobers die Cantonirungs-Quartiere. Der König von
Preußen unterhandelte am Großbrittanischen Hofe unterdessen wegen eines Friedens, der zwar vom Könige Georg II. angenommen, aber von dem Wiener
und Dresdner Hofe verworfen ward. Der König von Preußen nahm darauf den 24. November seinen Zug durch die Oberlausitz gerade nach Dresden zu und
auf der andern Seite brach der Fürst Leopold von Dessau den 29. November mit einem mächtigen Heere über Halle in Sachsen ein, worauf
es den 15. December bei Kesselsdorf zu einer Schlacht kam, worin die Preußen den Sieg davon trugen. Den 25. December
ward zu Dresden der Friede geschlossen. Zu der starken Contribution, welche Sachsen aufgelegt ward, mußte außer den
hiesigen Einwohnern der Rath allein von den Commun-Gütern 92 Rthlr. 9 Gr. 5½ Pf. beitragen. Es folgte bald der schwere
Krieg, der Sachsen sieben Jahre lang, von 1756 bis 1763 in allen Theilen seines Wohlstandes durch Einquartierungen,
Contributionen, Entvölkerung, schlechtes Geld, Theurung aufs empfindlichste zerrüttete. Auch für Oschatz bleiben jene
verhängnißvollen Jahre unvergeßlich. Die entferntern Ursachen dieses Krieges lagen in den Amerikanischen
Grenzstreitigkeiten, die nach dem Aachner Frieden zwischen Großbrittanien und Frankreich entstanden waren und zuletzt
in einen förmlichen Krieg ausbrachen, der durch die Bündnisse zwischen Großbrittanien und Preußen, und zwischen
Frankreich und Oestreich, auch nach Europa gezogen ward, und sich vornämlich in Deutschland ausbreitete. Zwar hoffte
man anfangs, dieübrigen Europäischen Mächte würden sich bei den Englisch-Französischen Streitigkeiten in Amerika blos
als Zuschauer verhalten; auch waren jene Verbindungen eigentlich nur Vertheidigungsbündnisse, schienen auf
Großbrittanischer Seite nur die Versicherung der Hannöverischen Staaten zur Absicht zu haben und auf Französischer
Seite blos eingegangen zu sein, um der Großbrittanischen Seite das Gleichgewicht zu halten. Aber auf einmal sah man
Chursachesen mit Preußischen Truppen ganz überzogen, ohne daß man wußte, ob die Preußischen Absichten eigentlich nur
auf Böhmen oder auf Sachsen und Böhmen zugleich gerichtet wären. Die Veranlassung zu diesem Einfalle war ein
befürchteter Angriff von Oestreichischer Seite auf die Brandenburger Lande, dem der König von Preußen zuvorzukommen
suchte. Friedrich brach auf einmal von drei verschiedenen Seiten über Wittenburg und Torgau über Halle und Leipzig,
und durch die Lausitz, in Sachsen ein, that jedoch die Erklärung, daß er dieses Land nur zu seiner Sicherheit, während
des Krieges, in Verwahrung nehmen wollte, und daß seine eigentliche Absicht auf Böhmen ginge. Von der über Halle in
Sachsen einrückenden Armee zogen den 5. September 1756 von früh 8 bis Nachmittags 4 Uhr 5000 Mann nebst 100 Kanonen,
100 Pulverwagen, 100 Wagen mit Kugeln und vielen Bagagewagen durch unsere Stadt. Der König von Preußen nahm seine
Winterquartiere in Sachsen. In Oschatz rückten den 22. November 4 Eskadrons Driesische Reiter ein. Am 1. December mußte
unsre Stadt 24 Mann Rekruten an die Preußische Armee abliefern und den 13. Dezember rückten die Driesischen Reiter
wieder aus und nach den obern Gegenden des Landes zu, kamen aber den 24. December wieder zurück. Der Scheffel Korn
stieg auf 5 Thlr. Den 5. Januar 1757 mußte Oschatz wieder 12 und den 1. Februar noch einmal 9 Rekruten, auch den 2.
April 26 Schanzgräber nach Dresden stellen. Zur Bestreitung der bereits aufgelaufenen Kriegskosten, sah sich der Rath
schon den 24. Februar genöthigt, ein Kapital von 300 Thlr. aufzunehmen, und zur Aufbringung der Zinsen den Dürnberg zu
verpachten. Aus einem gleichen Grunde ward am 26. April auch die Sauerwiese verpachtet. Im Monat April blieb der Preis
des Korns wie zu Ende des vorigen Jahres. Es war aber großer Mangel daran. Die Noth ward täglich größer, und das
Sterben griff weiter um sich. Die Armen stachen täglich auf den Feldern und Wiesen grüne Kräuter, um damit ihren
Hunger zu stillen. Das Korn stieg auf 5 Rthlr. 8 Gr., die Gerste auf 4 Rthlr. 2 Gr., der Hafer auf 3 Rthlr. Am 10
April, es war der erste Osterfeiertag ward der damalige Stadtrichter Bothe nach Torgau abgeholt, um sich gegen eine
Beschuldigung des Raths in Wurzen, aus dessen Mitte auch 4 Mitglieder zugegen waren, zu vertheidigen, als habe er
einen Rekruten-Transport von 180 Mann am 21. December des vorigen Jahres nicht richtig überbracht, sondern gegen 60
davon gehen lassen. Er kam erst dem 19. Mai wieder zurück.
Den 1. Mai wurden aufs neue 15 Rekruten von der Stadt verlangt. Den Sommer über zehrten Einquartierungen alles auf. Im Monat September
ging die Preußische Armee hier durch bis in die Nähe von Leipzig und den 10. November rückten 500 Mann Oestreichische
Husaren ins Quartier, zogen aber den 13. dieses Monats Abends um 12 Uhr schon wieder ab. Der König trieb seine Feinde
bis Roßbach zurück und erfocht hier den 5. November einen fast unerwarteten Sieg. Nach diesem Siege ließ der König nur
ein kleines Corps unter dem Prinzen von Preußen, Heinrich, in Sachsen zurück, wobei auch unsere Stadt mit
Winterquartieren belegt ward. Im Jahre 1758 wurden von Oschatz Contribution,
Rekruten, Stückpferde und Knechte, und den 2. August 9 Schanzgräber nach Dresden und den 7. dieses Monats wieder 9
Mann gefordert. Prinz Heinrich behauptete sich in Sachsen sehr glücklich bis im Monat September wo er dem Könige ein
Corps von 7000 Mann nach dem Gefecht bei Hochkirchen zur Verstärkung zuführte. Da aber in dem Feldzuge des Jahres 1759
in welchem gleich zu Anfange unsere Stadt 16 Rekruten liefern mußte, das Finkische Heer, das sich mit den Truppen des
General Wunsch auf 18000 Mann belief, nicht hinreichend war, den vereinigten Reichstruppen und Oestreichern
allenthalben Widerstand zu thun, so beschloß Prinz Heinrich, der zeither in der Lausitz die Daunische Armee beobachtet
hatte, sich der Elbe zu nähern. Er ging über Hoyerswerda und Elsterwerda nach Strehla, wo er sich den 4. Oktober mit
dem General Fink, der sich in diese Gegend gezogen hatte, vereinigte und von Strehla bis auf den Dürnberg ein Lager
aufschlug. Nach seinem Abzuge aus der Lausitz brach auch Daum den 25. September nach Görlitz und Sachsen auf, ging
bei Dresden über die Elbe und näherte sich der Preußischen Armee. Schon den 5. Oktober recognoscirte ein
Oestreichischer General mit einer starken Husaren-Begleitung unsre Stadt. Kaum hatte er sich entfernt, so holten
3 Preußische Husaren den Stadtrichter Stepner, der Lieferung wegen, nach Strehla ab. Noch in den Vormittagsstunden des
6. Oktober sah man hier Preußische Husaren, aber Nachmittags war die Stadt mit Croaten besetzt, die jedoch nicht in
die Häuser einquartiert wurden, sondern auf dem Hauptmarkte verweilten, wo sie auch ihre Speisen an den Wachtfeuern
selbst bereiteten. Den Tag darauf rückten noch Kaiserliche Husaren ein. Das Brentanosche Corps hatte sich von der
Zöschauer Windmühle an, hinter Lonnewitz, bis an den Krapfischen Weinberg vor der Stadt gelagert. Das Hauptlager der
Oestreicher aber war zwischen Riesa und Weida, und das Haupt-Quartier des General Daun in Hof. Am 8. Oktober kamen die
Sächsischen Prinzen Clemens und Albrecht mit der Kaiserlichen Generalität nach Oschatz, besahen von dem Stadtthurme
aus das auf dem Dürnberge und bei Strehla befindliche Preußische Lager. Als den 9. Oktober Preußische Husaren in
Merkwitz fouragirten, so rückten die hier liegenden Truppen sogleich gegen sie aus, erreichten sie aber nicht, weil
sie sich von Merkwitz bereits wieder entfernt hatten. Bei dieser Gelegenheit hätte unsrer Stadt ein großes Unglück
widerfahren können, indem die Pulverwagen über die noch nicht verlöschenden Wachtfeuer des Marktes gefahren wurden.
Den 11. Oktober verlegte der General sein Quartier von Lonnewitz nach Oschatz und das Esterhazische Corps rückte
ebenfalls in das hiesige Lager ein. Da bei solchen Umständen der Prinz Heinrich besorgen mußte, er möchte durch das
abgeschickte Daunische Corps von seinem Magazin zu Torgau abgeschnitten werden, so verließ er den 16. Oktober das
Lager bei Strehla, und zog sich nach Torgau. Bei Belgern vereinigten sich die in unsrer Gegend gestandenen Corps mit
der Hauptarmee des General Daun und zogen bis Schilda. Da Daun keine Möglichkeit sah, die Preußen in ihrem
vortheilhaften Lager bei Torgau anzugreifen, so zog er sich wieder in die hiesige Gegend zurück und nahm den 4.
Novenber sein Hauptquartier in Naundorf, die Armee aber lagerte sich von Casabra an, bei Naundorf und Altoschatz
vorbei, bis nach Striesa an den Wald. Bei dieser Gellegenheit gingen viele Märsche durch Oschatz. Den 5. Novenber
brach das Lager wieder auf, das Hauptquartier kam nach Lommatzsch und in Oschatz blieb nur ein Commando Husaren
zurück. Von Lommatzsch ging das Hauptquartier nach Dresden. Prinz Heinrich säumte nicht, dem Daunischen Corps
nachzufolgen. Er brach den 4. November von Torgau auf, den 6. holten 4 Preußische Husaren den Bürgermeister Hoffmann
und Hoyer nach Strehla zu dem Prinzen, der sich bei ihnen nach der Beschaffenheit der Kaiserlichen Armee
erkundigte und sie dann wieder entließ. Während dieses Vorganges kamen mehrere Preußische Husaren in unsere Stadt,
machte 6 Kaiserliche Bedienten und einige Marketenderweiber nebst vier auf einem Wagen befindlichen Kranken zu
Gefangenen. Die letztern ließ aber der Preußische Officier auf ihre Bitte der Kaiserlichen Armee nachfahren. Nun
erfolgten mehrere Durchmärsche von Preußischen Truppen, bei welcher Gelegenheit von jeder Hufe 1 Scheffel Gerste
geliefert werden mußte. Prinz Heinrich lagerte sich in der Gegend von Staucha. Den 2. November gingen auf vier Wagen,
12 Geiseln aus Böhmischen Dominikaner-Klöstern, von 30 Husaren begleitet, hier durch. Den 1. December mußte das
Oschatzer Amt 50 Ochsen und 100 Schafe, und den 10 December die Stadt von jeder Hufe 1 Scheffel 1 Metze Korn und eben
so viele Gerste und Hafer, nebst 16 Gr. Geld an die Preußische Armee liefern. Am 13. December kam an das hiesige Amt
der Befehl, täglich 15 Klaftern Holz aus der Collmener Haide zur Preußischen Armee zu schaffen und sie außerdem auch
mit 125 Scheffeln Korn und eben so viel Gerste und Hafer zu versorgen.
Das Jahr 1760 fing sich mit neuen Kriegslasten an. Die Rückstände von Contributionen mußten abgetragen werden; neue Contributionen, Rekruten
und Lieferungen wurden ausgeschrieben. Im Monat Januar wurden 1800 Portionen, 1500 Rationen nebst 6 Metzen Gerste und 90 Roggenschütten auf die
Hufe geliefert. Die Stadtfelder mußten vom 17. bis 20. Januar 4 vierspännige Wagen geben, davon jeder auf 160 Thlr. taxirt ward. Den 19.
Januar rückten 100 Mann von der Preußischen Artillerie hier ins Winterquartier, um die nöthigen Reparaturen
vorzunehmen. Sie hatten in dem Schießhause ihr Laboratorium und in dem Großischen, jetzt Müllerischen Vorwerke,
desgleichen im Hoffmannischen Gartenhause vor dem Strehlaischen Thore ihren Aufenthalt. Am 2. Februar ward hier ein
großes Preußisches Magazin angelegt; die Böden des Rathhauses und vieler Bürgerhäuser wurden mit Getreide beschüttet;
die beiden obersten Stockwerke des Amtshauses dienten, da der Amtmann ausgetreten war, zur Aufbewahrung des Mehls; in
die Kloster- und Begräbnißkirche wurden, nachdem die Weiberstühle herausgenommen waren, so wie in die Fleischbänke und
in einige Bürgerhäuser und Scheunen Heu und Stroh gelegt, auch wurden überdies auf dem Klosterkirchhofe und vor den
Thoren noch viele Heu- und Strohseimen gesetzt. Dies dauerte bis zum 7. Mai. Da bei der Abfuhr des Heues aus dem
Magazin in das Lager die Marketender Stadtbier mit auf die Wagen luden, so erwuchs daraus der brauenden Bürgerschaft
viele Nahrung. Den 7. Februar ward den Bürgern angedeutet, von jedem Schock 4 Gr. und 36½ Quatember binnen 3 Tagen
voraus zu bezahlen. Den 14. Februar ward ihnen auf dem Rathhause der Königl. Preußische Befehl eröffnet, auf 1 Jahr
vorschußweise 4000 Thlr. für die Accise zu erlegen, welcher Vorschuß aber auf 3380 Thlr. moderirt ward. Jeder, der es
vermochte, ward aufgefordert, einen Beitrag zu thun, den er nebst Interessen zurückerhalten sollte. Als man den 28.
Februar 40 Mann Rekruten von der Stadt verlangte, so wurden nur 25 Mann wirklich gestellt, die übrigen aber bezahlt.
Für jeden Rekruten ward 83 Thlr. erlegt, welche Summe die jungen Bürger, Bürgerssöhne und Handwerksgesellen ausbringen
mußten. Den 8. März wurden abermals 8 Rekruten ausgeschrieben. Den 22. Mai ward ein Preußischer Befehl publicirt,
alles Preußische und Kaiserliche Gewehr nach Lommatzsch zu liefern, wobei für jede Flinte 16 Gr. für ein Paar Pistolen
aber 12 Gr. gegeben werden sollten. Wer Gewehr zurückbehalte, sollte mit 20 Thlr. oder mit Karrenfahren bestraft
werden. Den 12. Juni wurden von jeder Hufe 2 Gr. und 3 Quatember als ein Beitrag zu dem Staffetten-Gelde, auch
den 14. Juni vom Amte 20 Schanzgräber gefordert. Von der Viehlieferung, die am 1. Juli ausgeschrieben ward, kamen
auf das hiesige Amt 10 Ochsen und 8 Pferde. Die 9 Mann Husaren, die deshalb vom 1. bis 5. Juli auf Execution kamen,
kosteten täglich 25 Thlr. Den 29. Juli lieferte unsere Stadt auf die Hufe 1½ Ctn. Heu und 3 Viertel Bier für die Armee.
Von den am 10. August angesagten 400 Ochsen, die der Meißner Kreis liefern sollte, kamen auf unere Stadt 4 Stück. Den
12. August wurden aufs neue von der Hufe 3 Metzen und 3 Mäßchen Korn und eben so viel Gerste, wie auch 1 Ctn. Hau und
16 Roggenschütten angesagt und mit Execution eingetrieben. Nun änderte sich auf einmal der Kriegschauplatz. Der König
von Preußen, der Dresden vom 14. bis 29. Juli belagert hatte, hob auf einmal die Belagerung auf, ging bei Hirschstein
über die Elbe und zog sich durch die Oberlausitz zurück nach Schlesien, wohin ihm auch Daum mit seiner Armee folgte.
Nur ein schwaches Corps blieb unter dem General Hülsen in Sachsen zurück. Die Reichtruppen thaten alles, um die
Sächsischen Lande noch in diesem Feldzuge zu befreien. Hülsen hate sich aus seinem zeitherigen Lager bei Meißen nach
Strehla zurückgezogen und die Reichsarmee war ihm nachgerückt. Den 18. August bezog Hülsen ein Lager und stießmit dem
linken Flügel an die Stadt Strehla, mit dem rechten an Leckwitz; der in der rechten Flanke liegende Dürnberg ward mit
4 Grenadier-Bataillons besetzt. In den Nachmittagsstunden des 19. August ließ Hülsen, wegen des von dem Könige über den
General Laudon erfochtenem Sieges Victoria schießen. Den 18. August Nachmiittags war die Reichsarmee auch in ihr Lager
zwischen Riesa und Weida gerückt; ein besonderes Corps davon hatte sich bei Ganzig gesetzt. Der Prinz von Zweibrücken
hatte sein Hauptquartier in Riesa und der General Prinz von Stollberg in Zöschau. In der Nacht des 19. August rückte
ein Preußisches Bataillon in der Nähe unsrer Stadt bis an den Schmorkauer Weinberg, in der Absicht, das Brot, welches
für die Reichstruppen hier gebacken worden war, wegzunehmen, die Stadt zu plündern und dann anzuzünden. Als es aber
vermittelst der leuchtenden Wachtfeuer ein starkes Cavallerie-Commando der Reichstruppen, das sich hinter der Stadt
nach Wellerwalda hinzog, wahrnahm, entfernte es sich wieder und unsere Stadt sah sich aus einer großen Gefahr glücklich
errettet. Schon in den Abendstunden des 19. August hatten die Generale Brentano, Stollberg und Haddik mit andern hohen
Officieren in dem Hause des hiesigen Bürgermeisters Hoffmann den Plan zu dem Angriff entworfen, der den folgenden Tag
auf das Corps des General Hülsen geschehen sollte. Alles war für Oschatz besorgt, denn es verlautete, daß, wenn
der Angriff mißlänge, unsere Stadt in Gefahr sei, bei der Retirade der Reichsarmee in Brand gesteckt zu werden. Das
Treffen begann den 20. August früh um 3 Uhr und endigte sich um 7 Uhr. Der Kanonendonner erschütterte die Herzen der
hiesigen Einwohner; sowie die Fenster ihrer Häuser; sie eilten in die Gorauer Flur, um den Kampf mit anzusehen und
harrten bangvoll seines ungewissen Ausgangs. Beide Theile der Kämpfenden schrieben sich den Sieg zu: die Reichstruppen
hatten ungleich mehr als die Preußen verloren, die unter andern auch den Prinzen von Nassau Usingen gefangen
genommen hatten. Hülsen zog sich in bester Ordnung über Belgern nach Torgau zurück
3)
, wo er ein vortheilhaftes Lager einnahm. Auf der Retirade wurden die Dörfer Zaußwitz und Leckwitz in Brand gesteckt. Am Tage des Treffens wurden
Mittags Blessirte in unsere Stadt gebracht und ins Lazareth nach Hof geschafft. Den folgenden Tag schossen die
Reichstruppen auf dem Schlachtfelde Victoria, worauf sie sich nach Torgau begaben. Am 11. September mußten hier für sie
von jeder Hufe 16 Gebunde Heu, jedes 10 Pfund schwer, geliefert werden. Den 16. September ward die Bürgerschaft auf dem
Rathhause bedeutet, die Liquidationen von ihren Lieferungen an die Reichsarmee einzureichen, die alten Reste
abzutragen, nichts wider hohe Häupter und den Rath zu reden. Sie bat bei dieser Gelegenheit, die kranken Soldaten nicht
mehr in die Bürgerhäuser einzuquartieren, sondern besondere Lazarethe anzulegen. Man gab ihrer Bitte Statt, und
richtete das jetzige Kühnische Haus in der Altoschatzer Gasse und in der Brüdervorstadt Langens Vorwerk und des Töpfer
Dörings Haus zu Lazarethen ein. Nach der am 3. November bei Süpitz und Neiden unweit Torgau zwischen dem Könige von
Preußen und dem General Daum vorgefallenen großen Bataille, deren Kanonenschüsse auch in Oschatz deutlich gehört
wurden, kamen die retirirenden Kaiserlichen den 4. und 5. November hier durch. Nachdem noch in den Vormittagsstunden
des 6. November an welchem so eben der Rathsumtritt gefeiert worden war, Uhlanen durchmaschirt waren, erschienen um 12
Uhr die ersten Preußischen Husaren und nahmen noch zwei Kaiserliche auf dem Markte gefangen. Die beiden folgenden Tage
ging eine Kolonne Preußischer Truppen durch, welche an Lieferung von der Hufe 4 Scheffel Korn, 4 Scheffel Gerste, 3
Centner Heu und 36 Roggenschütten verlangte.
Mit dem Anfange des Jahres 1761 wurden 21 Gr. vom Schock und 74 Quatember nach Meißen an die Landstände zu zahlen abbefohlen. Der erste
Terminan 9 Gr. vom Schock und 30 Quatembern sollte sogleich, der zweite an 6 Gr. vom Schock nebst 22 Quatembern 3 Wochen darauf,
und der dritte Termin an 6 Gr. vom Schock und 22 Quatember 6 Wochen hernach abgetragen werden. Den 4. Januar
erschienen schon 40 Mann Husaren zur Execution auf den ersten Termin, wobei vom Thlr. 2 Gr. Strafe erlegt werden
mußten; erst den 15. Januar entfernten sie sich. Oschatz mußte überhaupt 3000 Thlr. Contribution bezahlen. Den 8.
Januar wurden von jeder Hufe 4 Centner Hau und 8 Roggenschütten verlangt, Stückknechte und angeschirrte Pferde noch
ungerechnet. Den 17. Januar rückten 200 Mann von dem Frei-Bataillon Quintus Icilius nebst 60 Freijägern hier ein und
gingen den Tag darauf nach Hubertusburg, um das Königliche Jagd-Palais zu plündern, wo sie bis zur Vollendung ihres
Auftrags den 7. Mai verblieben. Den 9. Februar ward der Bürgerschaft auf dem Rathhause vorgetragen, aß noch 5 Rekruten
mit Gelde und zwar jeder mit 90 Thlr. bezahlt werden sollten. Zur Ausbringung dieser Summe wurde von einem Gesellen 1
Thlr., von einem Lehrling 12 Gr. und von einer Magd 12 Gr. Beitrag verlangt. Manchem Bürger kam der Beitrag auf 6
Thlr. Zu Anfange des Märzmonates ward hier abermals ein Preußisches Magazin angelegt. Den 3. März erschienen wieder
über 30 Mann Husaren, um die rückständige Contribution einzutreiben. Am 21. März ward von dem Commandanten der
hiesigen Garnison ein Lazareth angelegt und angedeutet, daß Niemand beherberget werden sollte, ohne es vorher bei
ihm gemeldet zu haben. Den 3 Mai ward bei Strehla eine Schiffbrücke geschlagen, worüber sie Preußische Armee ging,
welcher der König selbst nachfolgte. Den 21. Mai mußte jeder Bürger einen Sack in das hiesige Magazin bei 5 Thlr.
Strafe geben. Den 14. Mai bekam das hiesige Amt 6 Mann Husaren zur Execution auf einen Rest von 180 Thlr. den es von
600 Thlr. Beitrag zum Brückenbau nach Torgau noch schuldig war. Sie gingen den folgenden Tag wieder ab. Den 22. Juni
mußten die Stadtfelder von 84 Hufen einen vierspännigen Wagen auf 14 Tage ins Lager schicken und nach Verfluß dieser
Zeit durch einen andern wieder ablösen. Dies kostete in 14 Tagen jeder Hufe 1 Thlr. 8 Gr. und von den zwei dabei
angestellten Knechten erhielt jeder täglich 16 Gr.
Mit dem Jahre 1762 stieg die Noth unsrer Stadt immer höher. Den 2. Januar rückte ein Theil der Preußischen Feldbäckerei ein, von der bei jedem
Bäcker 3 Mann einquartirt wurden. Am 4., 22. und 26. Januar versammelten sich die Landstände im hiesigen Amte, um Verfügungen wegen den
Kriegsforderungen zu treffen. Den 27. Februar wurden 5 Rekruten nach Torgau abgeliefert, die übrigen 25 wurden
bezahlt. Vom 20. bis 28. Februar ward aller Vorrath an Getreide und Mehl in der Stadt aufgeschrieben und den 29.
auf dm Rathhause der Befehl verlesen, daß bis zum 1. März von jedem Schock 20 Gr. und 74 Quatember abgeführt werden
sollten. Den 26. Februar ward der Rath wieder in Freiheit gesetzt, nachdem er einige Zeit wegen der
Contributions-Reste auf dem Rathhause in Verwahrung gesessen hatte. Den 1. März marschirten die hier im
Winterquartiere gestandenen Artilleristen aus und die Bäckerei ward abgelößt. Den 6. April kam Execution auf die
Contribution, den 12. auf die Rekruten und den 29. auf alte Leinwand zum Verbinden, wozu jeder Bürger einen Beitrag
liefern mußte. Die Executionsmannschaft auf die Rekruten kostete täglich 9 Thlr. Den 8. Mai ward der Rath wegen der
Contribution, die noch rückständig war, abermals auf das Rathhaus gesetzt. Den 11. Mai verließ Prinz Heinrich das
Winterquartier in Hof und das hier einquartirte Regiment von Grabow rückte nach Lommatzsch. Den 22. Mai ging auch
die Bäckerei von hier fort, nur 100 Wagen davon blieben auf der Viehweide zurück. Den 29. Mai bekam der Rath von
neuem Execution und Arrest. Den 1. Juni gingen die hier gestandenen Pontons zur Armee. Den 24. August ward der
Bürgerschaft auf dem Rathhause eröffnet, daß das Preußische Directorium zu einem gewissen Behufe vom Lande 120000
Thlr. und vom Meißner Kreise 12600 Thlr. verlange. Diese Summe ward durch 8 Pf. aufs Schock und 7 Quatember
ausgebracht. Am 1 September wurden von hier, so wie von andern Orten weder Vieh noch Lebensmittel auf den Jahrmarkt
nach Lorenzkirche gelassen, weil die Oestreicher daselbst standen. Den 29 November gelangte eine Forderung an die
Stadt von 19 Rekruten, 6 Stückknechten und einer doppelten Accise vom 1. December an. Die Rekruten wurden diesmal
nach den Quatembern ausgebracht, so mußten z.B. die Huf-, Nagel-, Sägen- und Kupferschmiede, Klempner, Schlosser,
Glaser, Tischler und Wagner zusammen einen Rekruten schaffen, der, die Kosten mit gerechnet, 106 Thlr. 22 Gr. kam.
Als am 2. December Prinz Heinrich hier durch nach Dahlen ins Winter-Quartier ging, ward der Befehl erteilt, die
einquartirte Mannschaft täglich mit hauswirthlicher Speise und Trank, besonders mit Fleisch und Bier unentgeldlich zu
versorgen. Der 17. December war für den Rath und einen großen Theil der Bürgerschaft ein höchst unangenehmer Tag. Die
Stadt war auf das Jahr 1761 und weiter zurück noch 9000 Thlr. alten Rest von der zu zahlenden Contribution und
anderen Forderungen schuldig. Da nun diese Summe nicht entrichtet werden konnte, so büßte dafür der Rath mit den
wohlhabendsten Bürgern im Arrest, Außerdem wurden noch alle Kaufladen versiegelt. Am 26. December kamen der
östreichische Minister von Collenbach, der Preußische Staatsminister von Herzberg und der Chursächsische Minister
Freiherr von Fritsch zum ersten Male in Hubertusburg zusammen, um die Unterhandlungen des Friedens zu eröffnen.
Zum Beschluß dieser Jahrgeschichte gedenke ich noch der Theurung aller Lebensmittel, womit unsre Stadt damals zu
kämpfen hatte. Im Monat Februar kam der Scheffel Korn auf 6 Thlr., die Gerste auf 8 Thlr. 12 Gr., der Hafer auf 3
Thlr., die Kanne Butter auf 1 Thlr. 2 Gr. und die Mandel Eier auf 5 Gr. Im Monat Juli stieg der Preis des Weizens
auf 10 Thlr., des Korns auf 7 Thlr., der Mandel Eier auf 6 Gr. nur die Butter war auf 16 Gr. herabgefallen. Noch
höher kam das Getreide im Monat August. Der Weizen galt 10 Thlr., das Korn 8 Thlr., die Gerste 6 Thlr. Der höchste
Preis trat im September ein, denn von dieser Zeit an ward der Weizen mit 11 Thlr. das Korn mit 10 Thlr. die Gerste mit 7 Thlr. der
Scheffel Erdbirnen mit 2 Thlr. 16 Gr. bezahlt. Zu dieser Theurung trug zwar der geringe Gehalt des Geldes fieles bei,
allein der Hauptgrund davon lag in dem zurückgesetzten Ackerbau. Dem Landmann wurde sein Zugvieh weggenommen und
er mußte sich mehrentheils mit der Sommersaat begnügen lassen. Es entstand wirklicher Mangel an Weizen und Korn.
Fremdes Getreide mußte nach fremden Münzgehalte bezahlt werden.
Das Jahr 1763 fing sich mit erwünschten Hoffnungen auf einen bald zu erlangenden Frieden an. Er erschien, aber vorher mußte noch manches
Ungemach getragen werden. Den 2. Januar mußten die hiesigen Tuchmacher 2000 Ellen Tuch und 100 Ellen Unterfutter nach Leipzig liefern und die
Gerber die Wolle dazu hergeben. Der Rath in Leipzig hat jedoch diese Forderung nach der Zeit bezahlt. An dem
gedachten Tage sollten, um den Abtrag der Contributions-Reste zu beschleunigen, die beiden Bürgermeister Hoffmann
und Bothe in dem Hospital-Thore in engern Arrest gesetzt werden, aber aus schonender Nachsicht erhielten sie die
Erlaubniß, sich in dem nächsten Hause in der Oberstube einzumiethen. Den übrigen Rathspersonen und den mit ihnen auf
dem Rathhause sitzenden Bürgern ward den 18.Januar ebenfalls ein härteres Schicksal bereitet. Zeither hatten sie noch
die Erleichterung, auf Betten schlafen zu können, aber jetzt wurden ihnen auch diese entzogen, und nur ein hartes
Strohlager ward ihnen für ihre nächtliche Ruhe verstattet. Um nachzusehen, ob alles nach der Verfügung geschehen sei,
schickte den Tag darauf der Preußische General v. Lind seinen Secretär Jacobi von Meißen hierher, der noch härtere
Maaßregeln ergriff und mit dem Rathe aufs ärgste verfuhr. An andern Orten, z.B. in Strehla, Mühlberg und Belgern war
von der Schuldenlast ein Theil erlassen worden. Nur in Oschatz ward an keinen Nachlaß gedacht, vielmehr ward mit der
Plünderung gedroht und 6 Häuser wurden schon bestimmt, mit denen der Anfang gemacht werden sollte. Endlich ward das
Versprechen des Raths angenommen, die noch schuldigen 5000 Thlr. binnen 3 Tagen abzutragen und der Arrest hörte auf.
Am 5. Januar ward den Hausbesitzern angesagt, die Leitern zu verwahren, um die häufige Disertion der Soldaten zu
verhindern; und am 27. Januar mußten die Leitern jeder Art sogar vor die Hauptwache gebracht werden. Die
Kriegserpressungen hörten mit dem 10. Februar auf und die einfache Accise nahm mit dem 11, Februar wieder ihren
Anfang. Am 19. Februar ging der König von Preußen früh um 9 Uhr durch unsere Stadt und der Rath bezeugte ihm bei dem
Wechsel der Pferde seine Ergebenheit. Man kann nun von selbst leicht ermessen, daßdie Einwohner der Stadt die großen
Summen, die im Laufe dieses Krieges von ihnen verlangt wurden, aus ihren eignen Mitteln aufzubringen nicht im Stande
waren. Der Rath sah sich Thlr. daher genöthiget, im Namen der Commun verschiedene Kapitalien aufzunehmen, die nach und nach
wieder abgetragen wurden. Die letzten wurden durch den Ueberschuß einer hohen Orts unsrer Stadt concedirten Lotterie
im Jahre 1794 getilget. Im Jahr 1763 ward am 15. Februar der Friede zwischen Oestreich, Preußen und Sachsen zu
Hubertusburg unterzeichnet und den 1. März von den contrahirenden Mächten genehmigt. Der König von Preußen begab
sich nach Berlin zurück und in Sachsen ward den 21. März das Friedensfest gefeiert. In Oschatz ward es damit
folgendermaßen gehalten. Früh um 7 Uhr versammelten sich der Rath und die Bürger und zwar die letztern in schwarzen
Kleidern und Mänteln auf dem Rathhause, wo von dem Bürgermeister Hoffmann mit rührungsvollen Rückblicken auf die
Vergangenheit eine Rede, in der Sprache des Herzens gehalten und Gott für den geschenkten Frieden freudig gedankt
ward. Alsdann zogen die Geistlichen und Schullehrer nebst den Schulknaben und Mädchen, die mit Kränzen geschmückt
waren, in Procession auf den Markt, der Rath und die Bürgerschaft schlossen sich daselbst an und der Zug ging durch
das Kirchhofsthor in die Kirche. Unter dem Liede: Herr Gott, dich loben wir, ward von den dazu gewählten jungen
Bürgern, die sich auf dem Markte vor dem Rathhause aufgestellt hatten, eine dreimalige Salve gegeben. Um 12 Uhr
begann der Nachmittagsgottesdienst. Nach dem Beschluß deselben ging der Rath und die Bürgerschaft unter dem Schalle
musikalischer Instrumente in Procession aufs Rathhaus, wo in der Rathsstube in Gegenwart der Honoratioren und
der Bürger von dem Bürgermester Bothe eine der Feierlichkeit dieses Tages angemessene Rede gehalten ward. Hierauf
wurden von drei Schülern aus der ersten Classe der hiesigen Stadtschule, Johann Siegismund Nicolai, Gottfried
Ehregott Dippold und Carl Samuel Hoffmann, dem Herausgeber dieser historischen Beschreibung, auf die Friedensfeier
eingerichtete Reden gehalten, nach deren Beendigung der letztere noch in einer besondern in Deutschen Versen
abgefaßten Rede Abschied nahm, weil er sich den 7. April auf die Landesschule zu Meißen begeben wollte. Jeder von
den Viertelsmeistern und Ausschußpersonen erhielt von dem Rathe bei diesem Freudensfeste 1 Thlr. wovon sie sich bei
dem ältesten Viertelsmeister, dem Tuchhändler Frenkel eine Mahlzeit zubreiten ließen und die Bürgerschaft bekam zur
Ergötzlichkeit 3 Faß Bier und der Rath nebst den Honoratioren beschlossen die Feierlichkeit dieses Tages mit einem
Abendessen und einem Ball.
Am 16. April 1763 rückten 2 Compagnien von dem Sächsischen Infanterie-Regimente Prinz Karl, die zeither bei der französischen Armee gestanden
hatten, zur Garnison hier ein.
Eine der ersten Sorgen unseres Landesvaters, der den 30. April aus Polen, wo er sich den Krieg über aufgehalten hatte, nach Sachsen wieder
zurückkehrte, war nun dahin gerichtet, den Nachtheilen abzuhelfen, die das durch den Krieg eingebrachte schlechte, fremde und einheimische Geld
verursachte. Der König von Preußen hatte die Münzbeamten und Bedienten von der Churfürstlichen Münzstätte zu Dresden
entfernt, und einen neuen Münzmeister eingesetzt, der gar bald anfing, geringhaltige Münzsorten, theils unter
Königlich-Polnischem, theils unter Preußischem Bildniß und Wappen auszumünzen. Noch schlechter war die Münzstätte
zu Leipzig bestellt, wo sich die jüdischen Unternehmer Ephraim, Itzig und Compagnie, seit dem Ausbruche des Krieges
festgesetzt hatten und die bekannten sehr geringhaltigen Achtgroschenstücke (mit der betrügerischen Weise frühern
Jahreszahl 1753) oder Ephraimiten, wie sie in der Sprache des gemeinen Mannes genannt wurden, in großer Menge
ausprägten, welchem Beispiele auch andere Münzer in Deutschland nachfolgten. Durch eine allgemeine Verordnung von
14. März 1763 wurden die unter Lepziger Stempel geprägten Eindrittelstücken auf 3 Gr. herabgesetzt und die üblich
gewesene Interims-Scheidemünze völlig verrufen; gleiches Schicksal hatten auch bald die Drittel, die bis zum 15.
Mai 1764 in die Münze geliefert werden mußten.
Die im Jahre 1771 und 1772 nicht nur in Sachsen, sondern auch in andern Ländern herrschende große Theurung und Hungersnoth hatte auch auf den
Wohlstand der hiesigen Einwohner einen sehr nachtheiligen Einfluß. Die erste Veranlassung zu dieser Theurung gab der vom 19. bis 22. März 1770
gefallene sehr tiefe Schnee, der fast allenthalben die Wintersaat verdarb, und nebst der nassen Witterung, die im
Sommer darauf folgte, einen allgemeinen Mißwachs verursachte. Im Frühjahr des folgenden Jahres 1771 fiel den 18. und
19. März ebenfalls viel Schnee, der aber durch ein eingetretenes Thauwetter bald wieder verging. Den 26. und 27. März
fiel ein ungleich größerer Schnee, der an manchen Orten 3 bis 4 Ellen hoch lag, und in dieser Jahreszeit eine
seltene Erscheinung in unserer Gegend war. Alle Communications-Straßen wurden dadurch unwegsam gemacht. In Oschatz
ward der Mühlgraben davon so angefüllt, daß das Wasser in seinem Laufe gehindert ward. Die Einwohner wurden daher
aufgeboten, denselben überall auszuwerfen. Wäre dieser Schnee durch ein schnell eintretendes Thauwetter geschmolzen,
so würden große Wasserfluthen entstanden sein. Dies geschah zwar nicht, weil der Schnee von der Sonnenhitze nur nach
und nach verzehrt ward, aber er verdarb doch die Wintersaat. Die darauf im Sommer einfallende außerordentlich nasse
Witterung verursachte einen gänzlichen Mißwachs fast aller Getreidearten, und vermehrte die eingerissene Theurung und
Hungersnoth. Das Getreide, welches die Ueberschwemmungen verschonten, ward durch den vom 1. bis 5. Juli anhaltenden
Regen halb verdorben und nur mit vieler Mühe eingeerntet. Erst gegen den Herbst erfolgte anhaltende trockne Witterung
und der Acker konnte gehörig bestellt werden. Der Preis des Korns war im Juli 6 Thlr. 12 Gr.; es stieg bald darauf
auf 7, 8 und 9 Thlr. und war nicht einmal zu erlangen. Den 22. Juli fiel es zwar auf 4 Thlr. 12 Gr., stieg aber in
der Mitte des Augusts wieder auf 6 Thlr. im Anfange des Septembers auf 7 Thlr. 8 Gr. und im Anfange des Decembers
auf 8 Thlr. 12 Gr.
Mit diesen abwechselnden Preisen hatte es auch in dem folgenden Jahre 1772 seinen Fortgang. Am Ende des Januars ward der Scheffel Korn mit 7
Thlr. 12 Gr., die Gerste mit 6 Thlr. 12 Gr., der Hafer mit 3 Thlr., die Metze Erdbirnen mit 4 Gr., eine Kohlrübe mit 9 Pf. bezahlt. Im Monat März
steig das Korn auf 8 Thlr. 12 Gr., die Gerste auf 7 Thlr. Im Monat Juli galt ersteres 9 Thlr. 12 Gr. und letztere 8 Thlr. 4 Gr. Am Ende des Juli
sank der Preis auf 6 Thlr., weil die Ernte gesegnet war und nach derselben ward es nur mit 4 Thlr. bezahlt. Bei dieser Theurung stockte das
Gewerbe und die Zahl der Armen ward täglich größer. Da die gewöhnliche Einnahme der Almosen-Casse nicht hinreichte, den Bedürfnissen der
zahlreichen Armen nur einigermaßen abzuhelfen, so ward in der Stadt eine Suscription veranstaltet, welche so reichlich ausfiel, daß die
Nothleidenden besser bedacht und kräftiger unterstützt werden konnten. Daß in diesen Theurungsjahren der Kummer viele Einwohner frühzeitig ins
Grab gebracht habe, läßt sich aus dem Sterberegister schließen. Vorher war die Anzahl der Verstorbenen zwischen 60 und 90. Im Jahre
1772 als dm Jahre der höchsten Theurung stieg jene Zahl auf 132. Vergleicht man die beschriebene Theurung mit andern
theuren Jahren des 18. Jahrhunderts, so kommt ihr in Ansehung ihrer Allgemeinheit und der Höhe des Getreidepreises
keine gleich. Stellt man sie aber mit den theuren Zeiten, die im 15., 16. und 17. Jahrhundert da gewesen sind,
zusammen, so findet sich in Hinsicht auf die Preise, daß die Theurung im Jahre 1434, 1491, 1524, 1617, 1623 der in
den Jahren 1771 und 1772 gleich, ja wohl noch größer gewesen sind.
An dem Bayer'schen Erbfolgekriege, der im Jahre 1778 zum Ausbruch kam, sah sich auch Sachsen genöthigt Theil zu nehmen. der Churfürst von
Bayern, Maximilian Joseph, war dem 30. December 1777 ohne Nachkommen gestorben. Zu den erledigten Landen hatte der zeitherige Churfürst von der
Pfalz, Karl Theodor, das gegründetste Recht und nahm daher auch alsbald davon Besitz. Des verstorbenen Churfürsten von Bayern einzige Schwester,
die verwittwete Churfürstin von Sachsen, Maria Antonia aber war die nächste und einzige Allodial-Erbin und an ihrer Stelle unser König, der
damalige Churfürst Friedrich August III. dem sie ihre ganze Erbschaft förmlich abgetreten hatte. Allein der Wiener Hof machte auf die Bayer'sche
Allodial-Verlassenschaft auch Anspruch und ließ schon verschiedene Theile militärisch besetzen: Er behauptete, die Kaiserin Königin, Maria
Theresia, wäre die erste und älteste Regredienterbin der Verlassenschaft. Zwar hatte sich der Berliner Hof alle Mühe
gegeben, zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe und der Deutschen Reichsverfassung diese Succesions-Irrungen in Güte
beizulegen. Allein der Wiener Hof wollte seine Ansprüche nicht aufgeben. Daher griff Friedrich zu den Waffen und
Chursachsen konnte nicht anstehen, den angebotenen Beistand des Königs mit Vertrauen anzunehmen und seine Truppen
zu den Preußischen stoßen zu lassen. Der Prinz Heinrich übernahm selbst das Haupt-Comando über die Arme in unsrer
Gegend und öffnete sich ganz unvermuthet einen Weg nach Böhmen in den Leitmeritzer Kreis. Bei diesem Kriege stellte
im Anfange des Aprils das hiesige Amt 91 Pferde und 46 Stückknechte. Im Monat Mai ward auf eine Hufe 1½ Scheffel
Hafer, 1½ Ctn. Heu und 1 Schock Roggenschütten geliefert. Unsere Stadt schaffte 4 Rekruten. Den 13. Juni ward
wieder auf die Hufe ½ Scheffel Hafer, ½ Centner Heu und eine Madel Roggenschütten und zu Ausgange d.M. noch einmal
auf die Hufe 2 Centner Heu ausgeschrieben. Die Lieferung des ganzen Amtsbezirks ward hier in dem damaligen
Niedermalzhause und in der auf der Rittergasse befindlichen Scheune aufbewahrt. Den 6. Juli marschirten 7 Preußische
Regimenter durch die Stadt und Nachbarschaft. Ein Regiment aber blieb eine Nacht im Quartier hier liegen. Den Tag
darauf gingen gegen 100 Kanonen und Pulverwagen durch und zwei Tage hernach trafen 650 Preußische Bäckerei-Wagen,
denen einige Mannschaft des in Torgau stehenden Preußischen Füsselier-Regiments von Brizke zur Bedeckung diente, hier
ein und blieben eine Nacht auf der Viehweide. In den Monaten August, September und Oktober gingen öftere Transporte
von Wiedergenesenen aus dem Lazareth zu Torgau und Kaiserliche Kriegsgefangene hier durch; auch bekam unsere Stadt
einigemal Einquartierung von dem Freibataillon von Stein und von andern Preußischen Regimentern. Im Oktober wurden
auf die Hufe 2½ Scheffel Hafer, 1¾ Centner Heu und 10 Roggenschütten geliefert. Den 26. November rückte das erste
Bataillon des Füsselier-Regiments von Lettow, das der Oberste von Winterfeld commandirte, hier in das Winterquartier
ein. Das zweite Bataillon kam nach Lommatzsch. Im Monat December wurden auf die Hufe 6¾ Scheffel Hafer, 5 Centner 8
Pfund Heu und 10 Roggenschütten ausgeschrieben. Den 21. Januar 1779 kamen 200 Mann Rekruten, meist Polen, für das
hier im Quartier liegende Preußische Bataillon an. Den 22. Januar mußte auch das Amt und die Stadt Oschatz zusammen
19 Rekruten für die Sächsische Armee stellen. Der ganze Meißner Kreis lieferte sein Contingent hier ab. Am 1. Februar
marschirte der größte Theil der in Sachsen stehenden Preußischen Truppen, worunter sich auch das Regiment Lettow
befand, nach Böhmen, überfiel die Kaiserlichen in ihren Winterquartieren, und kam nach einer glücklichen Expedition
den 3. März wieder zurück. Die Gefangenen, die man gemacht, und die Kanonen, die man erobert hatte, gingen theils
durch unsere Stadt, theils durch Strehla. So trübe auch die Aussichten bei diesem Kriege waren, so ward er doch durch
den Friedensschluß zu Teschen am 13. Mai 1779 zum Vortheile Sachsens, das 6 Millionen Gulden für die Bayer'sche
Allodial-Erbschaft von Churpfalz in festgesetzten Termin erhielt, geendigt. Die Preußische Winter-Garnison marschirte
den 18. Mai wieder von hier ab in ihr Stand-Quartier zu Berlin. Darauf erfolgten Durchmärsche von verschiedenen
Preußischen Regimentern. Das Kalksteinische Infanterie-Regiment kam den 27. Mai allhier ins Quartier und hielt
Rasttag. Den 30. Mai rückte das zweite Bataillon vom Sächsischen Infanterie-Regimente Prinz Karl in sein
Stand-Quartier hier ein. Das Friedensfest ward hier und im ganzen Lande den 6. Juni gefeiert, und dabei eine Collecte
für die Grenzörter gesammelt, die in dem geendigten Kriege am meisten gelitten hatten. Durch die 6 Millionen Gulden,
die Sachsen im Teschner Frieden erhielt, kam eine große Summe Geld in Umlauf und der Wohlstand unseres Vaterlandes
und mit demselben der auch in unserer Stadt stieg von dieser Zeit an immer höher.
Im August 1790 mitten in der Ernte, entstanden unter den Landsleuten in der Meißner, Lommatzscher und Oschatzer Gegend einige unruhige
Bewegungen wider ihre Guts- und Gerichtsherrschaften. Eigenmächtig entzogen sie sich ihrer Unterthanenpflicht, und drangen mit gewaffneter Hand
auf Vernichtung des Rechtsverhältnisses, worin sie zu ihrer Gutsherrschaft standen. Hier und da ließen sie sich persönliche Mißhandlungen
und strafbare Ungebührnisse zu Schulden kommen. Der Freiheitstaumel, der sich damals aus einem entfernten Lande bis
nach Sachsen verbreitet hatte, das Lesen solcher Schriften, die das Lieblings-Thema: Freiheit und Gleichheit mit
einseitiger Beredtsamkeit abhandelten, Unwissenheit in Rücksicht des Ursprungs der Rittergutsrechte, irrige Meinungen
und Vorurtheile in Ansehung des gegenseitigen Verhältnisses der verschiedenen Stände, alt Beschwerden, namentlich die
Beziehung auf Schafhütung, Triftgerechtigkeit, Hofdienste und Zinsen, die theils ungegründet, theil übertrieben
waren, boshafte Aufmunterung fremder Landstreicher und leidenschaftlicher Menschen, die von innerlichen Unruhen
Gewinn zu ziehen suchten, waren wohl die Hauptursachen, welche jene seltsamen Auftritte veranlaßten. Zu diesen allen
kam noch die eigene Noth und der große Futtermangel. Schon im Jahre 1789 war die Ernte in den Gegenden, wo die
Unruhen ausbrachen, sehr mittelmäßig ausgefallen. Das darauf folgende Jahr 1790 war noch weniger fruchtbar. Ueberall
fehlte es an Regen und Wasser. Viele waren gezwungen, aus Futtermangel, die Hälfte ihres Viehes abzuschaffen und
verloren dadurch einen großen Theil ihrer bisherigen Einnahme. Zu keiner Zeit fielen daher den Landbewohnern die zu
leistenden Hof- und Frohndienste und die zu entrichtenden Zinsen an Geld oder Früchten so beschwerlich, als in
diesem trockenen Jahre. Zu keiner Zeit war ihnen das Abhüten ihrer Felder von dem herrschaftlichen Viehe so
empfindlich, als jetzt. Die Landesregierung erließ anfangs nur an einige Beamte des Meißner Kreises unterm 18.
August, alsdann aber unterm 21. August an alle Beamte des Meißner, Gebirgischen und Leipziger Kreises ein den
Umständen angemessenes Rescript. Schon den 14. August erhielt der Beamte in Oschatz Befehl, mit hinlänglicher
Amtsfolge, auch Zuziehung der Miliz nach Pinnewitz über Lommatzsch sich zu begeben und den dasigen Richter, der die
Unterthanen gegen die Herrschaft aufgewiegelt hatte, zu arritiren. Die Expedition ward noch an demselben Tage Abends
vorgenommen. Der Beamte hielt es jedoch, da sich gegen 600 Personen von andern Orten in Pinnewitz versammelt hatten,
der Klugheit gemäß wieder zurückzukehren. Ich übergehe hier die tumultuarischen Auftritte anderer Gegenden
4)
und schränke mich nur auf die ein, die in der Oschatzer Gegend vorfielen. Nach dem schriftlichen Aufsatze eines Augenzeugen bestanden sie in
Folgendem. Den 19. August und die folgenden Tage sagten die Unterthanen ihren Herrschaften alle Dienste, Zinsen und Obliegenheiten auf. Schnell
wurden die beurlaubten der hiesigen Garnison einberufen, die Wachen verstärkt, alle Thore besetzt, und Patrouillen gingen durch die Gassen der
Stadt stets auf und ab. Den 26. August und nachher schlugen sich die Unterthanen von mehrern Gerichten zusammen, zwangen die
Gerichtsherrschaften, allen Diensten, Zinsen und andern Gerechtigkeiten zu entsagen, auch Grundstücke, Geldstrafen
und Unkosten zurückzugeben. An die meisten Orte ward von den Tumultuanten ein reitender Bote gesandt, worau die
Gemeinden zusammen kamen, die Rittergüter besetzten, die anwesenden Herrschaften, zum Theil unter freiem Himmel,
nöthigten, die vorgelegten Punkte zu unterschreiben, an manchen Orten auch zu beschwören. Der letzte Punkt war
gemeiniglich, daß die Herrschaften die bewilligten Punkte hohen Orts confirmiren lassen sollten, weshalb sie nach
Dresden reisen mußten, wohin die Dörfer ihre Deputirten sandten. Die Unterthanen fremder Gerichte waren bei den
verübten Ungebührnissen immer die schlimmsten; sie mißhandelten die anwesenden Herrschaften und ihre Diener,
droheten auch den abwesenden Herrschaften, wenn sie sich nicht binnen kurzer Zeit stellen würden, ihre Güter zu
beschädigen und niederzureißen. Die meisten Landbewohner wurden von den Aufwieglern durch Schläge und durch die
Drohung, daß im Weigerungsfalle ihre Güter verwüstet werden würden, gezwungen, an diesen Unruhen Theil zu nehmen.
Den 26. August wurden alle Thore hiesiger Stadt von innen und außen besetzt, am Tage gingen Patrouillen herum, und
des Nachts wurden die Pickets verdoppelt und das Militär bekam Befehl, scharf zu laden. Den 28. August wurden die
Thore mit Officiers-Wachen besetzt, und das Altoschatzer- und Hospital-Thor bis früh um 10 Uhr verschlossen
gehalten, weil Markttag war, welcher jedoch ziemlich stark besucht ward. Noch an diesem Tage rückte in der dritten
Nachmittagsstunde 1 Lieutenant mit 40 Mann von der hiesigen Garnison aus, um die Publikation des unterm 26. August
ergangenen Patents wider den Aufruhr in dem nahe liegenden Dorfe Schmorkau vollziehen zu helfen. Die Miliz postirte
sich am Kaiserwege an den Gorauer Feldern, marschirte alsdann, bei dem Ausrücken des ebenfalls aus 40 Mann Cürassiren
vom Leibregiment bestehenden Commandos, bis an den nach Schmorkau führenden Furth. Die Einwohner dieses Dorfs
erschienen auf Erfordern auf den Stadtfeldern, wo die Infanterie und hinter ihr die Cavallerie aufgestellt war.
Hierauf publicirte der Hofrath von Brand das Patent, empfing von jedem Einwohner mit dem Handschlage die Versicherung,
demselben genau nachzukommen und ließ zwei der Schuldigsten arritiren. An diesem Tage wurden sämmtliche bisher in der
Vorstadt liegende Soldaten in der Stadt selbst einquartirt, nachdem sie bereits den 26. August die ganze Nacht
hindurch unter freiem Himmel vor dem Quartier ihres Hauptmanns hattes zubringen müssen. Den 27. August ward ihnen
jedoch gestattet, sich in einige nahe Häuser zu begeben und daselbst beisammen zu bleiben. Den 29. August ward den
Unterthanen von Borna, Bornitz und Wellerswalda, den 1. September den Unterthanen von Großböhla, Dahlen, Kötitz
Lampertswalda und Luppa, den 2. September den Unterthanen von Altoschatz, Gröppendorf, Naundorf,Leuben und Casabra,
und noch an demselben Tage auch den Unterthanen von Grubnitz, Ragewitz, Hof, Zöschau und Hahnefeld das Tumult-Mandat
vorgelesen und einige Anführer unter den Tumultuanten wurden arritirt. Nachdem noch verschiedene Arestanten
eingebracht und zur Verwahrung, theils in das Kreisamt Meißen, theils ins Zuchthaus nach Torgau geschafft worden
waren, so ward den 17. September die bisher aus 70 Mann bestehende täglich Wache in hiesiger Stadt auf den vorigen
Fuß gesetzt und das Strehlaische und Altoschatzer Thor ohne Wache gelassen, doch wurden den 1. Oktober auf Befehl
des General-Inspecteur von Lind beide Thore wegen besorglichen Herumstreifens verdächtiger Personen, wieder besetzt,
auch erhielt den 5. Oktober die hiesige Garnison Ordre, beständig 1 Capitän. 2 Lieutenants, 2 Tambours und 60 Mann
in Bereitschaft zu halten, um auf den ersten Wink ausrücken zu können. Den 7. Oktober wurden indessen die Wachen
im Strehlaischen und Altoschatzer Thor wieder eingezogen, da keine bedenklichen Bewegungen in der Gegend mehr
wahrgenommen wurden.
Der Deutsche Reichskrieg, der seit dem Jahre 1793 gegen Frankreich geführt ward,und wozu Sachsen 6000 Mann Contingent stellte, was für Oschatz
nur in sofern geradezu fühlbar, als es 1 Knecht und 3 Pferde aufbringen mußte. Fühlbarer ward er jedoch, als am 19. Januar 1795 die hiesige
Garnison bei einem tiefen Schnee und einer großen Kälte an den Rhein marschiren und den folgenden 22. Februar das hiesige Amt 11 Stückknechte
und 22 Stück Pferde, davon auf die Stadt 1 Knecht und 1 Pferd kam, stellen mußte. Der 8. November 1795 brachte
indessen unsere Garnison aus den Rheingegenden wieder in unsre Mitte zurück.
Im Jahre 1805 entstand eine große Theurung, welche außer andern Orten auch Oschatz empfindlich drückte. Die Wintersaat, die den Herbst vorher
bei großer Nässe geschehen war, ward im folgendem Frühjahre durch späte Schneewasser verdorben. Dies gab leine
erfreuliche Aussicht auf die künftige Ernte. Daher kam es, daß vom Monat Mai bis in den Monat Juli das Korn nach und
nach von 7 bis 12 Thlr., die Gerste von 5 auf 8 Thlr., der Hafer von 3 auf 4 Thlr. 12 Gr. und die Kanne Butter von
10 auf 16 Gr. und nach der Ernte bis auf 18 und 20 Gr. stieg. Nicht nur der hiesige Rath ließ Brod backen und
verkaufte es um einen geringen Preis an die Nothleidenden, sondern auch mehrere edle Menschenfreunde in der Nähe
unterstützten auf eine gleiche Art die hiesige Armuth. Die milden Gaben an Brod und andern Lebensmitteln, welche die
Rittergüter Bornitz, Zöschau, Altoschatz, Schweta, das Berggut in Altoschatz und der Rittergutspachter in Grubnitz
Johann Gottlieb Lehmann, edelmüthig spendeten, werden und müssen Oschatz stets im dankbaren Andenken bleiben. Die
eingetretene Ernte verminderte jedoch den Getreidepreis. Wenn man diese Theurung mit der im Jahre 1771 und 1772
vergleicht, so findet sich zwischen beiden folgender Unterschied. In jener war fast alle Thätigkeit gehemmt. der
Felbesitzende Bürger konnte keine Abreiter brauchen, weil er wegen des Mißwachses das nöthige Brod meistens selbst
kaufen mußte, das Arbeitslohn war äußerst niedrig und blieb es auch während der schnell eingetretenen Theurung, viele
Menschen erhielten nicht einmal für bloße Kost die gewünschte Beschäftigung, und Keiner konnte aus eignem Mangel den
andern unterstützen. In dem Theurungsjahre 1805 aber blühte die Nahrung, die Thätigkeit hörte nicht auf, Arbeiter
wurden überall gesucht, das Arbeitslohn stieg um einen großen Theil höher, so daß es mit den steigenden Preisen der
Lebensbedürfnisse einen, wenn auch nicht ganz gleichen, doch verhältnismäßigeren Schritt hielt, und es fehlte unsren
Armen, wie ich nur gemeldet habe, nicht an Unterstützung aus der Stadt und vom Lande. Als im Jahre 1806 ein Krieg
zwischen Frankreich und Preußen ausbrach, so sah sich Sachsen, vermöge eines Vertrags, genöthigt, seine Armee zu der
Preußischen stoßen zu lassen. Dieser Krieg dauerte zwar für Sachsen nur bis zu der am 14. Oktober d.J. bei Jena und
Auerstädt vorgefallenen höchst denkwürdigen Schlacht, nach welcher sogleich ein Separat-Friede geschlossen ward.
Allein außer der Zahlung einer starken Contribution litt unser Land an mehrern Orten sehr viel durch häufige
Durchmärsche und mannichfaltige Transportirungen. Auch Oschatz fühlte diese Beschwerden eine längere Zeit in keinem
geringen Grade. Das Dankfest für den zwischen Frankreich und Sachsen wieder hergestellten Frieden ward in Oschatz,
wie anderwärts, am 8. Februar 1807 als am Sonntage Estomihi gefeiert.
Als Mitglied des Rheinbundes nahm unser König an dem Kriege Theil, der im Jahre 1809 zwischen den Kaisern von Frankreich und Oestreich
entstand. Die Sächsische Armee vereinigte sich mit dem Französischen Kriegsheere, und drang mit demselben bis Wien vor. Mittlerweile, da unser
Land fast ganz von Truppen entblößt war, rückte am 11. Juni Abends gegen 5 Uhr ein feindliches Corps Oestreicher und Braunschweiger, angeblich
12000 Mann stark, in Dresden ein. Ungefähr 6 bis 8000 Mann von diesem Corps, ganz genau hat man die Anzahl nicht erfahren können, zogen sich,
unter den Befehlen des Herzogs von Braunschweig-Oels und des Oestreichischen Generals an Ende den 14. Juni nach Meißen herab, und beunruhigten von
da aus die Gegend durch einzelne Streifzüge. Vierzig Husaren streiften den 16. Juni Vormittags gegen 10 Uhr bis nach Oschatz, verschlossen die
Thore, nahmen die Königlichen Kassen in Beschlag und zogen nach eingenommenem Frühstück gegen 12 Uhr weiter fort nach Dahlen, Schilda, Torgau und
andere Orte. Das Haupt-Corps erreichte den folgenden 20. Juni unsere Stadt, in welcher es sich, so wie in den Vorstädten größtentheils
einquartirte, auch lagerte sich ein Theil der Landwehr auf den Gassen und Märkten. Der Herzog von Braunschweig-Oels
nahm sein Quartier auf dem Herrn-Hofe in Altoschatz. Die nächsten Dorfschaften lieferten Fleisch, Brod, Bier und
andere Lebensmittel. Das war das erste Mal, daß wir im Laufe der bisherigen kriegerischen Jahre Feinde in unserer
Mitte sahen. Ob sie sich gleich keine Gewaltthätigkeiten zu Schulden kommen ließen, so weckte doch ihre
Erscheinung bei jedem Nachdenkenden manche bange Ahnung. Den Tag darauf zogen sie früh um 9 Uhr von hier nach Grimma
und Leipzig, kamen aber, von den Sachsen und Westphälingern gedrängt, bereits den 25. Juni (es war der 4. Sonntag
nach Trinitatis) von daher über Grimma und Wermsdorf zurück, gingen auf der Poststraße in den Frühstunden des 26.
Juni nach Stauchitz, wo sie auf der Morgenseite des Dorfes ein Lager schlugen, das sie am folgenden Morgen früh
gegen 3 Uhr wieder verließen und ihren Weg nach Nossen nahmen. In diesen Tagen großer Unruhe und Besorgniß war die
hiesige Obrigkeit rastlos bemüht, den Einwohnern die lastende Bürde, so viel es die Umstände verstatteten, zu
erleichtern und alles, was in ihren Kräften stand, zur Erhaltung guter Ordnung beizutragen. Diesen rühmlichen Eifer
hat auch die hiesige Bürgerschaft dankbar anerkannt und davon bei vorkommender Gelegenheit die für ihre Gesinnungen
ehrenvollsten Zeugnise öffentlich abgelegt. Die edlen Gefühle einer dankbaren Rührung sprach sie durch ihre
Repräsentanten unter anderm in einem Gedicht deutlich aus, das sie dem verdienstvollen Bürgermeister Atenstädt am 3.
Januar 1811 überreichte, als er im Begriff war, von hier nach Dresden abzureisen, um als Deputirter der Stadt an den
Berathschlagungen einer Landesversammlung Antheil zu nehmen. Allein wie könnte ich hier, ohne der Wahrheit und den
Gefühlen meines eigenen Herzens zu nahe zu treten, die vielfachen Verdienst mit Stillschweigen übergehen, die sich
ein großmüthiger Menschen- und Bürgerfreund, der Hauptmann von Boblik auf Zöschau, wie bei andrer Gelegenheit, so
auch vorzüglich in jener unruhigen Periode um unsere Stadt erworben hat! Mit seltener Umsicht und Gewandheit, mit
brennendem Eifer und mit einer Thätigkeit, die selbst die eigene körperliche Ruhe aufopferte, besorgte der Edle die
Leitung des feindlichen Corps und die Befriedigung seiner Bedürfnisse also, daß die öffentliche Ruhe, Ordnung und
Sicherheit nicht im mindestens gefährdet wurden. Seinen Verdiensten, denen der hiesige Rath sowohl, als die
Bürgerschaft schon bei mehrern Gelegenheiten öffentlich die Gerechtigkeit, welche die Dankbarkeit fordert,
widerfahren ließ, sei auch hier mit bescheidener Hand das schuldige Denkmal errichtet! Noch bei einer späten
Nachwelt glänze der edle Name Boblik in der ehrenvollen Reihe hochachtungswürdiger Männer, die durch wirkliche
Verdienste unserer Stadt unvergeßlich geworden sind! Als der Friede zwischen Frankreich und Oestreich am 14.
Oktober geschlossen worden war, so ward das Dankfest den 5. November am 23. Sonntage nach Trinitatis bei uns
gefeiert. Am Morgen versammelten sich sämmtliche Mitglieder des Raths, die Geistlichkeit, die Viertelsmeister und
Ausschußpersonen auf dem Rathhause. Die Lehrer in der Knaben- und den Mädchenschulen erschienen daselbst in einem
paarweise geordnetem Zuge, die Mädchen größtentheils weiß gekleidet und mit Kränzen geschmückt. Von hier aus ging
der Zug auf den Hauptmarkt, wo Knaben und Mädchen einen Kreis bildeten, welcher die übrigen zur Procession gehörigen
Personen umschloß. Von der ganzen Versammlung ward das dritte Lied des neuen Dresdener Gesangbuches angestimmt,
welches alle Herzen mit frommer Empfindung erfüllte und auf die Feier diese Tages vorbereitete. Hierauf ging der
Zug in der nämlichen Ordnung, wie zuvor, in die Kirche. Der erste und hochverdiente Lehrer unserer Kirche sprach
knieend vor dem Altar aus der Fülle seines gerührten Herzens ein Dankgebet mit der ihm eigenen Salbung, und ein
von demselben verfaßter Wechselgesang ward vor der Predigt abgesungen. Nach geendigtem Gottesdienste zogen die zur
Procession gehörenden Personen in der vorigen Ordnung, unter dem Geläute der Glocken, auf den Markt, sangen das
Lied: Nun danket alle Gott, und gingen sodann wieder aufs Rathhaus, wo sich diese Feierlichkeit endigte. Auch der
Nachmittagsgottesdienst ward, ob er gleich von seiner gewöhnlichen Form nicht abwich, mit Gesängen und einer
Predigt, die sich auf dieses Fest bezogen, gefeiert. An dem Tage, da unserer Garnison wieder einrückte, empfing sie
unsere Schützen-Compagnie bei Wolkens Weinberge und begleitete sie bis auf den Markt. Einige Tage darauf ward von
den Mitgliedern des Raths dem zurückgekehrten Militär ein ehrenvolles Mittagsmahl zubereitet, woran auch die
Honoratioren der Stadt Theil nahmen, und Abends ward dieser frohe Tag mit einem Ball beschlossen.
Den nachtheiligen Einfluß, den die Kriege von 1806 bis hierher auf den Wohlstand unseres Landes überhaupt gehabt haben, spüret man auch
insbesondere in unserer Stadt. Die Kaufpreise der Feldgrundstücke und Häuser, die vorher 2 bis 3 mal höher als bei unsrer Väter Zeiten, gestiegen
waren, sind bedeutend gefallen und die Klage über Verminderung des Erwerbs und über Stockung des Handels ist allgemeiner.
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1) Der Rath nahm am 4. September dieses Jahres einen eigenen Pestprediger Ge. Andre Starke, aus Torgau gebürtig, an, und versprach ihm in der
ausgefertigten Vocation, nicht nur 60 Fl. Besoldung auf dem hiesigen Kirchen-Aerarium nebts freier Wohnung in dem Hause, das an dem noch jetzt
vorhandenen Kreuzgange im Kloster nach der Brüdergasse heraus befindlich ist, sondern auch 4 Klaftern Scheite und 10 Schock Reißholz aus dem
Aerarien-Holze, das ihm, wie den übrigen hiesigen Geistlichen unentgeldlich angefahren werden sollte. Dies alles, ward ihm weiter versprochen,
sollte er, auch wenn die Seuche aufhöre, so lange genießen, bis er hier oder an einem andern Orte mit einem Pfarr- oder Schuldienste versorgt
würde. Sollte er während der Dienstzeit sterben, so habe seine Wittwe in dem Jahre seines Todes den völligen Genuß seiner Einkünfte zu hoffen.
Dabei aber verlangte der Rath, daß er sich in Lehre und Leben seinem Berufe gemäß verhielt, die Kranken gehörig tröste, den wegen der Pest
angestellten Personen, worunter sich auch ein besonderer Pestbarbier befand, wöchentlich und zwar Sonntags oder längstens in 14 Tagen einmal
entweder im Garten des Lazareths, oder sonst an einem der Jahreszeit angemessenen Orte, über das gewöhnliche Evangelium eine Predigt halte und
ihnen auf Verlangen das Abendmahl reiche. Starke ward den 29. September dieses Jahres von dem Superintendenten D. Rehbold nach der Frühpredigt und
Communion ordinirt und 1681 vom Rathe zum Quartus-Dienste an hiesiger Stadtschule vocirt.
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2) Lehmanns Schauplatz des Obererzgebirges, S. 978
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3) Mehrere Nachricht von diesem Treffen geben die zu Danzig herausgekommenen Beitäge zur neuern Staats- und Kriegsgeschichte, B. XI S. 15 bis 17
und S. 356 bis 358 desgleichen S. 581 bis 588.
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4) Wer eine umständliche Beschreibung dieser Unruhen zu lesen wünscht, den verweise ich auf Friedrich Ernst von Liebenroth, Premierlieutenant des
Infanterie-Regiments Prinz Clemens Fragmente aus seinem Tagebuche, insbesondere die Sächsischen Bauernunruhen betreffend. Dresden und Leipzig
1791. Sammlung 2, S. 139 bis 309.
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