Oschatz damals | Geschichte(n)  | Kirchengalerie



Es folgen Ausschnitte - begrenzt auf die Stadt Oschatz in ihren heutigen Grenzen.

Altoschatz, Leuben, Limbach, Lonnewitz, Merkwitz, Schmorkau, Zöschau, Oschatz

Um eine bessere Lesbarkeit zu erreichen, habe ich den Text orthographisch den neuen
Regeln angepasst, ansonsten ist der Originalwortlaut erhalten geblieben.

Das Filialkirchdorf Alt-Oschatz liegt südlich von Oschatz eine Viertelstunde von dieser Stadt entfernt, gleich wie das angrenzende eingepfarrte Dorf Rosenthal in einem von dem Döllnitzbach, in welchen sich hier der Stranggraben, ein von Abend aus dem Wermsdorfer Walde kommendes Gewässer ergießt, durchflossenem Tal höchst angenehm.
Nach M. Hoffmanns historischer Beschreibung der Stadt, des Amtes Oschatz, ist Alt-Oschatz auch oft früher Alten-Oschatz genannt, ein von den Daleminziern erbautes Dorf, dem sie den Namen Ozzek beilegten, der aber von den Deutschen, nach Erbauung der Stadt Oschatz, die auch Ozzek hieß, in Aldinozzek verwandelt wurde. Da nun Ozzek in der wendischen Sprache „Espe“ heißen soll, so sind mutmaßlich in der hiesigen Gegend viele solche Bäume anzutreffen gewesen, von welchen die genannten Orte die Namen empfangen haben.
Die bestimmte Zeit der Gründung des Orts kann wegen der dem Konzipienten hierüber mangelnden Nachrichten nicht angegeben werden. Nur das fand ich aus der frühesten Zeit angemerkt, dass im Dreißigjährigen Krieg die Kirche in Alt-Oschatz durch Plünderung ihre beiden Kelche eingebüßt habe. Von den früheren Schicksalen des Dorfes Alt-Oschatz sowie sämtlicher dahin eingepfarrten Ortschaften ist mir nichts weiter bekannt, als dass die Bewohner in der Nähe der Stadt Oschatz und der Post- Land- und Heerstraßen hiesiger Gegend in den Kriegsjahren 1806 - 1813 durch Plünderungen viel gelitten haben. In den Jahren 1813 und 1814 hat der Typhus viele Einwohner aus Alt-Oschatz und der ganzen Kirchfahrt dahingerafft.– Ob in noch früherer Zeit die Pest und andere ansteckende Krankheiten hier auch gewütet haben, lässt sich wegen Mangel an Nachrichten nicht behaupten. Von Feuersbrünsten ist Altoschatz in früherer sowie in der neusten Zeit oft heimgesucht worden. Am 5. April 1696 brannte das Pfarrgut ab, den 19. April desselben Jahres, am Sonntag Miser.Dom. kam vormittags in einem Hause Feuer aus, welches die Schenke, die Schäferwohnung, den Schafstall und die herrschaftliche steinerne Scheune in Asche legte. Am 21. Juli 1783 wurde durch Einschlagen des Blitzes die Schule in Asche gelegt. In der Nacht des 31. Juli 1826 brannten die Scheune und das Wirtschaftsgebäude des Rittergutes Alt-Oschatz nebst noch drei Häusern im Dorfe ab. Desgleichen wurden durch Feuersbrünste den 8. Mai 1831 zwei Gärtnernahrungen, den 10. April 1831 eine Gärtnernahrung, ferner zwei Häuser den 31. Oktober 1831 und den 9. März 1832 die Alt-Oschatzer schon im vorigen Jahrhundert einmal abgebrannte Mühle bis auf das Wohnhaus in Asche gelegt. Das fürchterliche Hagelwetter am 3. Juli 1827 ging auch nicht ohne Schaden an Feldern und Gebäuden an Alt-Oschatz vorüber.
Das hiesige Rittergut bestand ehedem aus zwei Vorwerken, wie sie noch in Handschriften des 16. Jahrhunderts häufig genannt werden. Die Gebäude des einen standen da, wo sich jetzt der eigentliche Herrenhof befindet. Die Gebäude des anderen Vorwerks machen das jetzige Schäfereigut aus. Beide Vorwerke wurden 1679 unter dem Amtsvoigt Höppner vereinigt und werden seitdem unter dem Namen des Ritterguts Alt-Oschatz begriffen. Dem Rittergut stehen die Erbgerichte über Alt-Oschatz, Rosenthal und Kleinerforst, dem Königlichen Justizamt in Oschatz hingegen die Obergerichte über die genannten Orte zu.
Des Ritterguts früheres Herrenhaus, errichtet im Jahre 1745 ist jetzt Pächterwohnung und Wirtschaftsgebäude. Nach dem oben erwähnten Brand ist auf einer Stelle des früheren Wirtschaftsgebäudes eine geschmackvolle herrschaftliche Wohnung nebst Wirtschaftsgebäuden und Scheune erbaut worden in den Jahren 1826 und 1827. – Der erste bekannte Besitzer des Ritterguts Alt-Oschatz ist Heinrich von Czichow-Zeicha. – Baltharsar von Czichow um 1408. – Hans von Nossen um 1511. – dessen Sohn Langlauf von Nossen um 1533. – Hans von Nossen um 1558. – Balthasar von Nitzschwitz um 1566. – Ambrosius von Nossen um 1586. Er starb den 17. Oktober 1632 im 93. Jahre seines Alters zu Oschatz, wohin er sich wegen der damaligen Kriegsunruhen zurückgezogen hatte und wurde in der dortigen Klosterkirche begraben. – Hans Georg von Nossen um 1629, Käufer des Alt-Oschatzer Pfarrfeldes. – Georg Ernst von Nossen, gest. den 30. Mai 1641. Nach seinem Ableben fiel das im Dreißigjährigen Krieg verwüstete und abgebrannte Rittergut an den Landesherren und wurde ein Kammergut, da aber, aus den eben angeführten Ursachen, dafür jährlich nicht mehr als 32 Fl. Pachtgeld erlangt werden konnte, so wurde es 1652 öffentlich zum Verkauf ausgeboten, wo es von Katharina von Schleinitz, geb. von der Pforte, Hans Dietrichs von Schleinitz, auf Seerhausen, Gemahlin, für 2000 Fl. erstanden wurde. Sie besaß es noch 1657. – Andreas Dietrich von Schleinitz, auf Mautitz von 1660 bis 1678. Er erschoss sich am 23. Oktober unversehens, als er mit einer geladenen Flinte vom Felde nach Hause ging und unterwegs etwas aufheben wollte. Johann Heinrich Höppner, Amtsvoigt und Kammerkommissar in Oschatz von 1678, gestorben 1691. Er brachte den anderen Teil von Alt-Oschatz, das Vorwerk oder sogenannte Schäfereigut, im Jahre 1679 käuflich von den größeren Kirchen-Aerarium zu Oschatz an sich und vereinigte es mit dem Rittergut. 1680 gelangten die acht Untertanen in Rosenthal, die vorher zu Georgenhospital in Oschatz gehört hatten, unter seine Gerichtsbarkeit. – D.J. Friedlich Höppner, des vorhergehenden mittelsten Sohn, gestorben in Oschatz 1704. Nach seinem Tode bewirtschaftete seine Witwe Charlotte Elisabeth, geborene Zapfe das Gut. Am 12. Februar 1715 nach Mittag wurde noch bei ihrem Leben das Herrenhaus (nämlich das frühere, siehe oben) nebst der Scheune von einem heftigen Sturmwinde umgeworfen und von ihr in der jetzigen Verfassung wieder aufgebaut. – Johann Gottfried Heuer, bisheriger Pächter des Rittergutes Mutzschen, um 1743. – Christian Gottlieb Steiger um 1770, der sich späterhin auf das von ihm erkaufte Rittergut Mannschatz wendete. Gegenwärtiger Besitzer: Johann August Oehmichen seit 1826.
Das Dorf besteht größtenteils aus Gehöften und Häusern, die mit Stroh gedeckt sind. Unter den aus der Asche neu hervorgegangenen Gebäuden möchten wohl die der Mühle zu bemerken sein. Nebst der Landwirtschaft, welche hier mit der Mühle und den Gärtnernahrungen und einigen Häusern verbunden ist, sind ferner eine Schmiede, eine Wagnerwerkstätte, Maurer, Zimmerleute, einige Schneider und Tagearbeiter.
Von der Zeit der Erbauung der jetzigen Filialkirche zu Alt-Oschatz, die früher wohl Kapelle gewesen, aber schon 1330 eine Pfarrkirche genannt wird, weiß Konzipient wegen ihm mangelnden Nachrichten ebenfalls nichts zu sagen. Im Jahre 1540, bei Gelegenheit der 2. General-Visitation, wo in der Oschatzer Diözese mehrere Änderungen hinsichtlich der Parochialverhältnisse vorgenommen, mehrere Pfarreien zusammengeschlagen, Pfarr- zu Filial-, Filial- zu Pfarrkirchen gemacht worden, wurde auch die Pfarre und Kirche in Alt-Oschatz mit aller Nutzung, die der Rat oder Kastenherren zur Unterhaltung der Kirchendiener einnehmen sollten, mit der Oschatzer Pfarrkirche vereinigt. Dagegen war der Pfarrer und Superintendent zu Oschatz schuldig, alle 14 Tage in Alt-Oschatz eine Predigt zu bestellen und wenn Leute vorhanden waren, Kommunion halten zu lassen. Wo die Eingepfarrten am nächsten hätten, sollten sie taufen lassen. Das Begräbnis sollte aber zu Alt-Oschatz verbleiben. Diese Errichtung dauerte jedoch nicht lange, denn 1555 war Alt-Oschatz schon das Filial von Merkwitz. – Im Jahre 1745 ließ der Viertelhüfner Caspar Höppe zu Kreischa die untere Emporkirche auf der Mitternachtsseite der Kirche restaurieren. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde die herrschaftliche Emporkirche, auf der Mittagsseite, in der letzten Jahreszeit des letzten Jahres die zum Berggut in Rosenthal gehörige Betstube auf der Mitternachtsseite der Kirche letztere Betstube von dem Berggutsbesitzer Kleeberg erbaut. Im Jahr 1810 ist der Turm der Kirche zu Alt-Oschatz repariert und am 26. September vorigen Jahres mit einer neuen Fahne versehen worden, da vorher niemals eine darauf gewesen. Dieser Bau, die Kosten sind nicht aufzufinden gewesen und von dem Zimmermeister Christian Gottlieb Ackermann zu Oschatz vollbracht worden, ist größtenteils von der hiesigen Kirchfahrt aus ihren eigenen Mitteln bestritten, das Geld nach den Hufen ausgebracht und nur 15 Thaler aus dem Kirchenvermögen von der Kircheninspektion zu diesem Bau bewilligt worden. Die schriftlichen Nachrichten über den nur gedachten Turmbau samt den Namen der damals lebenden Kircheninspektoren des Superintendenten D. Steigert, des Gerichtsdirektors Hübner in Alt-Oschatz, des Gerichtsdirektors in Saalhausen und Kreischa Hübner der Ält., des Pfarrers Gehe, des Schullehrers Leuschner, des Gerichtsherren Steiger auf Alt-Oschatz, des Berggutbesitzers Eulitz in Rosenthal, des Freigutbesitzers Augustin Alberti in Striesa, der Kirchväter und resp. Bauvorstehern Thomaß in Thalheim und Horst in Rosenthal sind in dem Turmknopfe liedergelegt worden. Im Jahr 1819 wurde auf der Mitternachtsseite der Kirche über der unteren, schon oben erwähnten eine neue Emporkirche aufgeführt, und die Baukosten teils durch einen Beitrag aus dem Kirchenvermögen, teils durch Anlagen der Parochianen, teils aus das durch die Verlosung der Sitze auf gedachter Emporkirche erhobene Geld gedeckt. Im Jahre 1819 wurde von der Kirchengemeinde für 500 Thaler, wozu das Aerar 50 und der Berggutsbesitzer Eulitz in Rosenthal 50 Thaler gab, eine neue Orgel, nachdem die ältere schon seit 32 Jahren unbrauchbar geworden war, angeschafft. Sie wurde feierlich und mit einer Predigt vom Herrn Superintendenten Dr. Steinert zu Oschatz am Tage der Kirchweihe, den 10. November gedachten Jahres eingeweiht. Im Jahre 1834 bedurfte der Kirchturm einer abermaligen Reparatur, bei welcher Gelegenheit die Schalllöcher mit grünen Jalousien versehen wurden; überhaupt der Turm im Äußeren seine jetzige freundliche Gestalt erhielt. Im Jahre 1837 vereinigten sich die Inhaber von den um den Altarplatz befindlichen Männersitzen und ließen von denselben auf ihre Kosten das beengende Gitterwerk hinwegnehmen, bequemer einrichten und weiß mit blauen Streifen anstreichen, welcher Umbau gedachtem Platze zur Zierde gereicht.

Die Kapläne und Pfarrer aus der frühesten Zeit, wo Alt-Oschatz noch eine Pfarrkirche war, sind umbenannt. Von der Zeit an, wo es zur Filialkirche von Oschatz gemacht wurde, war es der jedesmalige Pfarrer oder resp. die dortigen Diakonen; seit der Vereinigung des Filials Alt-Oschatz mit Merkwitz der jedesmalige Pfarrer daselbst.
Die Kirche ist zum größten Teil licht und hell, der Raum hingegen ist durch die gestiegene Anzahl der Mitglieder hiesiger Kirchengemeinde etwas beengt worden; namentlich fehlt es an Frauenstühlen, sowie an der nötigen Symmetrie in dem ganzen Kirchenstuhlsystem überhaupt; welchem Übelstand leicht abgeholfen werden könnte, wenn die Inhaber der Mannsstühle unter der Emporkirche gegen Mittag, sich entschließen könnten, diese ihre gegenwärtigen Kirchenstühle mit neuen auf einer vierten noch zu bauenden Emporkirche zu vertauschen. Dadurch würde mehr Platz für Frauensitze gewonnen werden. – In der Kirche befinden sich an der Mitternachtsseite drei in Stein gehauene Denkmäler. Das erste stellt in halberhabener Arbeit einen geharnischten Ritter mit entblößtem Haupte in Lebensgröße, von Bock auf Saalhausen, wie sich nur mit Mühe herausbringen lässt, das andere gleich daneben befindliche in eben derselben Arbeit, wahrscheinlich die Gemahlin dieses Ritters in ganzer Figur vor die Augen. Beide Denkmäler sind mit Wappen und Inschriften umgeben. Das dritte Denkmal aus dem nämlichen Material und derselben Arbeit stellt ebenfalls einen geharnischten Ritter mit entblößtem Haupte, in knieender Gestalt und die Hände zum Gebet faltend dar. Viel lässt sich von diesen drei Denkmälern, sowie von einem kleineren oberhalb derselben nicht sagen, weil die Inschriften und Wappen von den Maurern, die hier wenig Sinn für Kunst und Altertum gezeigt haben, übertüncht worden sind! Auf der schon oben erwähnten von dem Viertelhüfner Hoppe in Kreischa 1745 restaurierten Emporkirche liest man neben vielen Bibelsprüchen auch folgende Inschrift: „Diese Emporkirche hat Gott zu Ehren und seinen drei verstorbenen Kindern 1.) Johanna, 2.) Anna Rosina, 3.) Anna Maria, (welche auch hier abgebildet sind) zum Andenken malen lassen, Caspar Hoppe zu Kreischa, Viertelshüfner. Anno 1745“ Auf dem Altarplatz gewahrt man auch die Platten zum Eingang in die darunterliegenden Grüfte, welche zu den Rittergütern Alt-Oschatz und Saalhausen, vielleicht auch zum Freigut Striesa gehören. Seit längeren Zeiten ist aber keine Leiche in diese Grüfte der Kirche beigesetzt worden. Die an den Saalhausener Ständen angebrachten Bilder und Wappen sind im Jahre 1837 bei der Reparatur jener Stände an einen anderen geeigneten Platz in der Kirche gebracht worden. Links vom Altar sieht man noch die Umrisse einer jetzt zugemauerten Nische in der Wand, wahrscheinlich zur Zeit des katholischen Gottesdienstes das Sakramenthäuslein. Der sehr altertümliche Altar, in welchem die Kanzel angebracht ist, ist noch aus den Zeiten vor der Reformation. Auf der Vorderseite des Altarschrankes erblickt man Darstellungen aus  der Geburtsgeschichte Christi, sämtliche Figuren, zum Teil von der Größe einer halben Elle sind in Holz geschnitzt und vergoldet; desgleichen sind auch die übrigen Verzierungen an den Seiten aus Holz geschnitzt, vergoldet und auf hellblauem Grund. An der einen Seite des Altars ist ein Widder, an der anderen Seite ein mir unbekannter Vogel abgebildet. Auf der Rückseite des Altars, wo die Jahreszahl 1574 angeschrieben steht, befinden sich Gemälde von Aposteln und Märtyrern, samt den Marterwerkzeugen, reißenden Tieren, etc. wodurch sie ihren Tod gefunden haben. Oben auf dem Altar stehen die Figuren Christi, Johannis und der Maria. Noch immer hat auf allen diesen Figuren, Gemälden und Verzierungen die Vergoldung einen hellen Glanz und die Farben eine eigentümliche Frische.– Das jetzige Taufbecken nebst hölzernem Postament ist von den seitdem verstorbenen Frauen Madame Steiger auf Altoschatz und Madame Eulitz auf dem Berggut in Rosenthal im Jahre 1800 als ein Geschenk der Alt-Oschatzer Kirche verehrt worden. Nicht minder beschenkte die Herrschaft des Ortes Herr und Madame Oehmichen auf Alt-Oschatz im Jahre 1832 die Kirche mit einer schönen feinen grüntuchenen mit gelben Borden und Fransen besetzten Altar-, Kanzel- und Taufstein-Bekleidung. Auf der ersteren, wozu die edlen Geber auch noch eine weiße Wolldecke hinzufügten, erblickt man in einem von Gold gestickten Kornähren und Trauben gebildeten Kranz den Namenszug der Geber und die Jahreszahl 1832. Die Abendmahlskanne von Silber ist ebenfalls ein Geschenk, wie die Inschrift besagt: „Die Kanne hat zu Gottes Ehre in diese Kirche zu Alt-Oschatz geschenkt, Johann Nollau und seine Ehefrau Anna Maria, geb. Franklin. Anno 1728, den 20. August.“ Der vergoldete Kelch enthält die Namen des damaligen Pfarrers Georg Tobias Müller, des Schulmeisters J. A. Lindner und der Kirchväter Lohr und Döbritz, Anno 1676. Die zinnerne Taufkanne ist ein Geschenk des Schulmeisters Pietzsch im Juli 1741.
Die Orgel ebenfalls ein Werk des nun verewigten Orgelbaumeisters Zöllner in Hubertusburg, enthält im Manual und Pedal elf klingende Stimmen. Sie entbehrt ebenfalls noch des äußeren Anstrichs und Verzierung.
Die drei Glocken auf dem Turm haben, obschon die mittlere einen Sprung hat, ein helltönenes Geläut.
Die große Glocke hat die Inschrift:
Campana haec anno 1628 rupta, anno eodem instaurata est; aritific. Gabriele et Zacharia Hilligero, Friberg., Inspect et Collatore ecclesiae M. Georgio Cademanno, Dresden., Pastore Wolfgang. Fehmelio, aedituo Valentino Schimmelio. O rex gloriae veni com pace.
Die mittlere Glocke, wahrscheinlich die älteste hat weder Inschtrift noch Jahreszahl ihrer Entstehung.
Die kleine Glocke hat die Inschrift: Verbum Domini manet in aeternum. Ao 1628
und unter dem, auf der selben angebrachten gut getroffenen Bildnisse Luthers in halberhabener Arbeit das Distichon:
Ista tibi vultus ostendit imago Lutheri,
Hoc satis est, curae aetera mando tuae.
Die Kirche besitzt über 800 Reichsthaler bares Vermögen.
Auf dem hohen, freien und trocknen Kirchhof, wo man eine schöne Aussicht auf die drei Dörfer Alt-Oschatz, Rosenthal und Kleiner Forst, sowie auf Oschatz und den Collmberg genießt, dem eine solide Befriedung Not tut und von welchem man jeden darüber führenden Fußsteig hinwegwünschen muss, ist unter den daselbst befindlichen Denkmälern das der Kleeberg-Eulitzschen Familie in Rosenthal gehörig sehenswert.
Die hiesige Parochialschule in welche auch alle nach Alt-Oschatz eingepfarrte Dörfer sowohl, als auch seit dem Jahre 1835 aus der Limbacher Parochie die Schmiedewohnung aus Saalhausen und die Mühle in Kreischa eingeschult sind, zählt gegenwärtig 190 Schüler.
Die Reihenfolge der Alt-Oschatzer Schullehrer lässt sich ebenfalls nicht auffinden. Ich kann aus dem vorigen Jahrhundert bis zum Beginn des jetzigen bloß die Schulmeister Schneider, Pietzsch, Zieger, starb als Emeritus in Mehltheuer im Jahre 1812 anführen. Der gegenwärtige Schullehrer ist Christian Traugott Leuschner, geboren in Zeuckritz in Dahlen im Jahre 1769, welcher, nachdem er früher mehrere Kinderlehrerstellen bekleidet hatte, 1804 als Schulmeister in Sörnewitz, 1805 in der nämlichen Eigenschaft nach Alt-Oschatz berufen wurde.
Die Alt-Oschatzer Hauptlehrerstelle ist, was die monatliche Besoldung und das Äquivalent für die Sing- und anderen Umgänge betrifft, im Jahre 1836 auf 200 Thaler jährlich fixiert worden. Seit dieser Zeit erhält auch der hier angestellte Hilfslehrer, den der Schulvorstand wählt, aus der Schulkasse jährlich 40 Thaler bare Besoldung.
Neue Schulen sind in Alt-Oschatz und in der Kirchfahrt, wie schon bemerkt, nicht gegründet. Die Hilfslehrer sind gewesen seit 1829: J. Gottlieb Bittig aus Merkwitz, jetzt Schullehrer in Rechenberg; 1831: Karl Friedrich Engelmann aus Werschütz bei Grimma, jetzt Lehrer in der Königlichen Korrektionsanstalt in Braunsdorf; 1833: Friedrich Wilhelm Grundmann aus Merkwitz, jetzt Schullehrer in Klein-Opitz bei Dresden; 1835: Christian Heinrich Voigt aus Greiffenhein bei Frohburg, jetzt Schullehrer in Reppen bei Oschatz; 1837: Johann August Hoffmann aus Hain bei Borna, jetzt Hilfslehrer in Mahlis; 1838: Christian Heinrich Taubert aus Dolsenhain bei Frohburg, jetzt des. Vikar der Vereinsschule in Köllnitz bei Groitzsch; 1839: Des. Karl Friedrich Thelang, aus Frohburg.
In Alt-Oschatz ist eine Pfarrwohnung, die wie oben bemerkt den 5. April 1696 abbrannte, nicht mehr, und es muss daher der Pfarrer bei Gelegenheit seiner Amtsverrichtungen an hiesigem Orte, sein Absteigequartier in der Schule nehmen. Die zu dem hiesigen Pfarrgut gehörenden 9 Scheffel Feld und ein Scheffel Wiesenland sind den 16. Februar 1629 mit Einwilligung des Oberkonsistoriums von Hans Georg von Noten auf Alt-Oschatzer für 750 Fl. – wovon noch 172 Thaler vorhanden und als Pfarrkapital verbargt sind – gekauft und mit dem dortigen Rittergutsfeldern und Wiesen vereinigt worden.
Alt-Oschatz, Rosenthal und Kleiner Forst bilden jetzt in Verwaltungs- und Heimatsangelegenheiten eine Gemeinde.
Alt-Oschatz besteht ohne die Rittergutsgebäude in 32 Feuerstätten, als 2 geistlichen Gebäuden mit Einschluss der Filialkirche, 6 Gärtner- und 24 Häuslerwohnungen nebst einer steinernen Windmühle mit ihrem Hause. Die Wassermühle ist jedoch nicht mit darunter begriffen,  weil sie Saalhausener Gerichtsanteil ist und nur mit ihren 16 Scheffel Feld nach Alt-Oschatz gehört. Die Einwohnerzahl nach der Volkszählung im Jahre 1832 ist 230 und 11 auf den Saalhausener Gerichtsanteil.
Wie schon oben bemerkt worden ist, liegt Alt-Oschatz sehr reizend an den Ufern des Döllnitzbaches, durch welchen es von Rosenthal getrennt wird. Daher werden auch seine schönen Umgebungen von vielen Spaziergehenden besucht. Eine höchst interessante Ansicht gewährt Alt-Oschatz mit einem Teil von Rosenthal und Kleinforst von Mitternacht, namentlich von dem Pfarr-Filialweg, noch schöner aber von dem sogenannten blauen Weg aus gesehen.
Patron und Kollator über Kirche- Pfarr- und Schulamt war früher der jedesmalige Superintendent in Oschatz, seit der Mitte des Jahres 1835 das Hohe Ministerium des Kultus und des öffentlichen Unterrichts.

In der Filialkirche zu Alt-Oschatz sind eingepfarrt: Alt-Oschatz, Rosenthal, Kleinerforst, Thalheim, Saalhausen, Kreischa, Striesa.
Alt-Oschatz, siehe das Vorhergehende.
Das Dorf Rosenthal gegen Südost von Alt-Oschatz gelegen, und von diesem, wie schon bemerkt, durch den Döllnitzbach bloß getrennt, ist auch mit dem Schwesterdorf gleich weit weg von der Stadt Oschatz entfernt. Es ist auch nicht minder schön als Alt-Oschatz gelegen; vorzüglich ist der Spaziergang, der zugleich zum Fußkirchenweg nach Kreischa dient, wo man rechts den Bach und links Höhen und Felsen hat, einer der angenehmsten. Unter den Umgebungen Rosenthals verdient die im gemeinen Leben sogenannte „Schwedenschanze“ Erwähnung. Es besteht diese aus drei auf einen steilen Felsen, den die Döllnitz halb umfließt liegenden Schanzen, die ein dreifaches Retranchement oder Verteidigungswerk bilden. Sie sind in älteren Kriegszeiten, vielleicht schon in dem Krieg, wo König Heinrich I. die Daleminzier bezwang, angelegt worden. Ihre Lage gibt wenigsten so viel zu erkennen, dass ihre Anlegung in solchen Zeiten geschehen sein müsse, wo weder Schießgewehr noch grobes Geschütz gewöhnlich war. Von der Gründung des Dorfes Rosenthal, so wie von der Herleitung des Ortsnamens lässt sich ebenso wenig als von seinen früheren Schicksalen etwas sagen. Im Jahre 1830 brannten in der Nacht des 14. April 1832 drei Häuser, in demselben Jahre den 14. Juni in den Mittagsstunden ein Gärtnergut und in der Nacht des 18. April 1832 abermals zwei Häuser ab. Auch ist der tiefer gelegene Teil durch das Austreten des Baches, bei Eisgängen und Sommerwässern, von jeher bis auf die neusten Zeiten herab bedeuteten und Schaden bringenden Überschwemmungen ausgesetzt gewesen. Sonst war bei hohem Wasser alle Kommunikation zwischen den verschiedenen Teilen des Dorfes und dem benachbarten Kleinforst gehemmt; aber jetzt sichert eine im Jahre 1838 unter Veranstaltung der Herrschaft und tätiger Mitwirkung der Gemeinde gebaute solide Brücke die Verbindung und den Verkehr. Das Hauptgut in Rosenthal ist das Berggut mit der dazugehörenden Ziegelbrennerei. Es liegt auf einem Berge, hat die Hauptfront gegen Mitternacht und kann namentlich von dieser Himmelsgegend aus weit gesehen werden. Das Berggut gehörte sonst dem Hospital zu St. Georg von Oschatz, wurde aber von dem Rat zu Oschatz als dessen Lehnsherren und obersten Verweser 1463 an Wenzel Kersten mit dem Vorbehalt verkauft, dass er und seine Erben jährlich auf Martini 7 Thaler und 12 Groschen Erbzinns dem Hospital geben und demselben 6 Fuder oder 12 Schock Holz unentgeltlich anfahren sollten. Auch wurde noch der Punkt hinzugesetzt, dass der Besitzer sich den auf seinem Boden befindlichen und in die Stadt geleiteten Röhrenbrunnen nicht anmaßen als sein Eigentum, noch viel weniger, wenn dergleichen noch mehrere gefunden würden, ihre Fassung und Leitung in die Stadt verweigern solle.
Auf Kerstin folgte Gauls Oschatz, auf diesen Hans Lehmen, dann 1617 Erasmus Lehmen, 1625 Andreas Schuster. Der folgende Besitzer unbekannt. Von 1719 an Hans Kleeberg aus Grauschwitz, gestorben 1758. Von ihm erbte es sein Sohn Andreas Kleeberg, gestorben 1796. Sein Nachfolger war Heinrich Gottlob Eulitz, gestorben 1836. Gegenwärtiger Besitzer, dessen Schwiegersohn Adolf Steiger aus Leutewitz. Außer dem Berggut sind in Rosenthal noch drei Gärtner, die Landwirtschaft treiben und 17 Häuslerwohnungen von deren Bewohnern Professionellsten sind, die Mehrzahl sich mit Handarbeit beschäftigt. Die Einwohnerzahl Rosenthals ist nach der Volkszählung im Jahre 1837 160.
Kleinerforst, auch Kleinforst, Kleinforstdorf auch Forsthäuser genannt. Die auf einer südlich von Oschatz zum Teil mit Holz bewachsener Höhe gelegenen Häuser dieses eine Viertelstunde von Oschatz entfernten Orts, von denen das erste im Jahre 1804 erbaut wurde, sind jetzt an der Zahl 25 und haben daher ihren Namen, weil sie dem kleinen Forste, einer zum größten Teil ausgerotteten Alt-Oschatzer Rittergutsholzung dieses Namens Nahe liegen. Vor ungefähr 24 Jahren brannte ein Haus in diesem Orte ab. Die Zahl der Einwohner, die sich durch Handarbeit, Handel und desgl. nähren ist nach der Volkszählung im Jahr 1837 187.
Thalheim. Zur Zeit der Gründung dieses Orts, welcher eine halbe Stunde vom Kirchort Alt-Oschatz südwestlich und eine Dreiviertelstunde von Oschatz liegt, lässt sich ebenso wenig ermitteln, wie der Grund seines Namens. Der Ort selbst besteht aus zwei Gebäudereihen, die eine nach Mittag, die andere nach Mitternacht. Der unter das Partimonialgericht zu Saalhausen gehörige Teil des Dorfes besteht aus 27 Feuerstätten, als 23 Begüterten und 4 Häuslern. Die Bewohner, deren Anzahl sich nach der Volkszählung im Jahre 1837 auf 147 beläuft, das 2 Seelen im Oschatzer Amtsanteil treiben, einige Professionisten ausgenommen Landwirtschaft. Im Jahre 1839 ist hier auch eine Windmühle erbaut worden. Der unter das Königliche Justizamt in Oschatz gehörige Teil Thalheims ist das Landrichtergut, welches ehedem Mannlehn und zinsfrei war, wofür der Beisitzer desselben das Landrichteramt umsonst verwaltete. Als sich aber durch den Tod des Landrichters, Urban Althanns, die Lehn sich darüber erledigte, war des den 16. Januar 1851 in Erbe verwandelt und ist in den neueren Zeiten in zwei Hälften geteilt wurden. In Thalheim ist im Jahre 1444 der Bischof von Meißen Johann VI. aus dem Geschlecht von Saalhausen geboren, gestorben 1518. Thalheim, welches länger als 100 Jahre von Brandunglück verschont blieb hat nun auch in der Nacht vom 1. bis 2. Juli des Jahres eine Feuersbrunst, höchstwahrscheinlich von boshafter Hand angelegt, heimgesucht und das Clemensche Gut in Asche gelegt, dessen Bewohner, zum Teil abwesend, nur wenig von ihren Habseligkeiten retten konnten.
Saalhausen, eine Viertelstunde von Alt-Oschatz, von wo aus ein höchst angenehmer Weg im Tal nach Alt-Oschatz führt, und eine Dreiviertelstunde von Oschatz entfernt gelegen. Zur Entstehung und Benennung des Orts, gab ein Ackersaße namens Sala um das Jahr 926 durch die Erbauung eines Vorwerks daselbst, des nachherigen Rittersitzes die Veranlassung. ( Das Rittergut hiesigen Orts nebst der Schmiede gehört nicht in die Alt-Oschatzer Parochie, sondern ist eingepfarrt in die Kapelle auf dem Rittergut Saalhausen und folglich in die Limbacher Parochie, wo die nähere Beschreibung über diesen Teil von Saalhausen zu finden sein wird.) Außer dem Rittergut und dem Schmiedehaus befinden sich in Saalhausen  10 Feuerstätten, deren Bewohner, worunter ein Stellmacher, die übrigen größtenteils Gartennahrungsbesitzer sich von der Landwirtschaft nähren. Nach der Volkszählung im Jahre 1837 war die Zahl der Einwohner in Saalhausen 90.
Kreischa. Das Dorf Kreischa, in welchen im Jahre 1781 eine Feuersbrunst ein Gut und im März 1831 eine dergleichen wieder ein Gut in Asche legte ebenfalls unter das Patrimonialgericht zu Saalhausen gehörig, liegt von Oschatz eine reichliche halbe Stunde und eine Viertelstunde vom Kirchort Alt-Oschatz, von wo aus ein sehr angenehmer Kirchweg für die Fußgänger durch das Dorf Rosenthal führt. Hat man auf diesem Weg die vor dem Dorf Kreischa liegende Höhe, den sogenannten Kreischaer Berg erreicht, so wird man hier mit eine der schönsten Aussichten, vornehmlich in die Mügelnsche Gegend belohnt. Die Zeit der Entstehung dieses Orts und der Herleitung seines Namens sind dem Konzipienten unbekannt. Die Mühle in Kreischa ausgenommen, welche in die Rittergutskapelle zu Saalhausen (Parochie Limbach) eingepfarrt ist, gehören zur Parochie Alt-Oschatz, die 7 übrigen Güter und Wirtschaften in Kreischa, deren sich sämtlich von Landwirtschaft nähren. Nach der Volkszählung im Jahre 1837 war die Einwohnerzahl in Kreischa 46
Striesa. Das Freigut Striesa, welches in Urkunden Streßo und Stroso geschrieben, nach Hoffmanns historischer Beschreibung von Oschatz seinen Namen von dem wendischen Wort Strozba, Straschidlo, so viel als Schreckbilder, Geistererscheinung haben soll liegt westlich eine halbe Stunde vom Kirchort drei Viertelstunden von Oschatz am Wald, fast am Fuße des Collmbergs und führt im Jahre 1805 noch den Namen eines Vorwerks auf dessen Grund und Boden jetzt 6  Feuerstätten, als das steinerne mit einem Wall umgebene Herrenhaus nebst Wirtschaftsgebäuden und 5 Häuser erbaut worden sind, worin nach der im Jahre 1837 geschehenen Volkszählung 67 Bewohner leben. Der erste mit Namen bekannte Besitzer ist Christoph Sylitz, gegen 1480, um 1482 Nicolaus Meißner auf Mannschatz und Schmorkau. Dann kaufte es der Bürgermeister in Oschatz Jacob Boße um 600 Fl., von diesem 1491 Hanns Preyl. 1505 Balthasar von Grauschwitz, 1509 Wolf von Schleinitz auf Seerhausen; 1515 der Rat zu Oschatz, welcher es für 800 Fl. erhandelt, wieder 1679 an das geistliche Aerarium zu Oschatz abtrat, von dem es noch in demselben Jahr Hanns Abraham von Bock auf Saalhausen für 300 Fl. kaufte. Obristleutnant von Bernhauer, 1696, für 5200 Fl., 1724 der Hauptmann von Polenz für 7800 Fl. Hauptmann von Plötz. Der Württembergische Major Hanns Ernst von Warnsdorf 1767. Johann Augustin Alberti 1771, erkauft für 6780 Thaler. Im Jahre 1787 erbauete er inner- und außerhalb der Hofrede verschiedene neue Gebäude; um 1820 sein Sohn Joh. Gottfried Alberti; 1829 August Kopp, welcher ebenfalls verschiedene Neubauten auf diesem Gut ausführte und ein Teil des zu diesem Gut gehörigen Holzes in Feld verwandelte, gestorben 1834. Seine hinterlassenen Erben sind jetzt im Besitz des Guts.

Karl Siegimund Müller
Pastor

 


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