Oschatz-damals.de > Geschichte(n) > Chronik (Inhalt) | Zweite Abtheilung





Da in den ältern Zeiten nicht nur das in der Strehlaischen Vorstadt liegende Thalgut als Mannlehn bei dem Markgrafen zu Meißen in Lehn ging und mit einem Ritterpferde verdient ward, das aber nachher in ein Erbgut und in einen Erbzins verwandelt worden ist; sondern auch die Rittergüter Borna, Bornitz, Ragewitz, Altoschatz und einige Bürger in der Stadt die Erbgerichte, Lehn, Zinsen und Hoftage auf einigen Gütern und Häusern in der Vorstadt und auf den Stadtfeldern hatten, die aber in neuern Zeiten der Rath nach und nach an sich kaufte: so läßt sich vermuthen, daß nicht lange nach Erbauung der Stadt die Ritter, welche damals die Befehlshaber der militärischen Besatzung ausmachten, theils für sich selbst Feldgüter, z.B. das Thalgut, das Vorwerk Praschwitz, jetzt das rothe Vorwerk, das Roitzscher Vorwerk, (denn diese sind die ältesten, die übrigen alle haben einen neuern Ursprung), erbauten, theils Andern die Erlaubniß zum Anbau ertheilten, sich aber dabei die Erbgerichte, Belehnung nebst Zinsen und Hofdiensten vorbehielten, welche sie nachher an vorgenannte Rittergüter und Bürger verkauften, und von diesen an den Rath kamen.
Die Allee um die Stadt. Schon in frühern Zeiten ward ein Versuch gemacht, vor dem Altoschatzer Thore auf beiden Seiten eine Allee von Linden und andern Bäumen anzulegen, welche aber bald wieder einging. Die wenigen Linden, die noch stehen, sind Ueberreste davon. Im J. 1797 aber unternahm es im Namen des Raths mein noch lebender Bruder, der Stadtrichter ChristianWilhelm Hoffmann, vor dem Altoschatzer Thore eine neue Allee von ausländischen Bäumen und Sträuchern anzulegen und nach und nach um die ganze Stadt nach seiner eigenen Idee herumzuführen. Obgleich das unebene und an manchen Orten sehr beschränkte Terrain diesem Unternehmen große Schwierigkeiten engegenstellte und dabei ein unangenehmer Kampf mit dem Frevel, die diese Anlage muthwillig beschädigen würde, leicht vorauszusetzen war; so ward es doch muthig begonnen und unermüdet fortgesetzt. Im Laufe weniger Jahre ward die Allee um die ganze Stadt vollendet, die ihr nicht nur zur Zierde gereicht, sondern auch ihren Bewohnern bei ihren Geschäften und Spaziergängen um die Stadt bequemere und angenehmere Wege und durch die in den Rondelen angebrachten steinernen Bänke Ruheplätze darbietet, auch außerdem noch in Hinsicht auf die Reinigung der Luft und die damit zusammenhängende Gesundheit nicht mit Unrecht für wohlthätig angesehen wird. Dieser eben so rühmlichen, als ersprießlichen Baumpflanzung wird auch in der National-Zeitung der Deutschen (Jahrgang 1799 36 Stück) mit diesen Worten gedacht: Das Lob des Raths in Pirna, der eine Allee vor dem Thore hat anlegen lassen, verdient auch der Rath in Torgau, Grimma und Oschatz. Zur Bestreitung der Kosten wurden die von meinem Vater, dem Bürgermeister Joh. Samuel Hoffmann legirten 100 Thaler mit angewendet, die am Tage vor seinem den 22. März 1776 erfolgten Tode aus Dankbarkeit für den Genuß, den er 40 Jahre hindurch von der Verwaltung der Kämmerei und anderer öffentlicher Ämter gehabt hatte, und aus Liebe gegen seine Vaterstadt, der er überhaupt 36 Jahre als Mitglied des Raths-Collegium und besonders 26 Jahre als Bürgermeister vorgestanden hatte, zu einer öffentlichen Commun-Anstalt von ihm besimmt worden waren, wie dies die Kämmerei-Rechnung v. J. 1798 ausführlich berichtet. Die Alle besteht aus Italienischen, Kanadischen und Silberpappeln, Akazien, Kastanien, Linden, Kanadischen Fichten, Lerchenbäumen, Weihmuthskiefern und ihre Zwischenräume sind mit Bohnenbäumen, wohlriechenden Mahaleb-Kirschen, Spiräen, Babylonischen Weiden, Nordamerikanischen Lebensbäumen, Jasmin, Rosen und andern Sträuchern ausgefüllt. Vor dem Altoschatzer Thore führt die Allee auch über den sogenannten Dippoldsberg, welcher von dem Rathsverwandten und Stifter eines Stipendium Johann Gottlieb Dippold, seinen Namen trägt, der ihn aus den Trümmern einer alten Schanze anlegen und mit Bäumen bepflanzen ließ.
Mit der Allee zuleich und unter der nämlichen Veranstaltung, wie bei dieser, wurden auch die leeren Commun-Plätze um die Stadt urbar gemacht und mit 14 Schock Pflaumenbäumen, 6 Schock Aepfel- und Birnbäumen und 4 Schock sauern Kirschbäumen besetzt, wofür von der Königl. Sächs. Landes-Oekonomie-Manufactur- und Commerzien-Deputation dem Rathe allhier eine Prämie von 86 Thalern bewilligt ward, besage der Kämmerei-Rechnung vom Jahr 1808.

Diese schließt die Nummern von 458. bis 520 (die Nummern 458 bis 520 entsprechen mit wenigen Veränderungen den gegenwärtigen Nummern 412 bis 477) in sich und wird in die Häuser auf dem Graben, in das Berggäßchen, in den Steinweg, in das Gemeinde-Borngäßchen, in das Gäßchen hinter dem Röhrteiche oder hinter der Schäferei und in die sieben Scheunen oder in den Anger beiy der Schanze abgetheilt. Von diesen Scheunen ist Nr. 518 (jetzt 475) die einzige Wüstung in der Vorstadt. Im J. 1634 den 8. Aug. Vormittags um 11 Uhr entstand durch Verwahrlosung in Dan. Försters Vorwerke ein Feuer, das nebst 18 Wohnhäusern, auch 10 mit Feldfrüchten angefüllte Scheunen in die Asche legte. - Auf dem Steinwege ward die Scharfrichterei Nr. 482 (jetzt 435) in der Nacht zwischen den 19. und 20. Jul. 1740 durch einen Blitzstrahl angezündet und nebst dem Hause Nr. 483 (jetzt 436) in einen Aschenhaufen verwandelt. - Daselbst brannten auch den 7. Sept. 1784 früh um 2 Uhr Nr. 466 bis 469 und gegen über Nr. 486 bis 489 ab, desgleichen den 12. Febr. 1812 gegen Abend Nr. 485 - In dem Gäßchen hinter dem Röhrteiche traf den 30. März, 1806 die Nr. 510, 511 und 512 - den 27. April darauf Nr. 476, 477 und 478 - und den 22. Julius auch noch Nr. 508 und 509 ein gleiches Schicksal. Von den 7 Scheunen wurden 514 bis 517 den 30. März 1810 ein Raub der Flammen. (Die Nummern 466 bis 469 jetzt 420 bis 423, Nr. 486 bis 489 jetzt 439 bis 442, Nr. 485 jetzt 438, Nr. 510, 511, 512 jetzt 465, 466, 467, Nr. 476, 477, 478 jetzt 429, 430, 431, Nr. 508, 509 jetzt 463, 464, Nr. 514, 515, 516, 517 jetzt 471, 472, 473, 474.)

Nr. 484 (jetzt 437). Die Schäferei des geistlichen Aerarium war vor Alters ein Vorwerk. Der Rath kaufte es 1496. von Georg Seydel für 211 Schock 45 Gr. oder 700 Fl. 2 Gr. laut Käm. Rechn. d. J. und legte in dasselbe als er 1528. das rothe Vorwerk dazu bekam, die Schäferei. Die Scheune ward 1564 neu erbaut. Im J. 1679 trat der Rath dieselbe dem geistlichen Aerarium ab.

Nr. 513 (jetzt 468). ehemals des Raths Kalkofen. Er wird zwar unter diesem Namen zuerst 1482 in der Käm. Rechn. aufgeführt, muß aber schon 1475 im Gange gewesen sein, weil in dem Stadtbuche eine Kalkabrechnung des Raths mit dem Kloster vorkommt. Seine Größe kann nicht unbeträchtlich gewesen sein, da beinahe 400 Scheffel Kalk auf einmal aus dem Ofen genommen wurden. Im J. 1500 wird einer neun Kalkscheune dabei gedacht. Dem Altoschatzer Thorwächter ward das Kalkmessen anvertraut und ihm erlaubt, von jeder Tonne 4 Pf. von jedem Scheffel aber 1 Pf. zu nehmen. Das letztemal kommt er 1624 vor und ist ohnfehlbar bei den Unruhen des dreißigjährigen Krieges eingegangen. Nachher blieb er lange wüste liegen, bis nicht lange vor dem J. 1785 auf seiner Stelle ein Wohnhaus erbaut ward.

Der dabei liegende Berg wird 1492 der Klinkenberg genannt, mit welchem Namen man in alten Zeiten die Orter belegte, wo das bei starken Regengüssen oder Thauwetter herabströmende Wasser einen Klang von sich giebt. In neuern Zeiten kannte man ihn den Stadtsschreiberberg, weil der Vorwerksgarten des Stadtschreibers Berthold mit seinem Lusthause gleich daran stieß. Im Jahr 1799 ward der Berg oben mit ausländischen Bäumen und am Abhange mit Pflaumenbäumen besetzt.

Sie begreift Nr. 521 bis 622 (jetzt 478 bis 565) und dazu gehören das Haus, die Scheune und der Garten, die zwischen den sieben Scheunen und dem Brüderthore liegen; die Windmühlen- oder Leipziger Gasse; die Merkwitzer Gasse nebst dem Queergäßchen, das rothe Vorwerk und die Häuser hinter demselben; die Goldgasse; die Häuser im Winkel oder im Sacke hinter der Post; die Häuser auf dem graben bei den Teichen; die Vorwerke, Häuser und Scheunen auf der Viehweide. Darunter sind 16 wüste Hausstellen und 9 wüste Scheunenplätze.

Durch Feuersbrünste wurden folgende Gebäude in die Asche geleget: 4 Häuser auf dem Klinkenberge 1617 früh nach 3 Uhr; Nr. 553, 554 und 555 in der Merkwitzer Gasse den 26. Dec. 1726; Nr. 607.bis 614 alles Scheunen auf der Viehweide, durch einen Blitzstrahl den 8. Sept. 1731 zur Mittagszeit entzündet; Nr. 545 in der Merkw. Gasse in den Abendstunden des 9. Jan. 1760; Nr. 561. 562. 563. hinter dem rothen Vorwerke und das Vorwerk in der Goldgasse Nr. 568. den 10. April Abends halb 9 Uhr 1809; Nr. 558. 559. 560. in der Merkw. Gasse den 22. October 1811; (Nr. 553, 554, 555 jetzt 495, 496, 497, Nr. 607 bis 614 jetzt entsprechen 607, 608, 609 den Nummern 557, 558, 559; die Nummern 610 ist jetzt 560, dagegen 611 bis 613 nicht genau zu bestimmen; Nr. 614 ist jetzt mit in 581 inbegriffen; Nr. 545 ist jetzt 501, Nr. 551, 562, 563 ist jetzt 517, 518, 519, Nr. 568 jetzt 521, Nr. 558, 559, 560 jetzt 507, 508, 509)

Nr. 530 (jetzt 485). Die Windmühle und Nr. 531 ein wüster Windmühlen-Platz. Weil auf den Stadtmühlen das Wasser im Sommer bei großer Hitze vermindert und im Winter bei strenger Kälte gehemmt wird und daher die Einwohner nicht zu allen Zeiten gefördert werden können, so suchte der Rath 1581. bei dem Landesherrn um den Aufbau zweiter Windmühlen an. Dem Gesuche ward unter der Bedingung deferirt, die Windmühlen auf dem der Stadt eigenthümlichen Vorwerksgute (dem rothen Vorwerke, das damals dem Rathe gehörte), und unter des Raths Jurisdiction zu errichten, aber auch von jeder Mühle 10 Scheffel Korn jährlich ins Amt Oschatz einzuliefern. Der Rath supllicirte zwar den 4. Sept. 1582 um Verminderung des Kornzins, jedoch ohne Erfolg. Nachher wurden ihm aber jene 10 Scheffel, vermöge eines Befehls, dessen Abschrift in dem Amtsbuche befindlich ist, erlassen. Diese beiden Windmühlen wurden 1581 von dem Windmühlenbaumeister Benedix Sernau von Mokrehna für 111 Schock 10 Gr. 10 Pf. und das Wohnhaus dazu im folgenden Jahre für 6 Schock 4 Gr. 8 Pf. erbaut. Die eine Windmühle ward im Frühjahre 1616 von einem Sturmwinde umgeworfen und der Windmüller darunter erschlagen. Von dieser Zeit an bis jetzt liegt sie wüste und der Platz, 50 Schritte lang und 52 Schritte breit, wird als Feld, das einen halben Scheffel Aussaat faßt, von dem jetzigen Windmüller benutzt. Die noch stehende Windmühle Nr. 530 trat der Rath dem Hospital zum fernen Siechen 1641. eines schuldigen Kapitals und der aufgelaufenen Zinsen wegen zur Benutzung ab. In dem dreißigjährigen Kriege ward sie 1642 gänzlich verwüstet, 1660 von besagtem Hospital mit einem Aufwande von mehr, als 100 Fl. wieder hergestellet und dafür demselben die Nutzung ganz überlassen. Erst in der Folgezeit kam sie an einen Privat-Eigenthümer.

Nr. 567 (jetzt 520). Das rothe Vorwerk hat seinen Namen wohl daher erhalten, weil die Vorwerksgebäude vor Zeiten entweder roth angestrichen oder mit rothen Mauerziegeln ausgesetzt und nicht mit Kalk übertüncht waren, welches überhaupt in ältern Zeiten sehr gewöhnlich war 1) . Es ist eines von den ältesten Vorwerken bei der Stadt und hieß von Anfange her das Vorwerk Pratschitz, welcher Name oben erklärt worden ist. Nachher wird es eine Zeitlang unter den Namen des Vorwerkes vor dem Brüderthore aufgeführt. Ehe der Rath die Erbgerichte in der Vorstadt kaufte, ging das Vorwerk bei dem Rittergute Borna zur Lehn. Die bekannten Besitzer sind folgende: Hanns angnau, der als Bürgermeister 1394 starb; nach ihm Matthes Telmschütz; George Meißner, ums J. 1455 der Amtsvoigt Michael Petzold 1484 der wegen der Huthung einen Streit bekam. Der Rath erhielt 1493 Freit. nach Vocem Jucund. Vollmacht wider den Voigt und Herzog Georg, bestätigte 1495 Donnerstags nach Mart. den zwischen dem Rathe und Voigte errichteten Huthungsreceß, auch ertheilte er im J. 1514 Dienst. nach Quasimod. einen Schied wegen der Schäferei und Trift zwischen dem Rathe und Voigt. Nach Petzold besaß das Vorwerk Hennigke Funke, der es 1528, Freitags nach Lätare an den Rath für 624 Fl. 6 Gr. oder 218 Schock 30 Gr. verkaufte. Der Rath trat es 1678 den 3. Nov. an das geistliche Aerarium wegen seiner Schuldfoderung für 5030 Fl. ab, von welcher Zeit an dasselbe das geistliche Vorwerk genannt wird. Bei der Abrechnung mit dem Aerarium 1679. bekam der Rath die geistlichen Güther an Vorwerk und Schäferei zu Fastnachten für 250 Fl. eisernes Pachtgeld, laut des Amts Oschatz Kauf- und Handelsbuche Vol. II, Fol. 196. Im J. 1706 und 1707 supplicirte der Rath wegen der im Vorwerke aufgewendeten 686 Fl. Baukosten, worauf ihm vermöge hohen Befehls die auf 6 Jahre noch aufhabenden 380 Schock und 1 Thlr. 7 Gr. 8 Pf. terminl. Quatember, wie auch die alten von 1676 her restirenden Land- und Pfennigsteuern an 62 Fl. 14 Gr. 9¾ Pf. erlassen wurden. Endlich gab der Rath den 8. Febr. 1710 den Pacht wieder auf. - Der Born in dem Vorwerke ward 1498 gegraben; 1540 die abgebrannte Scheune wieder erbaut und das Wohnhaus 1543 neu aufgeführt, welches 1795 wieder geschah, nachdem auch einige Jahre vorher die Scheune wieder gebaut worden war.

Nr. 570 (jetzt 523). Die Ziegelbrennerei. Dieß ist die dritte Ziegelbrennereri, die der Rath zum Gemeinbesten der Stadt erbauen ließ. Die erste stand auf der Viehweide, und zwar auf der Anhöhe hinter dem Erlicht, das aber 1796. ausgeradet und zur Wiese gemacht ward In der Kämmerei-Rechn. vom J. 1486 wird ihrer zuerst gedacht. Sie ward 1529. abgebrochen und dafür eine andere auf dem Orte, wo jetzt das Vorwerk Pappenheim steht, errichtet, wie bei der Beschreibung dieses Vorwerks weiter unten mehrere Nachricht davon gegeben werden wird. Nachdem auch diese einging, ließ der Rath in d. J. 1738 und 1739 die jetzige in der Goldgasse aufbauen, wovon die aufgelaufenen Kosten 929 Rthl. 13 gr. 9 Pf. betrugen. Zur Vergrößerung dieses Grundstücks ward ein wüste gelegener Garten, nebst Feld für 62 Rthl. 17 Gr. auch nachher noch eine wüste Baustelle, welche die Nr. 571 führt und worauf Lehm zu Ziegeln gegraben wird, gekauft. Auf erhaltene hohe Concession vom 28. Jan. 1782 überließ der Rath in dem gedachten Jahre die Ziegelbrennerei dem Ziegelmeister Joh. Siegismund Müller für 550 Rthl. Sein Sohn, der jetzige Besitzer, verfertigt vorzüglich gute Mauerziegel- und Platten von Thon, die das Feuer aushalten und dieser guten Eigenschaft wegen zu Brau- Back- Ziegel- und Karl-, auch andern Brenn-Oefen weit und breit abgeholt werden. Lieferungen dieser Art sind nach Hubertusburg zu dasiger Steingut-Fabrik, nach Pirna, Döbeln, Waldheim, Roßwein, Haynichen, Mitweyda, Frankenberg, Hartha, Rochlitz, Colditz, Geringswalda, Leisnig, Mutzschen, Mügeln etc. geschehen, auch sogar einmal 1000 Stück nach Böhmen zu einem Steingut-Ofen versendet worden. Wenn die Ziegel bestellt werden, so wird der Thon besonders dazu ausgesondert und zugerichtet. Hinder Stück ordinaire Mauerziegel von Thon kosten 1 Rth. 9 Gr. 6 Pf. Wenn aber besondere Bestellungen darauf gemacht worden sind, so kommt das Stück 1 Gr. und eine Platte 2 Gr.

Nr. 578 (jetz 531 bis 534). Das Posthaus ist kein landesherrliches, sondern ein Privatgebäude. Es ward im J. 1747 von dem Posthalter Joh. Mich. Löwe auf einer Gartenstelle neu erbauet. Anfangs wurden die bei ihm abgegebenen Briefe durch eine reitende Felleisen-Post wöchentlich viermal auf die 1726 neu angelegte Post-Expedition in Wermsdorf 2) gesendet, um von da mit der Leipziger und Dredner Post weiter befördert zu werden. Im J. 1791 ward aber dieser Felleisenritt in eine zweimalige fahrende und zweimal reitende Post in jeder Woche abgeändert, auch ein Felleisenritt nach Strehla, dreimal die Woche, eingerichtet. Im J. 1808 ward ebenfalls die Wittenberger fahrende Post, die sonst über Torgau, Bellgern, Strehla, Riesa nach Meißen u. Dresden ging, über Torgau, Sitzenroda, Dahlen, Oschatz, Meißen und Dresden verlegt und dem zeitherigen Posthalter, Joh. Gottfr. Ackermann, der Charakter eines Postmeisters beigelegt. Durch diese Abänderung bekam die hiesige Postverfassung folgende Einrichtung.
Sonntags Nachmittags um 3 Uhr gehet die fahrende Post mit Briefen und Packeten über Wermsdorf nach Leipzig und bringt Montags Vormittags Briefe und Packete von Leipzig und Dresden wieder zurück. - Den Sonntag Mitternachts um 12 Uhr gehet auch die Wittenberger ordinaire fahrende Post hier durch nach Meißen und Dresden. - Montags Nachmittags um 1 Uhr geht der Postbote mit Briefen nach Strehla und Riesa, und kommt Dienstags Nachmittags wieder zurück. - Dienstags Abends um 6 Uhr geht die reitende Post mit Briefen nach Wermsdorf und von da nach Dresden und Leipzig Mittwochs Vormittags wieder zurück. - Mittwochs früh um 4 Uhr geht die Wittenberger fahrende Post durch Oschatz nach Torgau und Nachmittags um 1 Uhr geht der Postbote, wie Montags, nach Strehla und Riesa ab und kommt Donnerstags wieder an. - Donnerstags Nachmittags um 3 Uhr geht die fahrende Post, wie Sonntags, mit Briefen und Packeten über Wermsdorf nach Dresden und Leipzig und kommt Freitags Vormittags wieder in Oschatz an. - Freitags Nachmittags um 1 Uhr geht der Postbote, wie Montags und Mittwochs, nach Strehla ab und kommt Sonnabends Vormittags zurück. Desgleichen geht Abends um 6 Uhr die reitende Post über Wermsdorf auf die Art, wie am Dienstage, und kommt Sonnabends Vormittags zurück.
Die hiesige Post-Expedition verschafft außerdem den ankommenden Extra-Posten, wie allen andern reisenden auf der neuangelegten Chaussee-Straße ein bequemes und geschwindes Fortkommen.
Die steinernen Post- oder Distanz-Säulen vor dem Brüder- Altoschatzer- und Hospital-Thore wurden statt der ehemaligen hölzernen Armsäulen im J. 1724 gesetzt und die Kosten durch Anlagen ausgebracht.
Am Teiche neben dem Gartenhause Nr. 621 dessen jetziger Besitzer der Senator Joh. Carl Colditz ist, stand da, wo in neuern Zeiten ein Garten angelegt worden ist, um das J. 1525 ein Hirtenhaus, worin auch arme Leute ihre Herberge hatten und neben demselben waren zwei Pfandställe, worin das auf den Feldern, Wiesen und Hölzern gepfändete Vieh aufbewahret ward. Der eine davon ward den 4. Mai 1678 um 5 Fl. verkauft.

Nr. 622 (jetzt 561). Das Schießhaus der Scheibenschützen auf der Viehweide. Daß die Scheibenschützen bis zum J. 1605 auch ein Schießhaus in dem Zwinger am Hospital-Thore ehedem hatten, ist oben bereits erwähnt worden. Das erste Schießhaus auf der Viehweide scheint i. J. 1537 gebaut worden zu sein; denn es kommen in der Kämmerei-Rechnung dieses Jahres das erstemal Ausgaben vor, die darauf hindeuten, z.B. für das Schützenhaus zu heben, zu kleben und mit Schindeln zu decken. Das Hauptschießen geschah, wie noch jetzt, in der Pfingstwoche und das Sonntagsschießen dauerte ebenfalls, wie jetzt, von Trinitatis bis Michaelis. Das jetzige Schießhaus ward 1701 erbaut und nach dem siebenjährigen Kriege um 2 Fenster verlängert. Noch ehe das erste Schießhaus der Scheibenschützen errichtet ward, hatten schon die Vogelschützen ihr Schießen auf der Viehweide, wobei sie ein Schießhaus von Bretern aufrichten und dann wieder hinwegschaffen ließen. Wenn aber das Vogelschießen hier seinen Anfang genommen hat, läßt sich nicht genau bestimmmen. In der Kämmerei-Rechnung des J. 1485 wird zuerst einer neuen Vogelstange und des Rüstholzes dazu gedacht. Wenn auch dieses Jahr für das erste des Vogelschießens auf der Viehweide nicht sollte angenommen werden können, so kann es doch seinen Anfang nicht viel früher gehabt haben, denn die jetzige Viehweide ist nicht lange vor dem gedachten Jahre eingerichtet worden. Vorher hatte die Commun ihre Viehweide bei dem wüsten Schlosse vor dem Thiergarten, wozu sie drei Hofen Land von Ambrosius Wolframsdorf im J. 1404 (Urk. 17) kaufte, welche ihr Donnerstags nach Allerheiligen (den 30. Okt.) d. J. von dem Markgrafen Wilhelm I. bei seinem Aufenthalte in Grimma in Lehn gereichet wurden. Diese Viehweide mochte aber der weiten Entfernung wegen zu unbequem sein, daher ward nicht lange darauf die jetzige, viel nähere, gewählt. Dazu mochte wohl auch noch der Umstand viel beitragen, daß nach dem Hussitenkriege die Felder der verwüsteten Dörfer Gorau, Blumberg, Kunersdorf, Neuslitz zur Stadtflur geschlagen und dadurch der Viehstand vermehret ward. Die ältere Viehweide ist jetzt mit Holz bewachsen, das noch die Bürgerlehde genannt wird. In ältern Zeiten schossen die Schützen mit Armbrüsten, nach der Erfindung des Schießgewehrs mit Kugelbüchsen; doch behielten sie bis 1614 die Armbrüste noch nebenher bei. Die jetzige Vogelstange ward 1769 aufgerichtet und ist 74 Ellen hoch.

Im J. 1574 war Mittwochs nach der Bartholomäus-Woche ein sehr solennes Vogel- und Scheibenschießen, wozu, außer der Ritterschaft, auch fremde Schützen aus Dresden, Pirna, Stolpen, Bischofswerda, Leisnig und andern Städten, 47 Meilen im Umkreise, eingeladen und zu diesem Behufe 5 Buch Einladungsbriefe in Leipzig gedruckt wurden. Es ward zu dieser Feierlichkeit eine neue Vogelstange errichtet und die dazu nöthigen Bäume aus Roßwein geholt. Ein Zimmermeister nebst 7 Gesellen und 1 Handarbeiter brachten eine Woche zu, um Buden zum Würfeln um Zinn, zum Biere, zum Glückstopfe und andern Spielen aufzuschlagen und Kegelbahnen anzulegen. Ein und zwanzig Scheiben wurden für die Büchsenschützen vorräthig gemacht. Die Buden waren mit Maien umpflanzt. Die Anwesenden hielten sich in den in Menge aufgeschlagenen Zelten auf. Der Stadtmusikus erhöhete das Vergnügen durch Instrumental-Musik. Mittwochs nach Bartholomäus ward die Ritterschaft, die anwesenden Schützen aber den Freitag darauf bewirthet. Der Schützenschmaus ward Abends auf dem Rathhause gegeben. Nach vollbrachtem Schießen brachte der Zimmermeister mit 5 Gesellen zwei und einen halben Tag zu, um die Buden abzubrechen, aufzuräumen und die Vogelstange wieder in Stand zu setzen. Die Ausgaben bei diesem feierlichen Schießen betrugen 127 Schock 47 Gr. 8 Pf. darunter sind 21 Schock mit befriggen, welche die beiden Gold- und Silberarbeiter, Georg Muldenhauer und Hanns Freydiger, für die Verfertigung der Kleinodien erhielten, die unter diejenigen vertheilt wurden, welche die besten Schüsse thaten.

Bei dem Schießhause stand die zu unserer Väter Zeiten berühmte Linde, die über zehn Ellen im Umfange stark war. Im Monat März 1734 stürzte sie ein starker Sturmwind um. Die obere Hälfte, die abgesägt ward, gab 4 Klaftern Scheite und 3 bis 4 Fuder Reisholz. Die untere Hälfte ward mit Winden, Hebebäumen und Stützen wieder aufgerichtet und die entblößten Wurzeln mit Erde bedeckt, worauf sie, zur Verwunderung aller, wieder aufschlug, neue Aeste bekam und sich noch lange in gutem Wachsthume befand.

Von 1550 bis 1569 stand auch eine Schwarzfarbe mit einer dazu gehörigen Rolle auf der Viehweide. Schon 1532 ward sie zu bauen angefangen, 2 Schock Stämme Holz wurden dazu gekauft, auch ward eine in Dresden verfertigte Rolle angeschafft; allein sie kam nicht eher völlig zu Stande, als 1550. In diesem Jahre bat nämlich der Rath nochmals bei dem Landesherrn um die Erlaubniß, die Schwarzfarbe zu erbauen, und die Bitte ward ihm gewährt. Daher vollendete der Schwarzfärber Valten Standvest ihren Bau und übernahm 7 Mark Schoß darauf. Sie ging nach der Zeit wieder ein und ward auf die Ritterstraße in das Haus Nr. 253 (jetzt 173) verlegt.


Diese fängt sich mit Nr. 623 an, endiget sich mit Nr. 641 (jetzt 566 bis 586) und wird in den Steinweg und das Thal, wozu noch das von da nach dem Gottesacker gehende, sogenannte Poeten-Gäßchen gehört, eingetheilt.
Auf dem Steinwege brannte das Gartenhaus Nr. 623. d. 9. Sept. 1810 Nachmittags ab. Ein ähnliches Schicksal betraf auf dem Thale die 4 Scheunen bei dem Thalgute Nr. 624 – 628 welche den 18. Jul. 1587 früh um 4 Uhr durch einen Blitzstrahl entzündet wurden, und von diesen wieder die Scheune Nr. 628 als sie Otto Christ. Mühltech besaß, die erst nach einigen Jahren von Christ. Gottreich Thürmer wieder aufgebauet ward. No 631 ein Vorwerk, ward, als es Bürgermeister Liebe besaß, ein Raub der Flammen, blieb lange Zeit wüste und ward erst nach dem siebenjährigen Kriege von Dav. Friedr. Heyl wieder aufgebauet. Nr. 633 und 634. beides Vorwerke, brannten das einemal, als sie Bgmstr. Berthold besaß, den 2. Febr. 1674 Abends um 8 Uhr und das zweitemal den 10. Febr. 1807 Abends nach 9 Uhr zugleich ab. Nr. 641 ebenfalls ein Vorwerk, ging den 18. Sept. 1738 als die Hospitalgasse abbrannte, durch das Flugfeuer angezündet, im Feuer auf
3) . (Nr. 623 jetzt 566, Nr. 641 jetzt 586. Die Scheunen 625 bis 628 jetzt 568 bis 571, Nr. 631 jetzt 575, Nr. 633 und 634 jetzt 577 und 578, Nr. 641 jetzt 586).

Die Durchfahrt durch die Döllnitzbach bei dem Strehlaischen Thore nach der Viehweide hin wird 1650 die Sauschwemme genannt und der daran hingehende Damm ward 1653. mit 13 Schock 7 Gr. 8 Pf. Kosten angelegt.

Das Thalgut, (jetzt 572) unter des Amtes Gerichtsbarkeit gehörig, ward wahrscheinlich von einem Ritter, der nicht lange nach Entstehung der Stadt als militärischer Befehlshaber in derselben wohnte, erbauet. Oswald Preger war zu Ende des vierzehnten Jahrhunderts der erste bekannte Besitzer. Nach ihm besaß es Hanns von Truchsaß auf Borna. Von demselben kaufte es 1412 Peter von der Dahme und Heinrich Kramer, beides Bürger der Stadt, und ließen dasselbe, da es vorher Mannlehn gewesen war, durch die Markgräfin Anna in ein Erbgut und das darauf gelegene Lehnpferd in ein Schock jährlichen Zins verwandeln, wie die zu Eilenburg Donnerstags nach dem Tage Agnes (den 21. Jan.) 1412 ausgefertigte Urkunde beweiset. Noch vor 1494 gehörte es Albrecht und Christoph Langenau, davon der letzte es an Kraft von Bibra auf Altoschatz verkaufte. Als das Thalgut Gottfried und Matthes Kober besaßen, kam auf ihr Suppliciren am 20. Sept. 1646. der Befehl den 15. Okt. d. J. an den Amtsvoigt, daß künftig nur 1 Rthl. jährlicher Zins entrichtet werden sollte. Der Amtsverwalter Wolf Heinrich Möschke zu Sornzig, der eine Kobersche Tochter zur Gattin hatte, besaß es zu Anfange des achtzehnten Jahrhunderst und kaufte den 2. Sept. 1723 3½ Viertel Feld in der Noitzscher Flur für 1000 Fl. dazu. Nach dessen Tode besaßen das Gut seine Erben eine Zeitlang in Gemeinschaft. Von denselben kaufte es im J. 1788 der General-Accis-Commissar Johann Theodor Geyder, dessen Mittwe es jetzt besitzt.

Vor einigen Jahren ward dem Thalgute gegen über bei dem Hause Nr. 630 (jetzt 574) ein steinernes Kreuz aus der Erde gegraben und als ein Denkmal des Alterthums an die Ecke des Pfundischen Gartens aufgestellt, wo es noch jetzt steht. Es ist eins von den beiden Kreuzen, davon, nach den Stadtgerichtsbüchern, das eine im J. 1483. von Georg Kleeblatt des Todschlags wegen, den er an Andreas Schönberg begangen hatte, und das andere im J. 1485. von Thomas Osterland wegen des an Nicol. Teubner verübten Mordes, nach obrigkeitlicher Erkenntniß, zur Strafe gesetzet ward.

Weiter hin auf dem Wege in die Gorauer Flur vor dem Sonntagischen Vorwerke Nr. 631 (jetzt 575) stehen ebenfalls neben einander 3 kleine steinerne Kreuze, die aber fast ganz in die Erde versunken sind. Sie sind Zeichen, daß ehemals daselbst die Gerichtsstätte gewesen ist, wo Missethäter abgethan wurden. Daher werden auch die nicht weit davon, an dem Wege nach Manschatz, liegenden Gärten in des Amts Kauf- und Handelsbüchern Ruhlands- oder wie es eigentlich heißen sollte, Rugelandsgärten genannt. Denn Kreuze dieser Art waren Zeichen der peinlichen Gerichtsbarkeit; das Altdeutsche Wort Ruge oder Rüge bezeichnet nichts anders, als was wir Gericht nennen.


Diese geht von Nr. 642 bis 666 (642 ist jetzt 590 und zwar mit 589 verbunden; Nr. 666 ist jetzt 617) worunter 2 Wüstungen sind. dazu werden gerechnet die Queergasse von dem Strehlaischen Steinwege bis zu dem Gottesacker; die Häuser von dem Hospital-Thore bis an die drei Kreuze; und die Häuser nebst Scheunen an dem Naundorfer Fußsteige.

Die vorzüglichsten Feuersbrünste in dieser Vorstadt sind folgende: Das Vorwerk Nr. 652 (jetzt 602) ward den Freitag nach Dionysius früh zwischen 7 und 8 Uhr, als es Hanns von Rothschütz hinterlassene Wittwe besaß, in einer Befehdung der Stadt, mit allen Gebäuden in die Asche gelegt, darauf wieder aufgebaut, aber 1610 wieder durch Feuer verwüstet. Erst im J. 1742 ward auf der Wüstung ein Wohnhaus errichtet, welches nach dem siebenjähr. Kriege wieder in ein Vorwerk verwandelt ward. Im J. 1616 den 4. Jul. brannte mit der Stadt in den Ringmauern zugleich das Hospital-Gebäude zu St. Georgen ab und ward nicht wieder aufgebaut. Das Vorwerk Nr. 648 (Nr. 648 ist jetzt 597 und gehören noch die Nummern 595, 596 und 598 dazu) das damals Salomon Taucher zugehörte, ward den 7. Jun. 1676 Nachmittags gegen 6 Uhr durch einen Blitzstrahl entzündet und brannte nebst den Ställen ab, die Scheune aber blieb stehen. Die Flamme ergriff auch Paul Bösens anstoßende Scheune und Thorhaus, doch verschonte sie sein Wohnhaus. Durch einen starken Regenguß ward der hinter dem Vorwerksgarten befindliche Graben so voll Wasser, daß die Löschenden dadurch in den Stand gesetzt wurden, die Gluth desto eher zu dämpfen. Die zu Nr. 647 gehörige Scheune ward ebenfalls durch einen zündenden Blitzstrahl am 20. Jul. 1788 Nachmittags gegen 5 Uhr in die Asche gelegt.

Der Rasenfleck neben der Postsäule an der Dresdner Straße wird in Schriften der Ort bei den steinernen drei Kreuzen darum genannt, weil die daselbst befindlichen Kreuze den Ort bezeichnen, worauf der Rath bei hinzurichtenden Missethätern die peinliche Gerichtsbarkeit ausübet.

Nr. 650 (jetzt 599). Die Begräbnißkirche zu St. Georg nebst ihrem Gottesacker. Auf der Stelle dieses Kirchengebäudes stand vormals eine Kapelle, die zu dem Georgen-Hospital, das sich über der Straße befand, gehörte. Sie wird in einem Gunstbriefe Bischoff Dietrichs zu Meißen vom J. 1468 in welchem er dem Rathe gestattet, durch einen Kapellan wöchentlich drei bis vier Messen daselbst bestellen zu lassen, die neue Georgen-Kapelle genannt, daraus zu schließen ist, daß sie nicht lange vorher erbaut worden sein mag. Vielleicht geschah der Bau kurz nach dem J. 1429 als das von den Hussiten abgebrannte Hospital wieder hergestelltet ward. Vorher befand sich die Kapelle in dem Hospitalgebäude selbst. Nach der Reformation ward sie die Begräbnißkirche unserer Stadt, darin die Leichenreden gehalten und Verstorbene, wenn es verlangt ward, begraben wurden. Schon im J. 1576 beschäftigte sich der Rath damit, eine neue Kirche zu bauen, und erhielt auf seine Bitte von dem Landesherrn 62 kieferne Baustämme aus der Reudnitzer Haide. Das übrige Holz nahm er aus seiner eigenen Waldung zu Krummlamperswalda. Im Februar 1584 ward die alte Kapelle abgetragen und im Monat Mai der Grund zur neuen Kirche gegraben. Da die Kirche an Umfang größer ward, als die ehemalige Kapelle gewesen war, so wurden die ausgegrabenen unverweseten Leichname auf andere Stellen verlegt. Die Steine zur Kirche wurden aus dem Bruche zu Altoschatz und bei dem Weinberge in der Gegend des kleinen Forstes, auch zum Theil bei der Lehmgrube gebrochen. Die Stelle, wo bei dem letzten Orte Steine gewonnen wurden, läßt sich jetzt nicht mehr bestimmt bezeichnen. Die Ziegelsteine zum neuen Altar-Tische lieferte die Ziegelbrennerei zu Lösnig. Das Geschränke über demselben, das noch aus den Zeiten des Pastthums herrührt, behielt man aus der abgebrochenen Kapelle bei. In der Mitte desselben steht Maria, das Christuskind auf den Armen haltend, von der Sonne beglänzt, in Lebensgröße. Ihr Haupt schmückt eine Krone, gefertiget und fein vergoldet. Auf dem rechten Flügel stellt sich, auf gleiche Art gearbeitet, das Bildniß des h. Martins 4) , und auf dem linken das der h. Elisabeth, deren Lebensumstände ich schon oben kurz angegeben habe, dem schauenden Auge dar. Das Geschränke ruht auf einem Postament, in dessen Vertiefung durch die Bildhauerkunst eine Stube dargestellt ist, wo eine im Bette liegende Weibsperson von einem Kinde entbunden und von Hospital-Leuten mit Erquickungen und andern Hülfsleistungen bedient wird 5) . Der Bau der Kirche ward 1587. vollendet und kostete 639 Schock 36 Gr. 6 Pf. Der 3. Sept. 1587 war der Tag ihrer Einweihung. Der Ehefrau Brosius Bösens ward die erste Leichenpredigt den 22. Okt. d. J. gehalten und Hannsens von Minkwitz Sohn ward 1599 gegen Erlegung 3 Schock 30 Gr. zuerst darin begraben. Es geschahen auch verschiedene Vermächtnisse für diese Kirche. Michael Fausts hinterlassene Tochter legirte Freitags nach Matth. 1590. drei Schock 30 Gr. Paul Schefler 1598 ein Schock 45 Gr. und nach seinem Ableben seine Erben eben so viel. Im J. 1633 den 13. Okt. ward ein Kind des Viehhofmeisters auf dem Taucherschen Vorwerke Nr. 648 in dieser Kirche getauft, weil in der Stadt ansteckende Krankheiten herrichten. Die gegenwärtige ganz steinerne Kanzel ward 1640 und der Chor auf der Mitternachtsseite, 27 Ellen lang, im J. 1667 erbaut. Unter dem Fußboden der Kirche befinden sich verschiedene Todtengrüfte, an den Wänden und Chören viele Leichensteine und Tafeln mit Kränzen. Die gegen Mittag angebaute Betstube nebst dem darunter befindlichen Begräbnisse ist ein Werk des Bürgermeisters Gerhardt, dessen Tochter, Joh. Christiana, verehelichte Berthold, sie nach ihres Mannes Tode dem Rathe gegen ein Aversional-Quantum von 16 Rthlr. den 18. April 1791 abtrat. Von dieser Zeit an erhalten die Personen des Raths und nach Befinden andere Personen darin ihre Ruhestätte. Im siebenjährigen Kriege diente diese Kirche zu einem Stroh- und Heu-Magazin. Im J. 1768 ward im Monat Junius von der Thurmhaube der alte zinnerne, 3 Pfund schwere und übergoldete Knopf abgenommen und dafür ein neuer Knopf von Kupfer, 7 Pfund schwer, aufgesetzt, in welchen einige Geldstücke nebst einer Denkschrift, von dem damaligen Stadtschreiber L. Gottlieb Ernst Lucius verfertiget und in einer blechernen Kapsel verwahrt, gelegt wurden.

Der Gottesacker war von dem Eingange bis zur Kirche ehedem nur der ausschließende Begräbnißort für die im Georgen-Hospital Verstorbenen. Erst im J. 1526 ward die allgemeine Begräbnißstätte für die Stadtbewohner von dem zeitherigen Kirchhofe bei der Aegidius-Kirche dahin verlegt. Da aber der Raum zu klein war, die größere Menge der verstorbenen Stadtbewohner zu fassen, so suchte man ihn zu erweitern. Zuerst ward der Raum, worauf das Priesterhaus gestanden hatte, 1535 dazu genommen und dem Priester seine Wohnung in dem Hospital angewiesen. Jener Raum ward von dem Bischoff zu Meißen, Johann von Saalhausen, den der Rath in dem Gasthofe zum weißen Schwane mit 5 Schock 13 Gr. auslöste, eingeweiht. Hernach kaufte der Rath ein Stück von Nicol. Müllers Gute dazu; sodann 1552 Benedix Rauchhuts Scheune und Garten für 35 Schock. Hierauf ward die alte Gottesacker-Mauer abgetragen und der erweiterte Begräbnißplatz mit einer neuen Mauer umgeben. Die letzte Erweiterung geschah 1618 mit den Plätzen von 2 abgebrannten Scheunen. der von Stollberg erkaufte, unmittelbar hinter der Kirche befindliche, Raum ward zum Begräbnißort der an der Pest Verstorbenen bestimmt und ein besonderes Thor aufgeführt, wodurch sie gefahren wurden, daher ward es das Pestthor, das schwarze Thor, auch das arme Sünderthor genannt, weil vor demselben, außerhalb der Kirchhofdmauer nicht nur die Selbstentleibten, sondern auch die hingerichteten Missethäter begraben wurden. Es ward nachher zugemauert und die dadurch entstandene Vertiefung 1682 mit Thon ausgefüllt. Im J. 1586 ward zur Aufbewahrung der Bahren ein besonderes Haus erbaut und schwarz angestrichen. - Es war in den ehemaligen Pestzeiten nichts ungewöhnliches, daß die Todtengräber vorgaben, sie hätten diesen und jenen Todten mit dem Munde schmatzen hören, und diese vorgebliche Wahrnehmung dahin deuteten, daß der Todte noch mehrere von seinen Freunden nachholen würde. Sie gruben daher die Todten wieder aus, rissen ihnen, ihren Vorgeben anch, die Kleider, daran sie kaueten, aus dem Munde und stachen ihnen mit dem Grabescheinte den Kopf ab. Daher rührt die Gewohnheit, daß die Leichenweiber bei Eröffnung des Sarges vor dem Grabe alle vom Munde des Verstorbenen sorgfältig entfernen, damit er von seinem Anzuge mit dem Munde nichts erreichen kann 6). Als die Pest 1552 in Oschatz manches Opfer forderte, so wurden zu Ende des Augusts zwei besondere Wächter gehalten, welche 3 Nächte auf dem Gottesacker wachen und horchen sollten, ob die Todten schmatzten. - Im Jahre 1637 ward die von den Soldaten zur Zeit des dreißigjährigen Krieges zerstörte Kirchhofsmauer wieder hergestellt, und ein Theil der Kosten aus den Einkünften des Gemeingutes, der andere aber auf Ansuchen durch eine freiwillige Beisteuer, die 32 Rthl. 3 Pf. betrug, bestritten.

Nr. 661 (jetzt 612). Das Lazareth. Auf der Stelle desselben stand sonst Hanns Walthers Vorwerk, das der Rath im J. 1614 für 162 Schock 45 Gr. kaufte und mit 21 Schock aufgewandten Baukosten zu einem neuen Siechhause oder Lazareth einrichten ließ, um zur Zeit eines großen Strebens Personen, die kein unterkommen finden konnten, oder kranke Handwerksgesellen und Dienstboten darin aufzunehmen. Es brannte im Jahre 1616 mit der Stadt ab und blieb bis 1653 wüste, ward aber in diesem Jahre wieder mit 34 Schock. 3 Gr. aufgeführt und die obere Wohnung für den Todtengräber, die untere für den Armenvoigt bestimmt, um die fremden Bettler und andre arme Personen außer der Stadt zu beherbergen. Im J. 1741 ward es, wie es jetzt ist, wieder neu und zwar ganz steinern erbaut, und bekam in der Länge 17, und in der Breite 14 ½ Elle. Die Unterstube wird es jetzt zu einer Krankenstube für das allhier in Garnison stehende Bataillon gebraucht.

Nr. 665. und 666 (jetzt 617). Vormals das Hospital zu St. Georgen. Die eigentliche Zeit, wenn dieses Hospital gestiftet worden ist, läßt sich, da kein Stiftungsbrief mehr vorhanden ist, nicht bestimmen. Zuerst wird desselben in dem ältesten Stadtbuche gedacht, wo bei dem J. 1300 eine Willkühr aufgezeichnet ist, daß vor dem Spitzelthor die Graben gehoben werden sollen. Würde dieß Thor diesen Namen haben können, wenn nicht schon das Hospital vorhanden gewesen wäre? Wer kann aber wissen, wie lange es vorher schon da war? Daß aber der Rath dasselbe gestiftet hat, läßt sich aus Urkunden beweisen. In einer Urkunde vom J. 1356 in welcher der Meißnische Bischoff Johann dem hiesigen Rathe die Stiftung eines eigenen Priesters in dem Hospital und das Patronat-Recht über den Altar daselbst bestätiget, wird es des Raths Hospital genannt und in einer andern Urkunde v. J. 1468 worin Bischoff Dietrich dem Rathe bewilliget, einige Aecker des Hospitals zu vererben, wird gesagt, der Rath habe ihm, dem Bischoffe, zu erkennen gegeben, wie sie vor der Stadt daselbst ein Spital hätten. Bei dem feindlichen Einfalle der Hussiten im J. 1429 ward das Hospital-Gebäude von der militärischen Besatzung der Stadt selbst abgebrochen, damit der Feind von dieser Seite keinen Anfall unternehmen könnte. Als es wieder erbauet war, ward es im J. 1471 vom Bischoff Dietrich zu Ehren der Jungfrau Maria, des h. Georg, der h. Margaretha und Marien Magdalenen und aller Heiligen eingeweihet. Im J. 1529 ließ der Rath an das Hospital-Gebäude noch ein Haus anbauen, worin arme Leute beherbergt wurden. Das Gebäude ward mit der Zeit baufällig und konnte auch die Anzahl der Armen nicht mehr fassen. Daher wurden 1581 die Hospital-Armen in das ledige Franciskaner-Kloster verlegt und in das Hospital 12 Weibspersonen, besonders solche, die betagt waren und bei anstehenden Seuchen die Kranken pflegen sollten, ferner arme Waisen, fremde Arme und Landbettler von neuem aufgenommen. Der Armenvoigt, der auf die Landstreicher Acht hatte, warf als Hauswirth in dasselbe gesetzt. Auch behielt der Todtengräber, der schon lange vorher seinen Aufenthalt darin gehabt hatte, noch ferne seine Wohnung daselbst. Das Hospital ward bei dem allgemeinen Stadtbrande 1616 in die Asche gelegt und nicht wieder aufgebaut. Auf der Stelle desselben ist jetzt ein Garten (No. 665) der von dem Procurator des geistlichen Aerarium genutzt wird, und ein Haus (No. 666), das 1719 von Joh. Christ. Hennicke erbauet ward. Neben diesem Hause steht nordwärts eine Commun-Plumpe.

Als bei der Einrichtung des Brandversicherungs-Katastrum im J. 1785 die Häuser in und vor der Stadt numerirt wurdne, belief sich ihre Zahl auf 666. Nach der Zeit sind noch 6 neue Nummern hinzu gekommen: Nr. 667 (jetzt 526) ein Haus am Ende der Goldgasse, Nr. 669 (jetzt 135) ein auf dem Kloster-Kirchhofe befindliches Commun-Spritzenhaus, Nr. 671 (jetzt 515) ein vor dem Brüderthore und Nr. 672 (jetzt 601) ein am Fuße des Dreikreuzenberges vor dem Hospital-Thore auf einem Commun-Platze erbautes Haus. Ferner 668 (jetzt 596) eine, mit hoher Approbation abgetheilte, Scheune vor dem Hospital-Thore und Nr. 670 (jetzt 408) ein zu einem Wohnhause eingerichtetes Gartenhaus vor dem Altoschatzer Thore. Dadurch sind die Nummern bis auf 672 vermehrt worden.

Das Assecurations-Quantum der sämmtlichen Gebäude in der Stadt und Vorstadt beträgt bei der Immobiliar-Brand-Gasse 464,300 Thaler.


Zur Zeit der Einführung der Lutherischen Kirchenverbesserung oder im J. 1539 waren in den Ringmauern der Stadt mehr Häuser als jetzt. Denn seit dem großen Brande 1616 blieben nicht nur viele Stellen wüste liegen, sondern viele Stellen, die ehemals 2, 3 und 4 Häuser ausmachten, wurden späterhin in ein Haus zusammengebaut. Außer den Bürgerhäusern befanden sich in der Stadt 2 Kirchen mit 3 eingebauten Kapellen, eine freistehende Kapelle, die Pleban-Wohnung, ein Kloster, 2 Termineien auswärtiger Mönchs-Orden, 9 Altaristen- und Choralisten-Wohnungen; die Schul- und Kirchner-Wohnung, 26 Commun-Gebäude, darunter 3 Wassermühlen, 1 Schleif- und 1 Pulvermühle, nebst 1 Pulverhause, 4 Gasthöfe, 11 Brauhäuser, 5 Malzhäuser, 2 Badstuben, 3 Färbereien und 4 Thorhäuser. In der Vorstadt standen, aus eben den oben angezeigten Ursachen, ehemals auch mehr Häuser, als in unsern Zeiten, und dazu gehörten 1 Hospital und 1 Kapelle.

Im J. 1628. mithin 12 Jahre nach dem unglücklichen Brande und in dem ersten Drittheile des dreißigjährigen Krieges, wurden außer den öffentlichen Gebäuden in der Ringmauer 394 Bürgerhäuser gezählt, davon waren 1649 nur 160 zum Theil sehr baufällige Häuser bewohnt, 56 Häuser hatten keine Wirthe und 22 waren ganz menschenleer, 156 aber gänzlich niedergerissen. In den Vorstädten standen im J. 1633 150 Häuser, welche 1649 bis auf 12 kleine Häuser vor dem Brüder-Thore, eingegangen waren.

In dem jetzt laufenden Jahre 1812 befinden sich in der Ringmauer 457 Nummern. Darunter sind 6 königliche, 18 öffentliche und Commun- nebst 2 Kirchen- und 8 geistlichen Gebäuden, 2 Wassermühlen, 3 Gasthöfe, 3 Brauhäuser. 1 Malzhaus, 2 Schönfarben, 1 Schwarzfarbe und 58 Wüstungen; in der Vorstadt hingegen 215 Nummern, dabei sind mit eingeschlossen: 1 Kirche, 1 Commun-Gebäude, 16 Vorwerke, 38 Scheunen, 28 Wüstungen, davon zehn wüste Scheunenplätze sind. Von den Häusern sind 214 brauberechtigt, und überhaupt 86 Wüstungen, welche theils dem am 4 Jul. 1616 entstandenen großen Brande, theils dem darauf folgenden dreißigjährigen Kriege zuzuschreiben sind.

Vergleicht man die Zahl 672. mit der in dem Sächsischen Magazin 7) eingerückten statistischen Rangordnung Sächsischer Städte, so gehört Oschatz jetzt in die erste Classe der dritten Ordnung und wenn die Wüstungen wieder aufgebauet werden sollten, wozu, wenn bessere Zeiten eintreten, große Hoffnung ist, so würde es in die dritte Classe der zweiten Ordnung der Städte im Königreiche Sachsen aufgenommen werden müssen.

weiter zur 3 Abtheilung


1) So ist z.B. in Meißen der ehemalige rothe Thurm (Wellers Samml. zur Sächs. Gesch. B. I. S. 241.) und die rothe Schenke auf dem Dom daselbst bekannt. Moller führt in der Freiberger Chron. Th. I. S. 178. ein rothes Vorwerk daselbst an. Eines dergleichen ist auch in Grimma und Chemnitz. Der in Halle auf dem Markte stehende Thurm wird auch der rothe Thurm genannt. Dieser Name wird ebenfalls dem Pulverthurme in der Oschatzer Stadtmauer ehemals aus dem Grunde gegeben, weil er mit Ziegeln gedeckt war.  zurück

2) Vorher ging die Poststraße über die Poststationen zu Lonnewitz und Kalbitz, durch Oschatz, wo die Briefe und Pakete, die hierher gehörten, dem Thorwärter um Brüderthore zur Bestellung übergeben wurden.  zurück

3) Ich würde es selbst nicht verzeihen können, wenn ich bei der Anzeige dieser Feuersbrünste mit Stillschweigen übergehen wollte, daß mich selbst zwei darunter betroffen haben. Durch die eine den 10. Febr. 1807. ward der größte Theil des Wohnhauses nebst einem eingebauten Stalle meines Vorwerks Nr. 633. und druch die andere den 9. Sept. 1810. mein Gartenhaus Nr. 623. verheert. Die thätige Theilnahme meiner verehrtesten Mitbürger aus höhern und niedern Ständen erblickte ich bei dieser zweimaligen Noth in einer rührenden Größe. Vorzüglich wird mit der gefahrvolle Abend des 10. Febr. 1807. unvergeßlich bleiben. Ich saß einsam in meiner Wohnung, als ich eine Feuersäule in der Gegens meines Vorwerks aufsteigen sah, die, wie ich bald härte, in dem neben anstehenden Vorwerks ausgebrochen war. So schnell, als ich vermochte, eilte ich an den Ort der Gefahr, sah das Wirthschaftsgebäude noch unverletzt und hülfleistende Menschenfreunde, die das Vieh und Wirthschaftsgeräthe retteten, meinen Wünschen und Bitten zuvorkommen. Welch' ein erhebender Anblick für mich bei dieser beugenden Schreckens-Scene! Aber wie trübte sich mein Blick, welch' eine Wehmuth ergriff mich, als ich vernehmen mußte, daß Einer jener edeln Retter, Johann Gottfried Funke, ein Opfer seiner menschenfreundlichen, aber zu großen Anstrengung geworden und durch einen Schlagfluß schnell in den Arm des Todes gesunken sei! Nur der Gedanke: das letzte Werk dieses Edeln auf Erden war ein Werk der Liebe, das ihn in die vergeltende Ewigkeit begleitet, konnte meine Wehmuth mildern. Gottes Friede umschwebe seinen Geist und sanfte Ruhe seine Gebeine! Aber Sie, theuerste Mitbürger, die Sie in jenen angstvollen Stunden mein Eigenthum mit so ausgezeichneter Menschenfreundlichkeit zu retten suchten, empfangen Sie hier öffentlich den schuldigen Tribut meiner nie verlöschenden Dankbarkeit! Was Sie an mir thaten, vergelte die Hand des Allgerechten reichlich!!  zurück

4) Aus Sarvar, einer Stadt in Ungarn, gebürtig, ward er in seinem 17. Jahre von seinem Vater, einem Römischen Obersten aus dem Grunde, weil er sich schon im 10. Jahre wider des Vaters Willen zur christlichen Religion bekannt hatte, zum Soldatenstande gewzungen. Er ward im J. 573. Bischof zu Tours in Frankreich und starb daselbst zu Anfange des fünften Jahrhunderts mit einem so großen Nachruhm seiner Heiligkeit, daß er bald der Schutzheilige vieler Länder ward und ihm zu Ehren unzählige Kirchen, Kapellen und Klöster erbaut und geweihet wurden. Seine öffentliche Verehrung befahl Papst Martin im J. 650. und als der Eifer für dieselbe abnahm, ward sie im J. 883. auf einer Kirchenversammlung vom Erzbischof zu Tours aufs neue empfohlen. Das Fest seiner Verehrung fiel auf den 11ten Oktober, als seinen Todestag und es ward mit feierlichen Schmausereien begangen, wobei die Sittsamkeit oft in Unsittlichkeit ausartete, so da´in der Folge jeder liederlicher Mensch, der sein Gut mit Schwelgen verpraßt hatte, ein Martinsbruder oder Martinsmann genannt ward. Das Essen der Martinsgans und der Martinshörner, welche die Strahles seines Hauptes, als eines canonisirten Heiligen, vorstellen sollen, gehörten ebenfalls als ein wesentliches Stück zu seiner Verehrung. Von dem Martins-Feste findet man eine ausführlichere Nachricht in Haschens Sächs. Magaz. Th. III, S. 626. bis 635.   zurück

5) Eine fast ähnliche Abbildung findet man in description des ordres des femmes et filles religieuses. Avec les Figures de leurs Habits, graves par Adrien Schoonebeck, à Amsterdam 1688. p 65.

6) Schöttgens Historie der Stadt Wurzen, S. 661. 662.  zurück

7) B.VI. S. 476 bis 489. Die Sächs. Städte werden daselbst in 3 Ordnungen und jede Ordnung wieder in 3 Classen getheilt. In der ersten Ordnung gehören zur ersten Classe die Städte von 2000 bis 2600 Häusern; zur zweiten die von 1500 bis 2000; zur dritten die von 1100 bis 1500 Häusern. In der zweiten Ordnung machen die Städte von 900 bis 1100 Häuser die erste Classe die von 700 bis 900 die zweite und die von 500 bis 700 die dritte Classe aus. In der dritten Ordnung stehen die Städte von 350 bis 500 Häusern in der ersten, die von 200 bis 350 in der zweiten und und die von 100 bis 200 Häusern in der dritten Classe.  zurück




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